Beachvolleyball-Weltmeisterschaft 2019 in Hamburg

Thole/Wickler rocken die WM: Sonntag im Finale um Gold

Julius Thole und Clemens Wickler

Leben den Beachvolleyball-Traum: Julius Thole und Clemens Wickler. imago images

Die Beachvolleyball-Fans am Hamburger Rothenbaum stehen kopf. Erstmals nach dem Triumph von Julius Brink und Jonas Reckermann vor zehn Jahren steht ein deutsches Männerteam wieder in einem WM-Finale. Julius Thole und Clemens Wickler sind bei der Heim-Weltmeisterschaft sensationell ins Endspiel gestürmt. Vor 12.000 Fans bezwangen die Youngster am Samstag die Topfavoriten Anders Mol und Christian Sorum aus Norwegen nach einem Satzrückstand noch mit 2:1 (17:21, 21:17, 15:12). Mit einer Serie von erstklassigen Aufschlägen sorgte Abwehrspieler Wickler im Tiebreak für die Entscheidung.

Im Finale treffen Thole/Wickler am Sonntag (14 Uhr) auf die Russen Wjatscheslaw Krasilnikow und Oleg Stojanowski, die ebenfalls überraschend bis zum Ende dabei sind. Die Silbermedaille haben die derzeitigen Weltranglisten-Zwölften bereits sicher. Es ist die erste WM-Medaille für die deutschen Beach-Männer seit sechs Jahren, als Jonathan Erdmann und Kay Matysik Bronze gewannen.

"Das ist ein unglaubliches Gefühl. Diese WM ist ein riesen Erfolg. Dass wir dabei ein größerer Faktor sind, ist unbeschreiblich", erklärte Thole zum bisher Erreichten. Sein Partner Wickler ist "schon stolz", dass ein deutsches Herren-Team wieder um den Titel spielt. "Die Stabilität ist beeindruckend. Ich habe sie noch nie über einen größeren Zeitraum so konstant gesehen", erklärte Brink, der mit Reckermann 2012 auch Olympiasieger war.

Thole: "Es fühlt sich zur Zeit alles locker an"

Thole/Wickler blieben gegen Mol/Serum, die auf der Welttour in den jüngsten vier Turnieren drei Siege und einen zweiten Platz eingesammelt hatten, trotz einiger Fehler immer cool und schlugen in den entscheidenden Momenten zurück. Wenige Stunden zuvor hatten sie die erfahrenen US-Amerikaner Nick Lucena und Phil Dalhausser ausgeschaltet. Thole setzte sensationell acht erfolgreiche Blocks.

Mit dem Finaleinzug sind Jura-Student Thole aus Hamburg und BWL-Student Wickler aus Starnberg auf bestem Weg, das Erbe von Brink/Reckermann anzutreten. "Es fühlt sich zur Zeit alles locker an", bemerkte Thole. Irgendwie kommen sich die Aufsteiger vor dem Finale "schon vor wie im Märchen", gestand Wickler.

Brink: "Es ist überraschend"

Hinter der märchenhaften Beach-Geschichte stecken aber vor allem ein langfristiger Plan, harte Arbeit und ein großer Betreuerstab. Vor 16 Monaten quälten sich Thole und Wickler, die erst im Herbst 2017 vom Deutschen Volleyball-Verband (DVV) zu einem Duo zwangsvereint wurden, noch im Hinterfeld durch die Sandkisten der Welt. "Zu Beginn der letzten Saison war es sehr schwer. Wir haben ungefähr auf dem 60. oder 70. Platz der Welt angefangen", erinnerte Wickler.

Thole und Wickler entwickelten sich im Schnelldurchlauf von Beach-Rookies zu einem Spitzenteam. Der überraschende vierte Platz im Vorjahr beim Welttour-Finale in Hamburg war ein weiterer Beleg dafür. Seitdem spielten beide konstant in den Top Ten. "Es ist überraschend, dass sie so schnell auf einem solchen Niveau spielen", sagte Brink.

Beach-Fans am Hamburger Rothenbaum

Aus dem Häuschen - vor allem wegen des Erfolgs von Julius Thole und Clemens Wickler: die Beach-Fans. imago images

Dalhausser: "In dem Alter habe ich noch nicht mal den Arsch hochgekriegt"

Auch der bezwungene Kontrahent Dalhausser, als Weltmeister von 2007 und Olympiasieger von 2008 eine lebende Beach-Legende, adelte die jungen Deutschen. "Die sind 22 und 24. In dem Alter habe ich noch nicht mal den Arsch hochgekriegt", sagte der 39 Jahre alte US-Amerikaner, einer der erfolgreichsten Beachprofis überhaupt.

Der DVV setzt für die Olympischen Spiele in einem Jahr voll auf Thole/Wickler. Zumal die deutschen Beachfrauen derzeit der Weltspitze hinterherlaufen. Der Stab um das Duo wurde erweitert: Am Olympiastützpunkt in Hamburg trainieren Chefbundestrainer Martin Olejnak und Bundestrainer Eric Koreng das Team, auch Mentor Markus Diekmann mischt mit. Seit Anfang des Jahres gehört Trainer Jürgen Wagner mit dazu, der Laura Ludwig und Kira Walkenhorst (2016) sowie Brink/Reckermann zu Olympiasiegern gemacht hat.

dpa