Herthas Kapitän über den neuen Trainer und die neue Saison

Ibisevic: "Von Toren habe ich nie genug"

Vedad Ibisevic

Führt auch nächste Saison die Berliner Hertha als Kapitän aufs Feld: Vedad Ibisevic. imago images

Aus Herthas Trainingslager in Neuruppin berichtet Steffen Rohr

Für Ante Covic hat sich die Frage nach einem neuen Kapitän "in keiner Sekunde gestellt". Der neue Hertha-Trainer sieht an den ersten Tagen der Vorbereitung nicht nur auf dem Platz, sondern auch abseits ganz genau hin. Er will seine Spieler sportlich und menschlich kennenlernen. "Ich habe mir das zwei Tage angeschaut und in kürzester Zeit gesehen, welches Ansehen Vedad in der Kabine genießt", sagt Covic. "Er hat das Amt in der Vergangenheit richtig gut ausgefüllt." Deshalb bleibt Ibisevic, der 2015 vom VfB Stuttgart kam und seit August 2016 die Binde trägt, Kapitän. Am Samstag nimmt sich Ibisevic nach dem Mittagessen im Team-Hotel "Resort Mark Brandenburg" Zeit für die Medien. Der bosnische Stürmer spricht über...

Vereinsdaten Hertha BSC

Gründungsdatum25.07.1892

Mitglieder36.500

VereinsfarbenBlau-Weiß

Anschrift Hanns-Braun-Straße, Friesenhaus 2
14053 Berlin

Internetwww.herthabsc.de

Vereinsinfo

...die Bestätigung als Kapitän:
"Ich bin stolz, weiter die Binde zu tragen. An meiner Rolle wird sich nicht viel verändern. Ich will der Mannschaft und dem Trainerteam mit allem, was ich habe, helfen, dass wir erfolgreicher Fußball spielen. So war ich immer, und das wird sich auch nicht mehr ändern."

...den neuen Trainer Ante Covic:
"Er hat sein eigenes Ziel als Trainer. Er spricht viel mit uns Spielern, wir schauen abends auch sehr viele Videosequenzen an. Er hat es in dieser kurzen Zeit geschafft, uns zu sagen, was er von uns erwartet und wie wir vor allem mit Ball spielen sollen. Er gibt uns Kleinigkeiten und Tipps mit. Die sind anders, aber machen Sinn. Jetzt geht es darum, dass wir das auf dem Platz in Perfektion bringen."

...den Plan von Covic, Hertha offensiver auszurichten:
"Für uns Stürmer ist es immer besser, wenn wir mehr Torchancen kreieren und haben. Aber für uns ist ein wichtiger Teil, wie wir dahin kommen. Das fängt schon ganz unten an, im Spielaufbau. Wir müssen alle Linien bespielen. Da hat uns der Trainer ein paar ganz klare Sachen mit auf den Weg gegeben, wie er das will. Und wir haben auf dem Platz auch schon einige Male gesehen, dass es funktioniert."

...sein Verhältnis zu Covic:
"Wir sprechen ja beide noch eine zweite gemeinsame Sprache außer Deutsch und haben schon früher viel über Fußball und andere Dinge gesprochen. Oft sehen wir es ähnlich oder gleich. Wir haben einen ganz guten Kontakt. Aber es ist ein normales Trainer-Spieler-Verhältnis."

...seine Ziele:
"Ich bin nie zufrieden, ich will immer mehr - vor allem, was Tore angeht. Von Toren habe ich nie genug. Aber in meinem Alter und meiner Rolle geht es weiter darum, uns allen zu helfen. Wie viele Tore das sein werden, werden wir sehen - ich hoffe auf umso mehr."

Aufgepasst: Ante Covic (l.) spricht mit seinen Spielern.

Aufgepasst: Ante Covic (l.) spricht mit seinen Spielern. imago images

...Herthas Perspektive in der neuen Saison:
"Es fängt wieder bei Null an. Für uns geht es darum, dass wir uns weiterentwickeln. Wir haben viele junge Spieler und jetzt einen Trainer mit einer anderen Idee, mit einer anderen Philosophie. Es geht für uns alle darum, unsere Qualität zu verbessern. Ich bin fast 35 und kann immer noch etwas lernen. Wenn ich das mache, können die anderen umso mehr lernen. Wenn wir das schaffen und unser Potenzial öfter abrufen, wird die Saison für uns gut werden. Welcher Platz das am Ende sein wird, ist immer schwer zu sagen."

...das schwere Startprogramm:
"Ein guter Start ist immer wichtig - allein schon für das Selbstvertrauen für die restliche Saison. Das hat die vergangenen Jahre fast immer geklappt. Auch wenn es diesmal nicht klappen sollte, müssen wir die Ruhe bewahren und an das glauben, was wir vorhaben. Vielleicht läuft es diesmal anders herum und wir spielen eine bessere Rückrunde. Die Saison ist lang."

...die Fitness-Debatte:
"Ich bin kein Fan von solchen Statistiken (Zahl der Sprints, Teamlaufleistung, d. Red.). Ich habe mit Frankfurt eine andere Mannschaft, die auch nicht so viel gelaufen ist, gesehen - und wenn ich die Saison von denen anschaue, muss ich sagen: Hut ab. Aber das hat keiner erwähnt. Man kann sich immer Zahlen und Statistiken aussuchen. Mein Gefühl ist nicht, dass wir weniger gelaufen sind. Natürlich kann man immer darüber diskutieren, das hat man auch getan. Wir wollen uns jetzt besser vorbereiten und werden es wahrscheinlich auch schaffen, mehr zu laufen."

...die Frage, ob das seine letzte Saison wird:
"Das ist schwer zu sagen. Ich hoffe, ich bleibe so fit. Claudio Pizarro (spielt mit 40 weiter für Werder Bremen, d. Red.) zu schaffen, ist schon schwer - aber eine Motivation mehr für ältere Spieler wie mich. Die letzte Saison ist gut gelaufen für mich. Ich habe mich gut vorbereitet, bin gesund geblieben, habe Spielpraxis gesammelt und Tore gemacht. Ich hatte die ganze Saison ein gutes Gefühl. Jetzt geht es wieder von vorne los."

...die Konkurrenz mit Davie Selke:
"Das 4-3-3 ist wahrscheinlich das Lieblingssystem von Ante Covic, das werden wir auch trainieren. Dass Davie und ich da zusammenspielen, danach klingt es nicht. Einer wird spielen. Wer von uns spielt, entscheidet der Trainer, aber das ist kein Problem. Wir sind Profis, es ist Fußball. Wir brauchen diesen Konkurrenzkampf."

...den neuen Investor:
"Ich finde das eine Supersache für den Verein und die Stadt Berlin. Einigen Spielern bei uns gibt das unbewusst vielleicht einen Schub und neue Motivation. Gerade die jungen Spieler müssen sich entwickeln und nochmal besser werden, wenn sie bei Hertha bleiben wollen."

...den Abgang von Valentino Lazaro:
"Wir haben einen Spieler verloren, der eine ordentliche Saison hatte und uns viele Chancen kreiert hat. Wir haben Jungs im Kader, die heiß darauf sind, diese Position zu übernehmen. Vielleicht spielt ja in der neuen Saison ein anderer auf dieser Position so eine gute Rolle. Wir sind stolz als Mannschaft, dass ein Spieler von uns für über 20 Millionen Euro zu Inter Mailand geht. Das ist für die Mannschaft eine gute Sache und eine Bestätigung."

...den Verbleib von Leihspieler Marko Grujic:
"Es ist wichtig, dass er bleibt. Er fühlt sich wohl bei uns. Am Anfang der vergangenen Saison hat man gesehen, dass Marko uns einen Schritt nach vorne gebracht hat. Jetzt geht es für ihn darum, das zu bestätigen und uns im Mittelfeld noch stärker zu machen. In seinem Alter und mit seinem Potenzial kann es nur besser werden."

...das Derby gegen Union:
"Darüber haben wir in der Kabine noch nicht gesprochen. Wir wissen alle, dass es auf uns zukommt - das ist eine schöne Sache. Wir freuen uns alle. Für die Stadt Berlin ist es gut. Ich kenne Neven Subotic als Gegenspieler ganz gut. Als ich in Aachen und Hoffenheim war, war er in Mainz. Das ist schon lange her. Wir haben oft gegeneinander gespielt und sind auch schonmal aneinandergeraten, das passiert (lacht). Er ist ein erfahrener Spieler, ich bin auch erfahren. Christian Gentner ist auch gekommen. Es wird auf alle Fälle spannend."

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