Weltmeister der Unsportlichkeit

PES-WM und die seltsamen Vorgänge um eLigaSul Stars

"eLigaSul Stars" wurde am letzten Juni-Wochenende Koop-Weltmeister in Konamis PES 2019. Es gab allerdings Unregelmäßigkeiten. Konami/kicker eSport

Nur wenn Spieler und Mannschaften stets ihre beste Leistung abrufen und nicht mit unsportlichen Mitteln Siege erringen, kann ein Wettkampf funktionieren. Gerade der eSport, als junge neue Sparte, ist stark auf diese Werte angewiesen. Werte, die am vergangenen Wochenende vom frisch gekürten Teamweltmeister eLigaSul Stars aus Brasilien arg infrage gestellt wurden.

Über das gesamte WM-Wochenende kam es immer wieder zu Vorfällen, in deren Zentrum stets diese Mannschaft stand. So musste eine Partie wiederholt werden, nachdem einer der Brasilianer vor dem finalen Elfmeterschießen aus dem Game flog. Ein Zufall, so viel scheint sicher, aber einer von vielen mit glücklichem Ausgang für das Team. Auch der Tumult im Einzelfinale entzündete sich vor allem um eLigaSul Stars, die mit ihren höhnischen Gesängen und obszönen Jubelgesten eine Spielunterbrechung provozierten.

"Sie haben alles versucht, um die Zeit rumzubringen"

Dass die Brasilianer Weltmeister im Koop-Modus werden konnten, lag maßgeblich auch daran, dass Broken Silence, der haushohe Favorit, einen schlechten Start erwischte und in der Gruppenphase ausschied. Zwar hatten sie nicht ihre beste Leistung abgerufen, das gab Spieler Alex Alguacil zerknirscht zu, dennoch hatten die eLigaSul Stars das Schicksal des Rivalen im letzten Gruppenspiel in der Hand. Mit einem Sieg gegen das japanische Team Beginners hätte der Favorit Broken Silence ins Viertelfinale befördert. Das Spiel ging allerdings 0:0 aus und so zogen eLigaSul Stars und Beginners in die nächste Runde ein. "Es ist genau das passiert, was wir erwartet hatten. Die brasilianischen Jungs haben alles versucht, um nicht anzugreifen und die Zeit rumzubringen", sagte Alex Alguacil nach dem Spiel bei uns im Interview.

Wir sind enttäuscht vom brasilianischen Team, sie haben sich nicht verhalten wie Weltmeister.

Alex Alguacil über Koop-Weltmeister eLigaSul Stars

Tatsächlich taten die Stars ab der zweiten Halbzeit sehr wenig, um in Richtung Tor zu kommen. Sogar die Kommentatoren bemerkten, dass die Stars ungewöhnlich schnell ihre Bälle herschenkten. "Jeder hat im Stream gesehen, dass die Brasilianer jeden Ball einfach nur rübergekickt haben, sie wollten nicht aufbauen oder Tore schießen." Und dann sagt Alguacil einen für ihn äußerst ungewöhnlichen Satz. Der faire Spanier erträgt sonst sogar 'Usmakabyles' Brüll-Anfälle ohne große Einlassungen. "Wir sind enttäuscht vom brasilianischen Team, sie haben sich nicht verhalten wie Weltmeister."

Zorn und Unverständnis. Alex Alguacil ist nicht erbaut über die Unsportlichkeiten der

Zorn und Unverständnis. Alex Alguacil ist nicht erbaut über die Unsportlichkeiten der "eLigaSul Stars". kicker eSport

Zusätzlich noch Absprachen

Damit aber nicht genug, denn solches Verhalten ist, ebenso wie Zeitspiel in der Ecke durchaus noch regelkonform: "Angehörige des brasilianischen Teams waren ganz nah bei den Spielern, obwohl eigentlich niemand an der Bühne sein darf und das ist oft passiert. Die Japaner wussten, dass es reicht, durch Leute die umhergelaufen sind und ihnen die Ergebnisse unseres Spiels gesagt haben. Das ist eine schlechte Sache, man stelle sich vor, das würde im echten Fußball passieren." Darauf achten die Verbände allerdings. So kam es auch nicht vor, dass Dortmund in der Bundesliga im letzten Saisonspiel einen Sieg geschenkt bekam. Dass es solche Bewegungen gab, ist zweifelsfrei, die Absprachen lassen sich im offiziellen Videomaterial durch eindeutige Gesten der Japaner erahnen und auch die Bewegungen vor Ort können wir bestätigen. Was dabei gesagt wurde, bleibt allerdings unklar.

Funktionär sieht keine Verfehlungen

Lennart Bobzien, European PES Brand Manager will davon allerdings nichts bemerkt haben: "Im Nachhinein muss man sagen, dass beide Mannschaften den Pfosten mehrere Male getroffen und definitiv auf Sieg gespielt haben, also kann man nicht von Schiebung sprechen. Wir haben nichts gesehen, wo etwas nicht mit rechten Dingen zugegangen ist." Die Aussage des Funktionärs bezieht sich auf die erste Halbzeit, in der beide Mannschaften noch mit voller Kraft gespielt haben. Aus dem Management der eLigaSul Stars hieß es außerdem gegenüber uns, man habe sich in diesem Spiel, in dem es für das Team um nichts mehr gegangen sei, schonen wollen.

Alex Alguacil mag das nicht hinnehmen: "Letztes Jahr haben wir alles gewonnen und wir hatten eine Menge Möglichkeiten anderen Mannschaften in Gruppenphasen zu helfen, aber wir haben es niemals getan. Wenn wir die Besten sein wollen, müssen wir das in jedem Spiel zeigen. Heute haben wir das allerdings nicht gezeigt, deswegen akzeptiere ich das. Wir haben uns zu spät verbessert." Entsprechend wird auch klar, warum Bobzien angibt, dass nach einem klärenden Gespräch alles bereinigt gewesen sei.

Fader Beigeschmack

Für Alguacil bleibt die Enttäuschung groß: "Die Sache ist, wir haben schon oft gespielt und wir wissen, dass eLigaSul Stars die Möglichkeiten der Regeln bis zum Äußersten ausreizen, um zu gewinnen. Wir sind davon enttäuscht. Wir treten an und versuchen unser Bestes. Sie wussten, wenn wir es ins Halbfinale schaffen, dann können wir auch Weltmeister werden, denn unsere Leistungskurve zeigte nach oben. Ihnen war jedes Mittel recht, um uns aus dem Turnier zu bekommen."

Eine schlechte Mannschaft sind die eLigaSul Stars definitiv nicht. Nicht von der Hand zu weisen ist allerdings, dass es viele Gelegenheiten gab, bei denen die Brasilianer plötzlich im Zentrum negativer Ereignisse standen. Ihr WM-Titel hat daher einen faden Beigeschmack und Konami wird sich ernsthaft Gedanken machen müssen, wie ablenkende Fangesänge, Absprachen mit Managern während der Spiele und Tumulte verhindert werden können.

Holm Kräusche