Deutscher NBA-Profi spricht über den Trade

Wagner in Washington: "Ich will einfach nur Basketball spielen"

Moritz Wagner

Von Hollywood in die Hauptstadt: Moritz Wagner. Getty Images

Neu sind ihm die Stadt, das Franchise und die Trainingshalle nicht, denn schon vor dem NBA-Draft im vergangenen Jahr hatte College-Talent Moritz Wagner in Washington vorspielen dürfen. Und die Wizards, so heißt es immer noch, waren durchaus angetan vom 2,11 Meter großen Berliner. In drei Jahren bei den Michigan Wolverines (wo nun auch sein jüngerer Bruder Franz spielt) hatte sich Wagner peu à peu verbessert und war dementsprechend kein unbeschriebenes Blatt vor dem Draft.

Doch die Wizards zögerten zu lange, Wagner wurde an Position 25 von den Los Angeles Lakers gepickt. Und sein erstes NBA-Jahr hätte turbulenter kaum verlaufen können: Nach einer in der Summer League zugezogenen Verletzung verpasste der damals 21-Jährige den Beginn der Saison, feierte später sein Debüt, durfte auch mal starten und erhielt hier und da Spielzeit.

Im Hintergrund aber ging es bei den Lakers, spätestens im Februar dieses Jahres, drunter und drüber. Während sportlich nach Weihnachten und der Leistenverletzung von LeBron James nichts mehr zusammenlief, hielten sich die Gerüchte um einen Trade für Pelicans-Superstar Anthony Davis hartnäckig. "Ehrlicherweise", sagt Wagner nun in Trainingsklamotten der Wizards, "kann ich es nicht wirklich einordnen, weil es mein erstes Jahr in der Liga war."

Weil Davis kommt, muss auch Wagner gehen

Er selbst wurde "Opfer" des Davis-Trades, der im Juni dann tatsächlich vonstattenging. Für mehr Cap Space wurde Wagner zusammen mit Landsmann Isaac Bonga und Jemerrio Jones in die US-Hauptstadt getradet. Also zu jenem Team, das ihn auch letztes Jahr gerne gehabt hätte. "Es ist cool, dass ich die Leute hier deshalb schon ein bisschen kenne", freut sich der Center. "Das macht es für mich viel einfacher."

Sauer ist er aufgrund des Trades nicht: "Natürlich war viel los, aber darüber war ich nicht wirklich böse. Wir hatten ein tolles Team mit tollen Typen, zu denen ich ein gutes Verhältnis hatte. Manchmal zählt eben nur der Erfolg und der war letztes Jahr nicht da."

In der kommenden Saison erwartet Wagner eine völlig neue Situation. Die Wizards werden nicht als heißester Play-off-Kandidat an den Start gehen, die Aufmerksamkeit wäre vermutlich auch mit einer Finals-Teilnahme nicht annähernd die gleiche wie in Hollywood - und das kommt Wagner ganz gelegen: "Ich will einfach nur Basketball spielen, dafür bin ich in der Liga. Ich bin nicht für die Medien und das Extra-Zeug hier. Ich bin glücklich, wo auch immer ich Basketball spielen kann."

"Ich würde es auch hassen, gegen mich zu spielen"

Deshalb werde er sich und seine Spielweise auch nicht verändern. Wagner ist als "ekliger" Gegenspieler gefürchtet, betreibt viel Trash-Talk. "Ich würde es auch hassen, gegen mich zu spielen", sagt er lachend. "Ich werde mich nicht verändern. Ich mache weiter das, was ich sonst mache. Natürlich will ich weiter gut werfen, das ist eine meiner Stärken." Weil Big Man Dwight Howard abgegeben wurde, sind Wagners Einsatzchancen nochmal gestiegen.

Auch das Leben in D.C. wird wohl anders aussehen als das am Strand in Südkalifornien. "Washington ist eine schöne Stadt, natürlich mit vielen politischen Interessen", sagt Wagner und kann es gut einordnen. "Es ist ein bisschen wie Berlin und ich bin ein Stadtkind - deshalb wird es sehr aufregend."

mkr

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