Max Kruse im kicker-Interview

"Wenn es nur ums Geld gegangen wäre, dann wäre ich jetzt in China"

Max Kruse

Max Kruse im Training bei Fenerbahce. imago images

Welche starken Emotionen er zu wecken imstande ist, bekam Max Kruse mal wieder vor Augen geführt. Nach der Bekanntgabe seines Wechsels aus Bremen zu Fenerbahce Istanbul trieften die Fankommentare in sozialen Medien und sogar so mancher journalistische Beitrag vor Schadenfreude über den vermeintlichen Karriererückschritt. Gerade, da er öfter erklärt hatte, im internationalen Wettbewerb spielen zu wollen.

Ich hatte durchaus die Möglichkeit, mich für ein Team zu entscheiden, das kommende Saison europäisch spielt.

Max Kruse

Die Reaktionen auf seine Entscheidung treiben den 31-Jährigen aber offenbar nicht um. "Was viele Leute denken, ist mir relativ egal", sagt Kruse im Gespräch mit dem kicker (Montagsausgabe). "Ich hätte durchaus die Möglichkeit gehabt, mich für ein Team zu entscheiden, das kommende Saison europäisch spielt. Für mich muss aber mehr stimmen als nur die Gegenwart. Ich habe mir viel Zeit gelassen und auf mein Gefühl gehört. Und ich bin mir sicher, mit Fenerbahce noch einige internationale Spiele bestreiten zu dürfen in den nächsten Jahren."

Eintracht Frankfurts Sportvorstand Fredi Bobic hatte erklärt, es habe keine Chance auf Kruses Verpflichtung gegeben. In Bremen soll eine Verlängerung am Geld gescheitert sein. Was erwidert Kruse also auf die Schlussfolgerung, er habe sich einfach für das lukrativste Angebot entschieden? "Wirtschaftliche Dinge spielen bei jedem Menschen eine Rolle", sagt er. "Aber wenn es nur darum gegangen wäre, dann wäre ich jetzt im Reich der Mitte. Bremen zu verlassen, war keine Entscheidung gegen Werder, sondern eine Entscheidung für mich selbst. Ich möchte einfach meinen Horizont erweitern und versuchen, mich in einem anderen Land zu beweisen - wie ich es in den letzten 13 Jahren in Deutschland geschafft habe."

Man kann schon sagen, dass ich mein Herz auf der Zunge trage. Das ist für manche manchmal unangenehm. Aber ich will mich eben nicht verstellen.

Max Kruse

Kruse tat, was er schon so häufig gemacht hat: Er hat eine Entscheidung getroffen, die nicht ins Weltbild der meisten Beobachter passt, dagegen aber ins Bild des polarisierenden Fußballers. Über sich selbst sagt Kruse: "Ich bin, glaube ich, ein sehr direkter, ehrlicher Mensch, der sagt, was er denkt. Man kann schon sagen, dass ich mein Herz auf der Zunge trage. Das ist für manche manchmal unangenehm. Aber ich will mich eben nicht verstellen. Das ist meiner Ansicht nach mein hauptsächliches Merkmal."

Der Typ Kruse - im großen Interview in der kicker-Montagsausgabe spricht Max Kruse ausführlich über seinen Charakter, seinen Drang nach Freiheit und die Frage, was ein "Typ" eigentlich ist und ob es noch echte Typen im Fußball gibt.

tm/dr

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