15-jährige Tennisspielerin dreht in Wimbledon gehörig auf

"Coco loco" in Wimbledon: Hier kommt Gauff - und wird ausgebremst?

Cori Gauff

Reißt das Wimbledon-Publikum komplett mit - und zeigt sich selbst emotional wie cool: Cori "Coco" Gauff. imago images

Für einen kurzen Moment wirkte Cori Gauff, die alle nur "Coco" nennen, zwischendurch doch mal wie eine 15-Jährige. Als das nächste Kapitel des Tennis-Märchens von Wimbledon geschrieben war, hüpfte das US-Wunderkind wild auf und ab. Mit einem unwiderstehlichen Comeback war Gauff da gerade ins Achtelfinale des Grand-Slam-Klassikers von London gestürmt - und hatte damit den berühmten Centre Court eingenommen.

Denn Gauffs 3:6, 7:6 (9:7), 7:5-Erfolg gegen die Slowenin Polona Hercog riss das Publikum komplett von den Sitzen. Wie sie sich beim Stand von 2:5 im zweiten Satz mit purer Willenskraft gegen die Niederlage stemmte und auf dem Weg zurück unter anderem zwei Matchbälle abwehrte, hatte schon etwas von einem künftigen Champion. Und das alles bei ihrer Premiere an dem mythisch verklärtesten Ort der Tennis-Welt - an der Londoner Church Road auf dem heiligen Centre Court, auf dem eigentlich Novak Djokovic spielen sollte, dann aber aufgrund von "Coco loco" (wörtliche Übersetzung wäre "verrückte Kokosnuss", gemeint ist hier aber "positive Verrücktheit" bezüglich dieses famosen Turnierverlaufs) weichen musste. "Vielleicht wird es ja mein Court", meinte sie anschließend strahlend wie durchaus selbstbewusst.

Aus einem Mädchen werden hunderte Fans

Gauff hat mit ihren Leistungen einen gewaltigen Hype ausgelöst. Auf dem berühmten "Henman Hill", einem Hügel auf der Wimbledon-Anlage mit großer Leinwand davor, verfolgten am Freitag bis in die späten Abendstunden Tausende ihr begeisterndes Duell mit Hercog. Als sie vor ihrem Erstrundenmatch zum Training gegangen sei, habe sie außerdem lediglich ein kleines Mädchen um ein Foto gebeten, erzählte sie. Nach dem vielbeachteten Auftaktsieg gegen Venus Williams hätten dann plötzlich Hunderte ihren Namen gerufen. "Es ist surreal, wie schnell sich das Leben ändert", so Gauff. In der Bar ihres Vaters daheim in Delray Beach/Florida herrschte ebenfalls pure Ekstase bei Freunden und Verwandten.

Tipps von einer Gescheiterten

Und trotzdem wirkt Gauff inmitten des Trubels ganz schön cool. Wie nüchtern und analytisch sie in Interviews über ihre Matches und ihre Erfahrungen spricht, ist durchaus ein wenig beängstigend. Doch dahinter steckt ein Plan. Gauff will auf keinen Fall die Fehler wiederholen, die andere Wunderkinder vor ihr gemacht haben. Schließlich ist sie selbst mit 15 Jahren und 122 Tagen "nur" die siebtjüngste Spielerin im Achtelfinale eines Majors - und nicht alle legten anschließend die erwartet große Karriere hin.

Vor ihrem Drittrunden-Match hat sie deshalb mit Mary Joe Fernandez gesprochen, Mitte der Achtziger als 13-Jährige selbst eines dieser Wunderkinder und doch letztlich in ihrer Karriere ohne Grand-Slam-Titel geblieben. "Sie hat mir ein paar Dinge gesagt, von denen sie wünschte, sie hätte sie damals getan", berichtete Gauff. "Ich bin ihr sehr dankbar dafür." Gauff fühlt sich bereit, auch im Achtelfinale zu bestehen - auch wenn dort mit der früheren Weltranglistenersten Simona Halep (Rumänien/Nr. 7) der bislang größte Brocken aus dem Weg zu räumen ist.

Ich glaube, ich kann jede Gegnerin schlagen.

Cori Gauff

"Natürlich ist dieser Moment ein unglaublicher Moment. Ich bin immer noch aufgeregt, dass ich das erleben darf", sagte die selbstbewusste und forsche 15-Jährige. "Meine Eltern erzählen mir, ruhig zu bleiben, fokussiert zu bleiben, weil das Turnier noch nicht vorbei ist." Doch was ist ihr Ziel? Ganz einfach: "Ich glaube, ich kann jede Gegnerin schlagen. Mein Ziel ist es, das Turnier zu gewinnen."

Bremst eine Regel bald den Aufschwung?

Roger Federer

Ist ebenfalls angetan von den Leistungen von Cori Gauff - und möchte bezüglich des Regelwerks helfen: Roger Federer. imago images

Egal, wie diese Wimbledon-Reise für Gauff nun weiter- und ausgeht, eine großartige Karriere scheint in jedem Fall möglich zu sein. Wenngleich sich ein zeitnahes Problem auftut: Auf der WTA-Tour gibt es eine Altersregelung, die für alle Spielerinnen unter 18 Jahren gilt. Demnach dürfen Minderjährige nur zehn Profiturniere (WTA, ITF) pro Jahr bestreiten - dank ihrer Erfolge wurde die Zahl nun auf zwölf erhöht. Das bedeutet: Nach Wimbledon darf Gauff sich noch bei fünf Profiturnieren einschreiben.

Tennis-Star Roger Federer, der mit seiner mit Tony Godsick geführten Agentur "Team8" unter anderem Gauffs Trainer und Vater unterstützt, will hierbei aber helfen. "Ich habe der WTA gesagt, dass man sie lockern müsste", so "FedEx". Die Entwicklung einer Spielerin verlaufe laut seiner Aussage sehr individuell - zudem habe es der Schweizer großartig gefunden, was etwa Martina Hingis bereits mit 15 Jahren geleistet habe. "Es kann ja auch sein, dass eine Spielerin ihre beste Phase zwischen 15 und 24 Jahren hat."

sid/mag

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