Nürnbergs Neuzugang will alsbald eingreifen

Schleusener: "Ich bin, salopp gesagt, geil auf Tore"

Fabian Schleusener

Bald steigt er ins Mannschaftstraining ein: FCN-Neuzugang Fabian Schleusener. imago images

Doch der Reihe nach: Den sich seit Wochen abzeichnenden Transfer von Fabian Schleusener (der kicker berichtete) hat Sportvorstand Robert Palikuca am Dienstag unter Dach und Fach gebracht. Rund 450.000 Euro als Sockelablöse überweist der FCN an den SC Freiburg für den Mittelstürmer, der zuletzt auf Leihbasis für den SV Sandhausen auf Torejagd ging und in 28 Pflichtspielen, zwei Pokalpartien inklusive, elfmal traf sowie zwei Treffer vorbereitete. Der 27-Jährige hat einen Dreijahresvertrag unterschrieben und ist am Dienstagabend ins Trainingslager nachgereist.

Nach Schienbeinbruch: Noch radelt Schleusener nur

Tags darauf hat er seine neuen Kollegen bei der Vormittagseinheit erstmals bei der Arbeit beobachtet - und ist dabei selbst ins Schwitzen gekommen, ohne mitzumischen. Auf einem am Spielfeldrand stehenden Ergometer begutachte er strampelnder Weise, wie Trainer Damir Canadi Eckballvarianten einstudieren ließ. Bis Schleusener selbst eingreifen kann, werden noch ein paar Wochen ins Land verstreichen. Schuld daran hat ein Zusammenstoß Ende März mit dem damaligen Ingolstädter Torhüter Philipp Tschauner, bei dem er sich das Schienbein glatt durchbrach. Am vergangenen Freitag ließ er sich eine Schraube aus dem Knochen entfernen, auch um den Heilungsprozess zu beschleunigen. Läuft weiterhin alles nach Plan, wird er im September voll ins Mannschaftstraining einsteigen können. "Auch wenn er uns jetzt noch nicht helfen kann, freuen wir uns erst mal, dass er da ist", sagt Canadi.

Mit Schleusener weiß der Bundesliga-Absteiger nun einen Angreifer mit einem außergewöhnlichen Karriereverlauf in seinen Reihen. Ein NLZ hat der gebürtige Freiburger nie von innen gesehen, er, der sich selbst als Spätzünder bezeichnet, hat sich im Wortsinn nach oben geballert. Begonnen hat er im Seniorenbereich in der siebten Liga, von dort ging es stetig eine Stufe empor - und immer pflasterten Tore seinen Weg. 2015 verpflichtete ihn der SC Freiburg für die zweite Mannschaft, für die er 13-mal einnetzte. Ein Jahr später schickte ihn der SC auf "Gesellenreise", über die Stationen FSV Frankfurt (acht Tore), Karlsruher SC (17 Tore) und eben Sandhausen markiert nun der Club das Ende der Wanderschaft. "Ich bin froh, nun eine Home Base zu haben, aber meinen bisherigen Weg möchte ich nicht missen. Ich habe auf jeder Station funktioniert - und davon profitiere ich jetzt", sagt Schleusener.

Ich würde lügen, dass die mir noch fehlende Liga nicht reizt.

Fabian Schleusener

Ein Weg, der ligatechnisch allerdings noch nicht beendet sein soll. "Ich würde lügen, dass die mir noch fehlende Liga nicht reizt." Anders ausgedrückt: Er möchte in die Bundesliga, der Club will in die Bundesliga. Passt schon mal. Dass bei den Franken auf seiner angestammten Positionen nunmehr ein großes Gedränge herrscht, stört ihn nicht die Spur. "Wer meinen Werdegang verfolgt, weiß, dass ich den Konkurrenzkampf noch nie gescheut habe. Im Gegenteil. Er ist wichtig, er macht einen besser", betont er.

Vier Mittelstürmer im Lager des FCN

Mit ihm hat der Club nunmehr nominell mit Mikael Ishak, Törles Knöll und dem Kreuzband-Rekonvaleszenten Adam Zrelak vier Mittelstürmer an Bord - das vom BVB geholte und vorerst für die U 21 vorgesehene Sturmtalent Paul Besong (18) nicht eingerechnet. Da scheint es sich gut zu treffen, dass Schleusener sich nicht nur als Mittelstürmer sieht. "Mir ist es eigentlich egal, ob ich in der Mitte oder als hängende Spitze eingesetzt werde, oder über den Flügel komme. Hauptsache ich spiele", so der Neuzugang, der allerdings im Zentrum schon am besten zur Geltung gekommen ist. Dort setzt der Mann, der nebenbei ein auf nackten Fakten basierendes BWL-Finanzdual-Studium praktizierte, voll und ganz auf seinen Instinkt und sein Bauchgefühl: "Ich bin, salopp gesagt, geil auf Tore." Und dass er aufgrund seines ungewöhnlichen Karriereweges mitunter nicht nach Schema F agiert, hat sich bislang nicht gerade schädlich auf seine Quote ausgewirkt.

Misidjan ist wieder mit an Bord

Apropos unkonventionelle Spielweise. Dieses Etikett kann man getrost auch Virgil Misidjan anheften. Seine Dribbelkünste wie auch seine Schnelligkeit können zum Trumpf in einer schwierigen, komplizierten Saison werden - wenn er denn den Kopf vollständig frei bekommt. Zunächst gilt es aber Verpasstes nachzuholen, und so absolvierte der Drei-Millionen-Euro-Einkauf aus der vergangenen Saison am Mittwochvormittag noch Spurts und Steigerungsläufe, als seine Kollegen bereits in der Kabine waren. Über welch enormes Tempo er verfügt, wurde dabei mal wieder offensichtlich. Misidjan und Schleusener in einer Mannschaft - das könnte eine hochinteressante Variante werden.

Christian Biechele