Diskussion um Vettel und Verstappen

Das Spielberg-Urteil: So sehen es die DTM-Fahrer

Sebastian Vettel und Max Verstappen

Sind ausnahmsweise gleicher Meinung: Sebastian Vettel und Max Verstappen. imago images

Sebastian Vettel und Max Verstappen stehen nicht unbedingt im Verdacht, allzu oft einer Meinung zu sein. Was das Aussprechen von Strafen angeht, zeigten sie in den beiden jüngsten Fällen jedoch hohe Einigkeit. "Wir fahren nicht um den Kindergarten-Cup", poltert Sebastian Vettel, der seine Fünf-Sekunden-Strafe von Kanada und den damit verbundenen Siegverlust bis heute nicht verdaut hat. "Wenn so etwas nicht mehr erlaubt ist, können wir alle zu Hause bleiben", kommentiert Max Verstappen seinen Zweikampf mit Charles Leclerc, mit dem er in der drittletzten Runde einen harten Zweikampf austrug, nicht ohne den Ferrari seinen Kontrahenten auch zu berühren. Es dauerte nach dem Rennen geschlagene drei Stunden, ehe das vierköpfige Gremium (bestehend aus drei Stewards und dem neunmaligen Le-Mans-Sieger Tom Kristensen) zu dem Schluss kam, Verstappen nicht mit einer Zeitstrafe zu belegen und ihm so den Sieg zu belassen.

Im Rahmen einer Pressekonferenz vor dem Norisring-Rennen am Wochenende in Nürnberg fragte der kicker drei DTM-Piloten nach ihrer Sicht der Dinge. Schnell wurde klar, dass sie als Unbeteiligte nicht zu den eindeutigen Sichtweisen á la Vettel oder Verstappen neigen.

Marco Wittmann, 2014 und 2016 DTM-Champion mit BMW, wäre es am liebsten, wenn es derlei nachträgliche Untersuchungen erst gar nicht gäbe: "Am Ende ist es nie schön, wenn über einen Sieg erst im Nachgang oder am grünen Tisch entschieden wird, das will der Zuschauer und Fan nicht sehen", findet der Franke. Aus seiner Sicht war es "für die Formel 1 und die Fans in Spielberg die richtige Entscheidung, keine Strafe auszusprechen. Weil dann wieder ein Sieger ein Nicht-Sieger gewesen wäre". Wittmann sieht aber auch die Gegenseite und kommt dann zum genau entgegensetzten Urteil: "Wenn ich die DTM-Regel herannehme, dann hätte Verstappen bestraft werden müssen. Gerade die Spielberg-Nummer war eine schwierige Situation. In der DTM haben wir die Regel, dass wir uns eine Wagenbreite Platz lassen müssen und den Außenmann nicht off track schieben, was im Verstappen-Fall in Kurve 3 von Spielberg ganz klar der Fall war." Am Ende aber findet Wittmann: "Im Sinne des Sports, auch der holländischen Fans, hätte ich als Rennleiter keine Strafe aussprechen wollen."

"...ob es im Sinne des Sports war, sei mal dahingestellt"

Audi-Pilot Nico Müller, augenblicklich DTM-Gesamtdritter und Sieger des letzten Laufs in Misano, findet "unsere Regel in der DTM mit dem Platzlassen und nicht von der Strecke Schieben schön, wenn du Seite an Seite aus der Kurve rausfährst". Was das Rennen in Spielberg angeht, hätte "ich mir vielleicht auch gewünscht, dass dieses Duell noch bis Kurve 4 angehalten hätte oder bis in den zweiten Streckensektor. Als Racing war das hart am Limit, aber mit unseren Regeln (in der DTM, die Red.) haben wir eine Basis geschaffen, die wirklich zu tollen Rad-an-Rad-Kämpfen führen kann. Und aus diesem Spielberger Duell hätte auch etwas Ähnliches werden können".

Der kluge Rennfahrer aus Bern übersieht jedoch nicht die möglichen Konsequenzen, wenn Fahrer bei zu harter Gangart mit Straffreiheit rechnen können: "Natürlich, wenn du die Möglichkeiten hast, die Strafe zu umgehen und dir so die Position zu sichern, dann kann ich schon verstehen, dass man da auch mal ein bisschen härter zur Sache geht." Falsch oder richtig entschieden? Auch Müller tut sich schwer mit einer eindeutigen Sichtweise: "Ich finde, dass die Entscheidung schlussendlich auf der Basis, die das Formel-1-Reglement bietet, nicht falsch war, aber ob es im Sinne des Sports war, sei mal dahingestellt."

In diese Richtung zielt auch die Aussage von Ferdinand von Habsburg, dem jungen Österreicher, der bei DTM-Neuling Aston Martin gerade seine Debütsaison absolviert: "Wenn man es nur von außen betrachtet, dann war in beiden Fällen eine Strafe nötig. Aber natürlich kann man auch darüber reden, ob es richtig oder falsch für den Sport ist. Dass die Strafe in Spielberg nicht ausgesprochen wurde, gefällt mir eigentlich auch", sagt von Habsburg und fügt einen letzten Satz hinzu, der so kurz ist wie wahr: "Dort der Schiri zu sein, ist nicht einfach."

Stefan Bomhard

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