Kuntz-Elf fährt erhobenen Hauptes von der EM nach Hause

"Bis aufs Finale war alles top" - Stolz überwiegt bei U 21

Marco Richter (2.v.re.)

Vergeblich im Finale gegen die Niederlage gestemmt: Marco Richter (2.v.re.). Getty Images

Von der U-21-EM in Italien berichten Fabian Istel und Michael Pfeifer

Erschöpft und niedergeschlagen sanken die deutschen Spieler auf den Rasen, als Schiedsrichter Srdjan Jovanovic um 22:36 Uhr die Partie abpfiff. Bei einigen flossen sogar bittere Tränen der Enttäuschung. Das 1:2 im Finale gegen Spanien ließ den Traum von der erstmaligen Verteidigung eines EM-Titels durch eine deutsche U 21 zerplatzen. "Es ist bitter, dass wir verloren und uns am Ende nicht belohnt haben, das schmerzt brutal", gewährte Luca Waldschmidt Einblicke in sein Seelenleben. Wie fast alle seine Teamkollegen richtete der mit sieben Treffern beste Torschütze des Turniers den Blick dennoch schon wieder nach vorne: "So ein Turnier bringt jeden Spieler weiter, man nimmt Erfahrungen mit, die man so nicht kriegt im Verein."

U-21-Europameisterschaft - Finale
Finale

Auf diesen Effekt setzt auch Stefan Kuntz, der seine Mannschaft nach dem EM-Triumph 2017 in Polen zum zweiten Mal in Folge in ein Finale geführt hatte: "Wenn diese erste Enttäuschung vorbei ist, werden die Jungs merken, dass sie ganz viel positive Sachen mitnehmen können. Sie haben ganz viele Schritte hier gemacht, das wird ihnen in ihren zukünftigen Karrieren unwahrscheinlich helfen", ist sich der Cheftrainer sicher. Und setzte gleichzeitig zum einem positiven Gesamtresümee an: "Ich bin erster Linie unwahrscheinlich stolz, dass wir diese EM so für Deutschland hinbekommen haben. Es freut mich, dass wir gezeigt haben, dass die deutschen Talente mit allen Talenten in Europa mithalten können."

Bis aufs Finale war alles top. Wir haben eine richtig geile Mannschaft.

Angreifer Marco Richter

Die Kuntz-Elf hat während des Turniers nicht nur den erhofften nächsten Entwicklungsschritt gemacht, sondern mit teils furiosen Leistungen wie beim 6:1-Kantersieg im zweiten Gruppenspiel gegen Serbien oder dem Comeback nach 1:2-Rückstand in der Halbfinal-Hitzeschlacht gegen Rumänien (4:2) eine ganze Nation begeistert. Auch deshalb blickt Angreifer Marco Richter mehr mit einem lachenden als weinenden Blick auf die Europameisterschaft in Italien und San Marino zurück: "Im Moment ist es zwar extrem bitter, aber was bleibt, sind richtig schöne Erinnerungen. Bis aufs Finale war alles top. Wir haben eine richtig geile Mannschaft. Es hat Spaß gemacht, bei so einem Turnier spielen zu dürfen."

Richtige Kumpels

Obwohl der Augsburger, der beim 3:1 gegen Dänemark mit einem Doppelpack gestartet war, nach dem letzten Gruppenspiel gegen Österreich (1:1) seinen Stammplatz auf der linken offensiven Außenbahn an Nadiem Amiri verloren hatte, zog er eine positive Bilanz: "Für mich persönlich war das ein Höhepunkt in meiner Karriere, ganz klar. Und auch für das Team ist so ein Turnier etwas ganz Großes. Jetzt darf man ein, zwei drei Tage trauern, aber danach geht der Blick wieder nach vorne. Wir können stolz auf uns sein, auch ohne den Gewinn." Was Richter und seinen 22 Mitstreitern im deutschen EM-Kader schon jetzt keiner mehr nehmen kann: "Wir sind alle eng zusammengewachsen und richtige Kumpels geworden. Die Wege trennen sich in den Vereinen, aber nicht als Freunde."

Henrichs' emotionaler Abschied

Wie für den 21-Jährigen war die Finalniederlage aber auch für den Großteil seiner Kollegen altersbedingt der letzte Auftritt im Trikot der U 21. Beim Neuaufbau der nächsten Generation für die Europameisterschaft 2021 in Slowenien werden aus dem EM-Kader nur Markus Schubert, Johannes Eggestein und Lukas Nmecha (alle Baujahr 1998) sowie Arne Maier (1999) gehören. Das Ende ihrer Zeit als Juniorennationalspieler des DFB sorgte bei einigen für zusätzlichen Wehmut. "Eines steht fest: Wir werden nie wieder für die U-Nationalmannschaften spielen, weil wir zu alt sind. Es wäre natürlich überragend gewesen, sich mit einem Sieg zu verabschieden", ließ Linksverteidiger Benjamin Henrichs seinen Tränen freien Lauf. "Als 17-jähriger Junge bin ich hierhin gekommen, jetzt bin ich 22 und hab mein letztes U-Länderspiel absolviert. Das ist schwer in Worte zu fassen und ein emotionaler und trauriger Moment für mich."

Stolz und jede Menge Erfahrung

Zeit, das alles zu verarbeiten, werden Henrichs und Co. nun in ihrem wohlverdienten Urlaub finden. Nach einem nächtlichen Bankett im Teamhotel in Fagagna, an dem neben Freunden und Familien der Spieler auch Bundestrainer Joachim Löw teilnahm, machte sich der DFB-Tross am Montagmorgen gegen 8 Uhr auf den Heimweg. Zwar nicht mit dem erneuten Titel im Gepäck, dafür aber mit Stolz und jeder Menge wertvoller Erfahrungen.

Alexander Nübel: Note 5

15

Noten und Einzelkritik zum Finale: Amiri sticht heraus