Herthas neuer Coach bilanziert das Trainingslager

Covic: "... dann bist du den Jungs etwas schuldig"

Lautstark im Training: Herthas Coach Ante Covic.

Lautstark im Training: Herthas Coach Ante Covic. imago images

Aus Herthas Trainingslager in Neuruppin berichtet Steffen Rohr

Zwischendurch klang er in den Tagen von Neuruppin fast ein wenig heiser. Ante Covic schonte im Trainingslager weder seine Stimme noch seine Spieler. Am Mittwochnachmittag kehrte der Hertha-Tross in die Hauptstadt zurück. Der Donnerstag ist frei, am Freitagnachmittag geht die Vorbereitung weiter, am Samstag bestreitet Hertha das Jubiläumsturnier beim Karlsruher SC. Nach dem einwöchigen Camp im nördlichen Brandenburg spricht Covic über ...

... die Woche in Neuruppin: "Es war ein gelungenes Trainingslager. Uns wurden Top-Bedingungen geboten. Für mich war es sehr, sehr gut, dass wir keinen Verletzten dazubekommen haben. Und es war wichtig, dass wir große Umfänge gepaart mit Inhalten fahren konnten. Das ist uns gut gelungen. Wenn du dann ein Testspiel zu dem Zeitpunkt mit 4:1 gewinnst (gegen Drittligist Braunschweig, d. Red.), bestärkt es dich in dem, was du machst. Wir machen häufig viel mit Ball, aber sind sehr hohe Umfänge gefahren. Wir hatten uns eine Kilometerzahl vorgenommen für die Woche - wenn wir die mit Ball erreichen, freut mich das als Trainer."

... seinen Eindruck vom Team: "Ich habe eine völlig intakte Truppe übernommen, eine Mannschaft, die sehr, sehr willig und permanent wissbegierig ist und deren Antennen ausgefahren sind. Wenn man als neuer Trainer beginnt, erhofft man sich genau so einen Effekt - dass alle wachsam sind. Es ist ein wunderbares Arbeiten im Moment. Das oberste Gebot ist es, sich dem Trainer zu zeigen. Es ist faszinierend, mit welchem Eigenantrieb die Jungs an die Sache gehen. Die Laune war trotz der Umfänge nie im Keller. Die Jungs hatten Freude an dem, was auf sie zukommt. Bisher musste ich sie nur mitnehmen und auf den Weg bringen und noch keine Entscheidung treffen, mit der ich jemandem weh tue. Wenn es losgeht, wird es sich zeigen. Es können nur elf spielen. Aber ich bin immer noch der Meinung, dass sich eine Saison nicht auf den Positionen 1 bis 11 entscheidet, sondern ab Position 12."

Ich bin der Meinung, dass sich eine Saison nicht auf den Positionen 1 bis 11 entscheidet, sondern ab Position 12.

Ante Covic

... seine Arbeit an Feinheiten: "Es geht im Training um Details: Positionsspiel, offenes Stellungsspiel, Spielfortsetzung, Spielaufbau - wir wollen den Jungs Möglichkeiten mitgeben, damit wir nicht lange Notbälle spielen, sondern versuchen, möglichst flach rauszukommen. Die Jungs spielen alle auf sehr hohem Niveau und beherrschen ihr Handwerk. Jetzt geht es darum: Wie kann ich sie im Detail noch besser machen? Wenn man dem einen oder anderen auf dem Weg zum nächsten Step hilft, ist man glücklich darüber."

... seine Art: "Ich bin ein sehr emotionaler Mensch. Meine Stimme ist daran gewöhnt, dass sie gebraucht wird. In der U15 war ich genauso wie jetzt. Wenn du als Fußball-Lehrer auf den Platz gehst, dann bist du den Jungs etwas schuldig. Man braucht nichts vorzuspielen. Man macht so, wie man ist - das habe ich in der Vergangenheit auch gemacht."

... lautstarke Ansagen auf dem Platz: "Wenn man das Gefühl bekommt, dass ein kleiner Schlendrian reinkommt und die Jungs schwer aus den Puschen kommen - dann muss man sich bemerkbar machen. Es gibt nichts Schlimmeres als verschenkte Zeit auf dem Trainingsplatz. Dann ist es sinnvoller, freizumachen - dann hat der Körper etwas davon. Aber eine Trainingseinheit auf dem Platz zu absolvieren, ohne den Kopf einzuschalten, ist verschenkt. Es sollte so sein, dass es einen Effekt hat, wenn man mal lauter wird, aber wir wissen es alle von zu Hause: Selbst wenn man ab und zu mal lauter wird, hören die Kinder trotzdem nicht beim ersten Mal - manchmal muss man's dreimal knallen lassen (lacht)."

... die weitere Vorbereitung: "Wir werden einiges verfeinern. Ich habe vom ersten Tag an gesagt, dass wir keine Zeit zu verschenken haben, um an Sachen zu arbeiten. Wir werden einige Inputs dazubekommen. Wenn wir komplett sind, wird das mehr und mehr dazukommen. Da gibt es verschiedene Blöcke, aber das orientiert sich auch daran, wie schnell die Jungs aufnahmefähig sind. Wenn man merkt, dass ein Block nicht so greift, wie man sich das vorstellt, hält man sich noch ein paar Tage mehr an den Block."

... Steigerungsmöglichkeiten: "Wir können in vielen Bereichen zulegen. Es wäre fahrlässig, nach zehn Tagen Vorbereitung zu sagen: Jetzt sind wir gut. Wir sind erst am Anfang. Das, was wir vorhatten, konnten wir umsetzen. Die Spieler haben das richtig gut aufgenommen. Bei den Inhalten, die wir mit den Jungs machen, wird es auch Phasen geben, wo es überhaupt nicht funktionieren wird - das hängt auch von der Frische im Körper und im Kopf ab. Wir sind in der Vorbereitungsphase und müssen den Körper an die höhere Belastung gewöhnen."

... Neuzugang Dedryck Boyata: "Wenn ein Spieler vier Monate verletzt war (Muskelbündelriss im Oberschenkel, d. Red.), geht es um Belastungssteuerung. Wir sind ihm schuldig, ihn langsam heranzuführen, auch wenn sein Herz mehr will. Aber die Vernunft bei uns siegt, um ihn zu stoppen. Die Woche hat ihm gut getan, damit er die Abläufe und die Mannschaft kennenlernt. Es war extrem wichtig, dass Dedryck mit hier war. Wann er voll einsteigen kann, ist schwierig zu sagen. Es wird sich die nächsten Tage zeigen, wie sein Körper auf die Belastung reagiert."

Wir sind unseren Fans zwei Siege schuldig und müssen jederzeit die Qualität haben, Union zweimal zu schlagen.

Ante Covic

... das System: "Wir werden flexibel sein. Erst im letzten Step, wenn alle da sind, werden wir ein System verfeinern, aber auch einen Plan B in der Tasche haben. Was man spielen möchte, hängt immer davon ab, welche Qualität man auf dem Platz hat, also: Wo sind wir am stärksten und worauf verzichten wir im hinteren Bereich, wenn wir eine zweite Spitze dazunehmen - und was gibt uns der Gegner?"

... den Auftakt in München: "Mein Hunger auf den Start ist sehr groß, aber ich bin überhaupt noch nicht so weit. Vor der Vorfreude kommt die Arbeit. Erst muss man seine Hausaufgaben in der Vorbereitung machen, damit man mit einem guten Gefühl in die Saison startet."

... das Duell gegen Union: "Wir sind Hertha, wir sind unseren Fans zwei Siege schuldig und müssen jederzeit die Qualität haben, Union zweimal zu schlagen. Das steht außer Frage, das ist mein Selbstverständnis. Es ist doch klar, dass wir diese Spiele gewinnen müssen und werden - das ist eine Verpflichtung."

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