Kritische Worte Richtung Heidel auf der Mitgliederversammlung

Tönnies nach "schlaflosen Nächten" wieder in S04-Aufsichtsrat gewählt

Clemens Tönnies

Bleibt im Schalker Aufsichtsrat: Clemens Tönnies. imago images

Tönnies gehört seit 25 Jahren dem Aufsichtsrat an und führt ihn seit 2001 an. Der Fleischfabrikant war zuletzt wegen der Personalie Christian Heidel in die Kritik geraten. 2016 übernahm der langjährige Mainzer auf Geheiß Tönnies' das Manageramt. Trotz der Vizemeisterschaft im Jahr 2018 missglückte das Experiment letztlich, Schalke geriet in der abgelaufenen Saison sogar in Abstiegsnot. Dass einige Leistungsträger (Leon Goretzka, Max Meyer und Sead Kolasinac) den Verein ablösefrei verlassen konnten, ließ auch Heidels Nachfolger Jochen Schneider nicht unkommentiert.

Jobst: "Wir stecken fest, wir kommen nicht weiter

Dazu leistete sich Heidel einige Transferflops. Finanzvorstand Peter Peters erklärte, dass der Satz "Geld schießt Tore" nicht gegolten habe. Mit Blick auf Heidel sagte er: "Wir haben ausreichend Geld zur Verfügung gestellt, gebracht hat es nichts." Nach dem Rekordumsatz von 350 Millionen Euro im Geschäftsjahr 2018 werde die Bilanz im laufenden Jahr "erheblich schlechter ausfallen". Schalke bleibe aber "ein gesunder Verein" mit einer "durchschnittlichen Ertragskraft bei 200 Millionen Euro". Die sportliche Krise schlägt auch auf die Vermarktungserlöse durch. "Wir stecken fest, wir kommen nicht weiter", gab Marketing-Vorstand Alexander Jobst zu, der für 2019 erstmals mit keinen weiteren Zuwächsen rechnet: "Die anderen holen auf oder hängen uns ab."

Wir als Aufsichtsrat haben die eine oder andere falsche Personalentscheidung getroffen, und dafür übernehme ich Verantwortung.

Clemens Tönnies

Auch Tönnies, der mit Peter Lange (4043 Stimmen) in den Aufsichtsrat gewählt wurde, ließ seiner Enttäuschung über die jüngsten Entwicklungen freien Lauf. "Wir als Aufsichtsrat haben die eine oder andere falsche Personalentscheidung getroffen, und dafür übernehme ich Verantwortung. Aber wir stehen dafür gerade und haben einen Plan", sagte Schalkes Aufsichtsratsvorsitzender bei seiner Rede und dürfte damit ebenfalls auf Heidel angespielt haben. An die vergangene Saison mit dem abschließenden Tabellenplatz 14 erinnerte er sich mit Grauen zurück: "Ich habe selbst Spiele gesehen, die ich in dieser Art und Weise noch nicht erlebt hatte. Auch ich habe viele schlaflose Nächte gehabt." Man habe eine schlechte Saison gespielt, "aber wir stehen nicht am Abgrund", so der 63-Jährige. "Schalke 04 hat tolle Strukturen, die wir jetzt weiterentwickeln werden." Man habe "volles Vertrauen" in Jochen Schneider, David Wagner, Michael Reschke und Sascha Riether, "die uns wieder aus dem Tal herausführen werden. Nicht morgen, nicht kommende Saison - aber bald."

Applaus für Wagner, Standing Ovations für Stevens

Die Schalker Mannschaft war trotz des Beinahe-Abstiegs mit Applaus begrüßt worden - vor allem der neue Trainer David Wagner. "Jeder weiß, was die Schalker DNA ist. Wir werden alles dafür tun, diese DNA wieder offenzulegen", sagte der "Eurofighter" von 1997. Den größten Beifall erhielt aber Huub Stevens. Mit minutenlangen Standing Ovations feierten die Mitglieder den Schalker Jahrhunderttrainer, der den Traditionsklub in seiner dritten Amtszeit vor dem Abstieg gerettet hatte.

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las/sid

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