Fanverhalten überschattet Finale

Tumulte vor der Bühne - 'Usmakabyle' neuer PES-Weltmeister

'Usmakabyle' ist neuer PES Weltmeister. Konami

33 Grad zeigte das Thermometer im Emirates-Stadium in London, der Heimat des FC Arsenal, der Mannschaft, die am häufigsten von den Profis ausgewählt wird. Fußballspieler hätten am heutigen Tag arg mit den Verhältnissen zu kämpfen gehabt, aber zum Glück für die PES-Profis fand deren Wettkampf in den gut klimatisierten Räumen des Stadions statt.

Ein Deutscher hatte sich nur durch die schwere Qualifikation gekämpft und wollte nach dem Weltmeistertitel greifen. Es kam anders, als Emiliano 'S-Venom' Spinelli sich das vorgestellt hatte. "Ich bin natürlich enttäuscht", sagte der Deutsche bei uns nach seinem letzten Gruppenspiel. Dreimal kassierte er eine Niederlage und schied mit null Punkten aus. 2:5, 2:3 und 2:6 waren wahrlich auch keine rühmlichen Ergebnisse. "Im ersten Spiel war ich noch nicht richtig warm und im zweiten war es ärgerlich, das hätte auch anders laufen können", sagte Spinelli. Auch das Gameplay habe ihm zu schaffen gemacht, hier sei es deutlich langsamer. "Das sollen aber keine Entschuldigungen sein. Die Gruppe war zwar hart, aber ich habe eben verloren." Zum Nachteil von Spinelli hatte Konami in seiner Mannschaft von Paris St. Germain drei Spieler ausgemustert, und er habe eine Woche vorher zu Arsenal wechseln müssen. "Nächstes Jahr wird wieder angegriffen."

16-Jähriger spielt sich ins Halbfinale

Der restliche Tag erzählte viele Geschichten: Da war zum Beispiel der erst 16 Jahre alte 'Zeus_Faiden' aus Indonesien, der mit einer fulminanten Aufholjagd bis ins Halbfinale kam und die Zuschauer auf seiner Seite hatte. Ettore 'Ettorito' Giannuzzi, noch amtierender Weltmeister, sagte, er erinnere ihn an eine jüngere Version seiner selbst. Letztlich besiegte der Grande eben jenen 'Zeus_Faiden' im Halbfinale, wenn auch nur knapp. Der zweifache Champion war bis dahin durch das Turnier gefegt, ganz wie in alten Zeiten. Ergebnisse wie das 5:0 im Viertelfinale waren keine Seltenheit, insofern war es eine gute Vorstellung des jungen Indonesiers, der nur einen einzigen Treffer kassierte.

Kampf der Weltmeister

Das andere Halbfinale war eine Neuauflage des Endspiels von Porto, mit demselben Ausgang: Walid Rachid 'Usmakabyle' Tebane triumphierte gegen 'Christopher_PW' erneut. Damit wurde die größte Geschichte der WM Wirklichkeit: Ein Aufeinandertreffen der beiden zweifachen Weltmeister. Nun ging es darum zu bestimmen, wer der wirklich beste Spieler der Welt ist und den anderen mit einem weiteren Titel ausstechen kann. Das Match der beiden war hochwertig und genauso spannend, wurde aber zur Nebensache.

'Ettorito' sah sich durch die brasilianisch-französische Fanriege um Team-Weltmeister eLigaSul Stars provoziert und feierte sein erstes Tor ausgiebig. Die Fans von 'Usmakabyle' hatten immer wieder laute Gesänge an der Grenze der Verhöhnung angestimmt. Das nahm Giannuzzi erwartbar persönlich und jubelte ausgelassen, zeigte den Fans den Mittelfinger, sprang von der Bühne und freute sich äußerst obszön direkt vor diesen.

Tumult vor der Bühne

Der Weltmeister lässt sich von seinen Fans feiern. kicker eSport

Beim Ausgleich durch 'Usmakabyle' brach dann all der verletzte Stolz aus den Brasilianern und ein ebenso obszön jubelnder Tumult entstand. Die Partie musste mehrere Minuten unterbrochen werden, die Gesänge brandeten immer wieder auf, Giannuzzis Vater schaltete sich ein und diverse Spieler versuchten zu beruhigen. Fast wäre es wohl zu einer Prügelei zwischen Giannuzzi Senior und dem Manager der Brasilianer gekommen, aber die Lage entspannte sich, auch dank eilig beorderter Arsenal-Security. Zwar sieht man solches Verhalten selten im eSport, es bleibt doch die Frage offen, warum Konami zuließ, dass die beiden Fanlager vor dem jeweils anderen Spieler im Publikum saßen.

Verlängerung bringt Sieger

Nach Fortsetzung der Partie mussten die Kontrahenten in die Verlängerung, die der Franzose mit einem Tor und ordentlichem Zeitspiel für sich entscheiden konnte. Er holt damit den dritten Titel seiner Karriere und 25.000 US-Dollar. 'Ettorito' verschwand schnell und geknickt, 'Usmakabyle' wurde noch lange gefeiert. Trotz des spannenden Finales bleiben die Bilder einer völlig außer Kontrolle geratenen Situation, der erst spät Einhalt geboten wurde. Man habe heute gelernt, hieß es von den Verantwortlichen, und dem neuen Weltmeister waren die Anfeuerungsrufe auch sichtlich unangenehm. Mit diesem Schatten über seinem Titel muss er aber nun leben, denn er selbst war durch seine vergangenen Ausbrüche sicher auch ein bisschen selbst schuld an dem Verhalten seiner Fans.

Holm Kräusche

Dritter Titel für den brüllenden Franzosen

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