Herthas Manager über Trainer, Team und Transfers

Preetz: "Da kann man ja mal nach Dortmund gucken"

Manager Michael Preetz

Gab zu vielen Themen Auskunft: Manager Michael Preetz. Getty Images

Aus Herthas Trainingslager in Neuruppin berichtet Steffen Rohr

Es ist der vorletzte Tag des einwöchigen Trainingslagers im brandenburgischen Neuruppin. Die Mannschaft geht im Team-Hotel "Resort Mark Brandenburg" zum Mittagessen. Michael Preetz lädt die Medien auf das Hotel-Fahrgast-Schiff "MS Fontane" ein. Bei der Tour über den Ruppiner See spricht der Manager am Dienstagmittag über...

... die ersten Tage unter Ante Covic: "Es ist ein sehr positiver erster Eindruck. Ich erlebe eine Mannschaft, die mit viel Freude bei der Arbeit ist, die sehr konzentriert ist. Ich erlebe Ante sehr fordernd, aber auch fördernd. Er kommuniziert viel mit den Spielern. Er legt sehr viel Wert auf den Austausch mit den Jungs. Er greift sehr viel ein und korrigiert viel. Er will von Anfang an Dinge vermitteln, die hinterher auch im Spiel wichtig werden. Die Jungs machen das unterm Strich sehr gut. Wir haben im ersten Testspiel gegen Braunschweig mit drei verschiedenen Formationen und taktischen Ausrichtungen gespielt, das Engagement ist hoch. Dass in dieser Phase noch viele Fehler passieren, ist normal. Aber bisher macht das alles einen guten Eindruck."

... die Trainingsarbeit: "Es ist ein bisschen eine andere Aufteilung, das ist normal. Jeder Trainer hat einen anderen Ansatz. Der Ball steht sehr viel im Vordergrund. Jeder, der mal gespielt hat, weiß, dass du dann das Empfinden hast, dass es etwas weniger anstrengend ist. Das trügt aber. Es geht darum, Dinge so früh wie möglich zu verinnerlichen. Sechs Wochen Vorbereitung sind auf der einen Seite relativ lang, aber auch relativ kurz, weil du Abläufe einstudieren willst. Es ist eine Kennlernphase zwischen Mannschaft und Trainer. Deshalb hilft es, dass sie viel mit dem Ball arbeiten. Wenn es losgeht, müssen wir ja auch mit dem Ball spielen."

... Veränderungen im Spielstil: "Wir werden versuchen, aktiver und offensiver zu spielen. Das heißt nicht, dass wir bis dato schlechten Fußball gespielt haben. Ante ist ein offensiv denkender und offensiv spielen lassender Trainer, der viel mit dem Ball arbeiten möchte. Natürlich ist es darauf ausgerichtet, offensiv Möglichkeiten zu kreieren."

... die geplante Reduzierung des Kaders: "Wir haben einige Spieler dabei, die wir gerne verleihen würden, damit sie den nächsten Schritt und die nächste Entwicklungsstufe nehmen. Es ist klar, dass da noch ein bisschen Veränderung stattfinden wird. Vor dem zweiten Trainingslager werden wir komplett sein, da kommen nochmal drei dazu (die U-21-EM-Vize-Europameister Arne Maier, Maximilian Mittelstädt und Eduard Löwen, d. Red.). Da werden wir uns zusammensetzen und etwas redimensionieren. Drei Torhüter plus 22 bis 25 Feldspieler, das ist so eine Range, mit der man arbeiten kann."

Bei Momo Covic und Palko Dardai suchen wir eine Lösung in einer höheren Liga. Die Jungs können ein höheres Level spielen und brauchen ein höheres Level, um den nächsten Entwicklungsschritt zu machen.

Michael Preetz

... den Zeitpunkt der Kader-Verkleinerung: "Wir sind in einer Phase, in der sich Mannschaft und Trainer kennenlernen. Es ist nicht nur Ante, sondern auch die beiden Co-Trainer. Ante kennt die Mannschaft überwiegend, aber lernt sie nochmal aus einer anderen Perspektive kennen. Die beiden, die von außen kommen (die Co-Trainer Harald Gämperle und Mirko Dickhaut, d. Red.), sollen die Gelegenheit bekommen, die Spieler kennenzulernen, damit sie eine fundierte Einschätzung abgeben können über das Leistungsvermögen. Es wäre nicht ganz fair, das nach einer Woche als beendet zu erklären. Jeder Spieler hat die Möglichkeit, sich zu zeigen - sie machen regen Gebrauch davon. Es ist klar, bei wem mehr Spielzeit in der U 23 zu erwarten ist. Mo Kiprit und Julian Albrecht sind Jungs, die Spiele brauchen werden; Julian in der U 19 und U 23, Mo in der U 23. Bei Momo Covic und Palko Dardai suchen wir eine Lösung in einer höheren Liga. Die Jungs können ein höheres Level spielen und brauchen ein höheres Level, um den nächsten Entwicklungsschritt zu machen. Von Flo Baak wollen wir sehen, dass er einen Schritt nach vorne kommt - und den Eindruck macht er auf mich. Er präsentiert sich deutlich besser und fokussierter."

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... weitere Transfers: "Wie viele Spieler wir noch holen werden, kann ich heute nicht beantworten. Im Tor haben wir auf jeden Fall keinen Bedarf, in der Innenverteidigung ebensowenig. Wir schauen intensiv und beobachten den Markt. Wenn wir uns an das letzte Jahr erinnern, war es so, dass uns kurz vor Schluss mit der Verpflichtung von Marko Grujic ein Transfer gelungen ist, der nicht so schlecht war. Wir haben noch relativ viel Zeit. Im Moment ist es sehr unruhig und turbulent auf dem Markt. Es geht vor allem darum, den Trainern die Möglichkeit zu geben, die Spieler kennenzulernen, um dann ein genaues Anforderungsprofil aufzustellen. Am Ende müssen wir unsere Beobachtungen bündeln, Kandidaten identifizieren und den Kontakt und die Gespräche intensivieren. Das ist das übliche Procedere."

... mehr Spielraum durch den neuen Investor: "Wir werden weiter auch in niedrigeren Preissegmenten schauen und nach jungen, entwicklungsfähigen Spielern scouten. Es stimmt, dass wir unseren Blick auch woanders hinrichten können. Es geht darum, Spieler zu finden, die zu unserer Mannschaft und unserer Philosophie passen: junge Spieler entwickeln, punktuell erfahrene Spieler dazuholen, wie wir es mit Dedryck Boyata gemacht haben. Man muss auch im Blick haben, dass insgesamt das Gefüge passt, auch wenn wir jetzt andere Möglichkeiten haben. Es gibt die eine oder andere Nachfrage mehr (von Beratern, d. Red.). Viele wollen verstehen, was wir mit dem Geld machen werden. Wir werden in den Segmenten, in denen wir Bedarf sehen, nach Spielern suchen, die einen überschaubaren Betrag kosten oder auch mal mehr kosten. Das haben wir in der Vergangenheit auch schon gemacht. Wir haben Lazaro oder Selke für relativ viel Geld geholt. Wir wollen mit dem neuen Geld auch die Verbindlichkeiten decken und in die Zukunftsfelder des Vereins investieren. In erster Linie steht da die Mannschaft. Wir werden investieren, aber mit Augenmaß. Wir sind sehr glücklich über diesen Deal. Aber wenn man nicht schlau handelt, ist das Geld auch schnell weg."

... die Möglichkeit eines 30-Millionen-Transfers: "So ein Transfer ist nicht ausgeschlossen, es wird ihn vielleicht irgendwann geben. Aber er muss zu uns passen. Ich glaube nicht, dass man die Mannschaft weiterentwickelt, wenn man einen teuren Spieler reinsetzt und auf den alles fokussiert. Unser Ziel ist es, die Mannschaft insgesamt zu entwickeln."

Ehrlich gesagt erwarte ich mir auch den nächsten Schritt von Niklas Stark.

Michael Preetz

... die Nachfolge von Valentino Lazaro: "Lukas Klünter und Mathew Leckie sind für mich Kandidaten, die diesen Abgang auffangen können. Letztes Jahr haben wir Mitchell Weiser abgegeben und Lukas Klünter als Ersatz geholt. Am Ende ist es Tino Lazaro geworden. Er hat auf einer ungeliebten Position eine Saison gespielt, die dazu führte, dass er jetzt bei einem Champions-League-Teilnehmer (Inter Mailand, d. Red.) spielt. Ich habe zu ihm gesagt: 'Dafür, dass du die Position nie spielen wolltest, bist du weit gekommen.' Überall, wo eine Lücke entsteht, ist die Chance für andere Spieler, diese zu füllen."

... die Entwicklungsmöglichkeiten des Kaders: "Ich sehe eine Menge Spieler in der Pflicht. Vielleicht nicht Rune, der im Herbst 35 wird - da wünschen wir uns, dass er so stabil weiterhält wie in den letzten Jahren. Aber wir haben gerade dort, wo wir viele junge Spieler haben, bei jedem Einzelnen noch Entwicklungspotenzial - auch bei den Jungs, die von der U-21-EM zurückkommen. Arne Maier hat wahnsinnig viel gespielt letztes Jahr. Von ihm erwarten wir uns den Schritt zu mehr Offensivqualität, die der Junge hat und von der wir überzeugt sind, dass er sie einbringen kann. Wir haben Arne selten am gegnerischen Sechzehnmeterraum gesehen und ganz selten in torgefährlichen Situationen. Die Qualität hat er. Da müssen wir ihn hinbringen, das ist unsere Aufgabe. Genauso ist es unsere Aufgabe, einen Spieler wie Jordan Torunarigha, der über ein enormes Potenzial verfügt, weiterzubringen und weiterzuentwickeln und dafür zu sorgen, dass er eines Tages ein unverzichtbarer Stammspieler wird. Maxi Mittelstädt hat eine gute, sehr gute Entwicklung in der letzten Saison genommen, aber er ist nicht am Ende seiner Entwicklung - da geht noch viel. Javairo Dilrosun hat seine erste Bundesliga-Saison gespielt, hat spektakulär angefangen, viele Verletzungen gehabt, hat eine hohe individuelle Qualität. Von ihm wünschen wir uns mehr zündende Aktionen, wie wir sie gerade im Testspiel gegen Braunschweig gesehen haben. Wir reden von Davie Selke, der nicht zufrieden war mit seiner letzten Saison, die erklärbar ist. Vor einem Jahr diese Verletzung, die er sich hier zugezogen hat, die hat ihn natürlich zurückgeworfen (Lungenriss, d. Red.). Er hat seinen Rhythmus nicht gefunden und brennt darauf, eine gute Saison zu spielen. Und ehrlich gesagt erwarte ich mir auch den nächsten Schritt von Niklas Stark, der jetzt im Kreis der Nationalmannschaft ist, der Führungsspieler bei uns schon in der vergangenen Saison war und der auch in der neuen Saison Führungsaufgaben erfüllen muss und von dem wir uns wünschen, dass er in der neuen Saison nicht nur eingeladen wird, sondern auch richtiger Nationalspieler wird und zum Einsatz kommt - und bei uns der Abwehrchef ist, den wir uns wünschen."

Niklas Stark

Als Nationalspieler noch mehr im Fokus: Niklas Stark. imago images

... die Situation von Niklas Stark, dessen Ausstiegsklausel zum 30. Juni ablief: "Es ist jetzt eine andere Situation als unmittelbar nach Saisonende. Auf der anderen Seite - und daran ändert auch der Investor nichts - werden wir immer Transfers aus dem Verein heraus machen, weil das Teil unserer Philosophie und Strategie ist: mindestens so lange, bis wir uns das irgendwann erlauben können, es nicht mehr zu machen. Aber auch da kann man ja mal nach Dortmund gucken: Das wird ein langer Weg sein, diesen Zustand zu erreichen. Es gehört einfach dazu. Es gibt einfach Summen, bei denen Hertha BSC immer Spieler verkaufen wird. Aber unser Ziel war es schon vorher: Wir wollen mit Niklas in die Saison gehen, wir trauen Niklas eine weitere Entwicklung bei uns zu und wollen ihn noch im Hertha-Trikot als Nationalspieler sehen. Aus meiner Sicht ist er in der Lage, in der Nationalmannschaft um eine relevante Position zu kämpfen. Davon bin ich überzeugt, wenn er seine Leistung ausschöpft. Insofern ist er voll eingeplant für die neue Runde."

... die Rolle von Vedad Ibisevic und Salomon Kalou: "Ich erlebe Vedad einmal mehr wahnsinnig fokussiert und wahnsinnig ehrgeizig und zu einem frühen Zeitpunkt auch schon wieder griffig. Bei allem, was in der Nähe des Tores ist, ist Vedad auch in dieser frühen Zeit schon da. Und Sala hat eine Klasse und Qualität als Spieler, an der wir nicht so einfach vorbeigehen können - in welchem Alter auch immer, bis er nicht mehr laufen kann. Und das waren ganz nebenbei beides Spieler, die in den letzten Jahren mit dafür verantwortlich waren, dass wir diese Positionierungen erreicht haben. Sie haben große Kapitel mitgeschrieben, und ich traue beiden eine ganz ähnliche Rolle in dieser Saison zu. Ich glaube, dass sie beide ganz wichtig sein werden für die Mannschaft - gerade auch, weil sie erste Ansprechpartner sind für die vielen jungen Spieler und das großartig machen und die Jungs, auch die Neuzugänge wie Dedryck, an die Hand nehmen. Den haben sie schon integriert in ihrem Kreis. Das sind Aufgaben, die man außerhalb des Spielfeldes gar nicht mitkriegt."

...das Derby gegen Union: "Von der Aufmerksamkeit her verändert sich etwas für die Sportstadt Berlin. Das ist positiv. Für unsere Mannschaft und für unsere Fans sind das zwei Termine, die wir uns natürlich vormerken. Es geht darum, diese beiden Spiele zu gewinnen. Daran besteht kein Zweifel, das sind unsere Ambitionen. Beide Klubs werden von der Aufmerksamkeit und der sportlichen Rivalität profitieren. Unions Transferoffensive mit zwölf Neuen ist nicht ungewöhnlich für eine Mannschaft, die das erste Mal in der Bundesliga spielt - Union versucht, sich gut aufzustellen. Von "Klassenkampf" zu sprechen, wie es Unions Präsident Dirk Zingler getan hat, würde ich deshalb nicht, das kann man anders einordnen. Wahrscheinlich ist es kein Zufall, dass er danach abgetaucht ist. Es ist eine große sportliche Rivalität, keine Frage. Unser aller Auftrag wird es sein, einen Beitrag dazu zu leisten, dass die beiden Derbys friedliche Fußballfeste werden, bei denen die sportliche Rivalität im Mittelpunkt steht. Alles andere hat in diesem Zusammenhang nichts zu suchen."

... Herthas Arena-Pläne: "Es ist Sommerpause in der Berliner Politik. Wir würden gerne auf unserem Gelände im Olympiapark ein Stadion realisieren. Wir glauben, dass das für unsere Entwicklung in den nächsten Jahren ein Meilenstein sein würde. Wir wissen alle, dass wir dazu die Entscheidungsträger in der Berliner Politik brauchen. Alle haben wir noch nicht überzeugt. An dem Stand hat sich noch nichts geändert. Ich kann Ihnen versichern, wir sind dran. Es geht darum, weiterhin viele Gespräche zu führen und Überzeugungsarbeit zu leisten, damit dieser Knoten irgendwann mal durchschlagen wird."

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