Trump gratuliert Weltmeisterinnen Eklat-frei

Ellis adelt Rapinoe - und "verärgert" ihre Mutter

Megan Rapinoe

Zufriedener Blick: Megan Rapinoe nach dem WM-Finale. imago images

Nach dem WM-Finale rief Megan Rapinoe erst einmal die "Sonnenbrillen-Saison" aus, nicht unbedingt aus modischen, eher aus praktischen Gründen. Schließlich stehe man vor einer langen Nacht, genauer gesagt unmittelbar "vor der coolsten Party aller Zeiten".

Die USA sind schon wieder Weltmeister, waren vor dem Turnier genauso Favorit wie vor dem Finale, gewannen inklusive des abschließenden 2:0 gegen die Niederlande nun zwölf WM-Spiele in Folge, trafen in den jüngsten zwölf Länderspielen immer mindestens zweimal und stellten mit 26 Toren (13 davon gegen Thailand) einen neuen Turnierrekord auf. Doch von Routine war keine Spur, als der vierte Titel amtlich war.

Rapinoe knackt die Niederländerinnen - und den nächsten Rekord

"Es ist surreal, ich weiß gar nicht, wie ich mich gerade fühlen soll", stammelte Rapinoe direkt nach dem Schlusspfiff. Eine Dopingkontrolle später wusste sie es immerhin ein bisschen: "Stolz" sei sie, besonders auf die jungen Spielerinnen im Kader. "Es war sehr schwierig, den Titel erneut zu gewinnen. Wir hatten viel Druck und auch viele enge Matches."

Doch die USA hatten eben auch Rapinoe, die in ihrem dritten WM-Finale in Folge beim vorentscheidenden Elfmeter zum 1:0 (61.) kühl die Nerven behielt und die zähen Niederländerinnen ("Es war so schwer wie erwartet") so knackte. Rund eine Stunde später posierte sie nicht nur mit dem WM-Pokal, sondern auch mit Goldenem Schuh und Goldenem Ball - als beste Torschützin und beste Spielerin des Turniers. Die älteste Finaltorschützin der WM-Geschichte ist sie jetzt auch, nur gibt es dafür keine Trophäe.

Lavelle nennt Rapinoe ehrfürchtig "unwirklich" - Infantino ausgebuht

"Megan ist geboren für solche Erfolge, wir brauchen solche Spielerinnen und Vorbilder", adelte Trainerin Jill Ellis ihre 34-jährige Co-Kapitänin - Mitspielerin und 2:0-Torschützin Rose Lavelle nannte Rapinoe sogar ehrfürchtig "unwirklich": "Ich fühle mich so geehrt, zur gleichen Zeit wie sie auf dem Platz zu stehen", meinte die 24-Jährige.

Und die große Politik? Während FIFA-Boss Gianni Infantino vor der Zeremonie ausgepfiffen und mit "equal pay" ("gleiche Entlohnung")-Rufen bedacht wurde, spielte US-Präsident Donald Trump, der sich mit Rapinoe öffentlich angelegt hatte, am Sonntag aber Eklat-frei via Twitter gratulierte ("Amerika ist stolz auf euch alle"), bei den ersten Feierlichkeiten keine große Rolle.

Ellis drückt ihre Mutter weg: "Sie wird schön angepisst sein"

Mehr Aufmerksamkeit bekam sogar Ellis' Mutter. "Das Niveau im Frauenfußball ist insgesamt sehr gestiegen seit der letzten WM. Es war eine große Herausforderung, deshalb bin ich unglaublich stolz auf mein Team", hatte die US-Trainerin auf der Pressekonferenz gerade gesagt, als plötzlich ihr Handy klingelte. "Das ist wahrscheinlich meine Mutter", sagte sie schmunzelnd, schaute aufs Display und drückte den Anruf kurzerhand weg. "Es ist meine Mutter. Aber ich habe jetzt keine Zeit, mit ihr zu plaudern. Sie wird schön angepisst sein."

jpe

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