Lehren aus dieser U-21-EM - Ein Kommentar von kicker-Redakteur Michael Pfeifer

Den Titel verloren und doch viel gewonnen

Luca Waldschmidt

Ein Gewinner der U-21-EM: Torschützenkönig Luca Waldschmidt. imago images

Viel Sympathie und Anerkennung in der Heimat zum Beispiel hat sich die deutsche Mannschaft verdient mit beherzten Auftritten, mutigem Offensivspiel, tollen Toren und auch kämpferischen Momenten wie in der Hitzeschlacht im Halbfinale gegen Rumänien (4:2).

Ein Gewinner ist natürlich Luca Waldschmidt, der mit sieben Treffern Torschützenkönig der EM wurde, den Rekordschützen Marcus Berg aus Schweden einholte. Wie der Freiburger haben auch viele andere in dieser U 21 wichtige Erfahrungen für die weitere Karriere gewonnen, ihren Status als Fußballer verbessert und ihre Attraktivität auf dem Markt gesteigert. Der furios ins Turnier gestartete Augsburger Marco Richter ebenso wie der immer stärker werdende Nadiem Amiri, aber trotz seines Patzers im Endspiel auch Torhüter Alexander Nübel, um nur einige zu nennen.

U-21-Europameisterschaft - Finale
Finale

Gewonnen hat auch der DFB, der zum dritten Mal in Folge in dieser Altersklasse das EM-Halbfinale und zum zweiten Mal nacheinander das Endspiel erreichte. Ein beruhigendes Signal der Stärke und mittelfristig befruchtend für die A-Mannschaft, in der wir sicherlich noch mehr als die bereits berufenen Jonathan Tah, Lukas Klostermann und Maximilian Eggestein sehen werden.

Ein großer Gewinner ist in jedem Fall Stefan Kuntz. Der anfangs belächelte und mit viel Skepsis empfangene Wiedereinsteiger in den Trainerjob hat in den drei Jahren beim DFB eine beindruckende Erfolgsbilanz vorzuweisen. Neben dem Titelgewinn 2017 und der erneuten Finalteilnahme hat der 56-Jährige erheblich an Renommee gewonnen und wird nun sogar schon vom derzeitigen Amtsinhaber Joachim Löw persönlich als potenzieller Nachfolger als Bundestrainer genannt. Das Trainerteam mit den Assistenten Toni di Salvo und Daniel Niedzkowski hat es zudem verstanden, dieser Mannschaft ohne klassischen Mittelstürmer die geeignete Formation und Strategie anzueignen, um die individuellen Stärken bestmöglich zur Geltung zu bringen.

Gewinner sind schlussendlich auch all diejenigen Entscheider, die Kuntz vor drei Jahren zum DFB lotsten. Das waren in erster Linie der damalige Sportdirektor Hansi Flick und der Sportliche Leiter der Nationalmannschaften, Joti Chatzialexiou. Unterm Strich also eine gelungene Veranstaltung, trotz des verlorenen Endspiels.

Michael Pfeifer

kicker-Redakteur Michael Pfeifer kicker