Gladbachs neuer Trainer im Interview

Rose über Embolo, die Systemfrage und die "Urgewalt" Lainer

Marco Rose

Vor dem Saisonstart sprach er über viele Dinge: Gladbachs Trainer Marco Rose. imago images

Herr Rose, seit Freitag ist der Wechsel von Breel Embolo nach Gladbach perfekt. Welche Hoffnungen knüpfen Sie an den Transfer?
Es wurde ja schon viel darüber gesprochen und berichtet, dass es ein paar neue Ansätze im Spielstil geben soll. Power, Wucht, Dynamik - alles das bringt Breel Embolo mit. Das ist aber nur ein Teil der Wahrheit. Denn Breel besitzt auch fußballerische Qualitäten, er hat ja früher auf der Acht oder Zehn gespielt. Es geht bei uns nicht nur darum, Dynamik, schnelle Spieler und Hauruck zu verpflichten. Wir wollen auch schlaue, fußball-schlaue Jungs holen, die fußballerische Qualität mitbringen.

Welchen Eindruck haben Sie auf den persönlichen Gesprächen mit ihm außerdem mitgenommen?
Breel ist ein richtig guter Typ, er passt zu uns. Er hatte eine schwierige Zeit auf Schalke, ist aber sehr ambitioniert und möchte unbedingt unter Beweis stellen, dass er zu Recht als absoluter Top-Spieler gehandelt wird.

Sie sprachen seine schwierige Zeit auf Schalke, zu denen vor allem die zwei schweren Verletzungen beitrugen, bereits an. Jeder Transfer birgt Chancen und Risiken. Klar, wir alle, Breel auch, sehen in erster Linie die Chancen. Für ihn ist auf Schalke einiges unglücklich gelaufen mit den Verletzungen. Wichtig ist aus unserer Sicht: Wir dürfen ihm nicht gleich wieder einen riesigen Rucksack aufsetzen, sobald er anfängt. Dass er direkt liefern muss oder sonst etwas. Er soll jetzt erst einmal gesund werden und in Gladbach ankommen.

Für die Schweizer Nationalmannschaft fiel Embolo zuletzt wegen Problemen am Fuß aus. Wann planen Sie ihn fürs Mannschaftstraining voll ein?
Wir arbeiten bereits dran, dass er die kleine Verletzung in den Griff bekommt. Er hat wohl einen Schlag auf den Fuß bekommen. In den Untersuchungen wurde festgestellt, dass alles in Ordnung ist. Jetzt müssen die Schmerzen raus. Wir rechnen damit, dass er in den nächsten Tagen mit dem Lauftraining beginnen kann.

Was können Sie über den Transfer von Stefan Lainer verraten, warum war es Ihnen wichtig, ihn aus Salzburg mitzunehmen?
'Stevie' ist eine Naturgewalt. Er ist ein ordentlicher, richtig guter Fußballer, der eine unfassbare Mentalität mitbringt. Er marschiert ohne Ende, man kriegt ihn nicht klein. Stevie kommt plötzlich ab der 60. Minute, obwohl man vorher dachte, dass es heute vielleicht nicht sein Tag ist. Auf einmal ist er da. In vielen Spielen hat er bei uns gerade hinten heraus den Unterschied gemacht - obwohl er vermeintlich "nur" Rechtsverteidiger ist. Außerdem kann er sich immer noch entwickeln. Letzten Sommer wollte ihn die SSC Neapel unbedingt verpflichten, da konnten wir ihn zum Glück in Salzburg halten. Deutschland wird für ihn der nächste Schritt.

Stefan Lainer

Von ihm ist sein Trainer überzeugt: Stefan Lainer. imago images

Wie sieht es hinter Lainer aus? Wie ist der Plan mit Jordan Beyer, wird Michael Lang vielleicht gehen?
Natürlich sehen wir bei Jordan Beyer dieses große Talent. Ihn wollen wir weiterentwickeln. Er kann rechten Innen- und rechten Außenverteidiger spielen. Mit Michael Lang habe ich bereits telefoniert, er hat das Gespräch gesucht. Grundsätzlich ist der Trainer Rose keiner, der Spieler vom Hof jagt oder eine Trainingsgruppe II aufmacht. Alle Jungs, die zum Kader gehören, werden gleichbehandelt.

Aber Langs Perspektive sieht durch die Lainer-Verpflichtung nicht mehr so rosig aus.
Wenn wir Lainer und Beyer für diese Position haben, dann kann es für ihn mit Einsatzzeiten schwer werden. Das habe ich ihm auch so gesagt. Aber wenn er hierher kommt nach dem Urlaub und besser trainiert als die anderen, dann wird er spielen. So einfach ist das. Aber die Ausgangslage für ihn ist zunächst einmal nicht einfach.

Wie viele Neue erwarten Sie noch? Einen Spieler, zwei - oder sogar drei?
Wir wollen für vorne noch etwas machen. Wir reden auch über einen möglichen Abwehrspieler, der flexibel einsetzbar ist und im Optimalfall einen linken Fuß hat.

Das passt genau auf Offensivspieler Marcus Thuram von EA Guingamp und Verteidiger Malang Sarr aus Nizza.
Jetzt am Ende wurden die Namen, die spekuliert wurden, besser und konkreter. Das kann ich verraten. Es sind sehr interessante Jungs. Aber es gibt keinen Status Quo in irgendeiner Form.

Inwieweit wird man das Spielsystem aus Salzburg künftig bei der Borussia wiedererkennen?
Ich darf nicht den Fehler machen und glauben, dass alles so läuft und funktioniert wie in Salzburg. Es gibt auch keinen "Marco-Rose-Fußball", sondern nur ein "Wir". Wir als Mannschaft wollen versuchen, uns schnell zu finden. Da nehme ich die Spieler auch mit. Ich versuche nicht die Schablone aus Salzburg draufzuknallen und sage: So läuft das jetzt - und wer es nicht schafft oder nicht will, der hat ein Problem. Wir werden versuchen, gemeinsam den Stil von Borussia Mönchengladbach für die nächsten Jahre zu kreieren.

In Salzburg setzten Sie vorwiegend auf ein 4-4-2-System mit Mittelfeldraute. Würde es auch zum Gladbacher Kader passen?
4-4-2 mit Raute ist aus meiner Sicht ein gutes System. Von der Raumaufteilung, den Linien und der Möglichkeit her, vertikal zu spielen. Wir werden aber nicht auf eine Grundordnung festgelegt sein. Muss man in manchen Spielen mehr über den Flügel machen, kann es auch ein 4-3-3 sein. Oder ein 3-4-3, das am Ende eines Spiels hilfreich sein kann, wenn Wucht entwickelt werden muss.

Wie planen Sie Lars Stindl und Raffael in den Systemen ein, als Stürmer oder Zehner?
Beide kommen für beide Positionen infrage.

Lars Stindl ist seit Jahren Kapitän der Mannschaft. Wie verfahren Sie in der Frage: Lassen Sie wählen oder bestimmen Sie?
Wir kommen jetzt erst einmal zusammen und lernen uns kennen. In Salzburg habe ich in den vergangenen zwei Jahren den Kapitän bestimmt. Ich bin aber offen für alles. Ich muss nicht alles auf den Kopf stellen, wenn die Dinge gut laufen und die Mannschaft funktioniert.

Cuisance, Müsel, Poulsen, Bennetts oder Kiel-Rückkehrer Benes: Wie ist die Situation der vielen jungen Spieler im Kader, zeichnet sich bei dem einen oder anderen ein Leihgeschäft ab?
Da zeichnet sich bisher nichts ab. Ich freue mich total auf die Jungs, habe in Salzburg auch mit vielen jungen Spielern zusammengearbeitet. Wir wollen diese Spieler fördern und fordern. Bei mir ist die Regel relativ einfach: Zeigen mir die Spieler, dass sie unbedingt spielen wollen, und akzeptieren, dass sie zwischendurch vielleicht auch mal hintenanstehen, dann steht ihnen Tür und Tor offen.

Aufgezeichnet von Jan Lustig

19

Subotic, Hummels & Co.: Die Neuzugänge der Bundesliga