Überzeugt Riot Games mit Auto Chess?

Viel Potenzial, wenig Inhalt: Teamfight Tactics im Beta-Test

Teamfight Tactics ist der neue Konkurrent von Dota Underlords und Drodos Auto Chess

Teamfight Tactics ist der neue Konkurrent von Dota Underlords und Drodos Auto Chess. Riot Games

Aktuell kann es scheinbar keinem Entwickler schnell genug gehen. Innerhalb weniger Monate sind mehrere Studios dem Auto Chess-Trend gefolgt und haben ihre Version auf den Markt gehetzt. Teamfight Tactics (TFT) heißt der Ableger von Riot Games, der seit dem 27. Juni auch allen Europäern zugänglich ist.

Dass es sich bei TFT eher um eine Mod, als ein fertiges Spiel handelt, war schon vor Release klar. Laut den Entwicklern war es zu Beginn nur ein internes Projekt. Geplant war Riot Games Auto Chess nicht. Bislang ist Teamfight Tactics daher nur im Client von League of Legends als Beta verfügbar und existiert als ein Spielmodus ohne Zusatzinhalte. Von einer Mobilversion ist TFT meilenweit entfernt.

Grundsätze bleiben gleich

Teamfight Tactics orientiert sich an der ursprünglichen Dota Auto Chess Mod und überträgt das Spiel ins League of Legends-Universum mit einigen Neuerungen. Das Spielprinzip bleibt jedoch vertraut: Acht Spieler kaufen Champions, stellen sie auf ein Spielbrett und sehen zu, wie sich die eigene Armee mit der des Gegners misst. Wer verliert, dem werden Lebenspunkte abgezogen. 100 Stück hat jeder und wenn die aufgebraucht sind, ist man raus. Um zu gewinnen, gilt es Champions aufzuwerten und Klassen- sowie Rassen-Boni zu aktivieren. So wird Eure Armee stärker und Ihr überlebt länger.

Fehlende Elemente und der Zufallsfaktor

Auf den ersten Blick scheint TFT fertig. Das Spiel läuft flüssig, alles funktioniert, sieht gut aus und überzeugt durch ein übersichtliches Bedienfeld. Wer jedoch andere Auto Chess-Versionen kennt, der wird ein paar Elemente vermissen. Beispielsweise eine Schadens-Anzeige, die gerade für Anfänger unersetzlich ist. Ebenso fehlen klare optische Unterschiede zwischen den Leveln einer Einheit sowie eine Art Wiki, um Infos zu Champions, möglichen Synergien und Items nachzuschlagen.

Die wohl größte Gameplay-Problematik ist derweil der Zufallsfaktor. Ob Ihr nach einer neutralen Runde nicht ein oder drei Items bekommt, ist immer unterschiedlich. Da Gegenstände in Teamfight Tactics den Ausgang einer Runde aber drastisch beeinflussen, spielt das Glück aktuell noch eine immens große Rolle.

Innovation mit Teamfight Tactics

Größtes Plus von Teamfight Tactics sind die zahlreichen Neuerungen im Vergleich zu anderen Auto Chess-Spielen. Das fängt bei den sechs- statt viereckigen Feldern an und geht bis zu einem komplett neuen Spielelement, dem Karussell. Dahinter versteckt sich eine Runde, in der jeder Spieler nacheinander einen der Champions auswählt, die sich auf einem imaginären Karussell im Kreis drehen. Als Erstes ist der Spieler mit den wenigsten Leben dran, als Letztes der mit den meisten. Das erhöht die Comeback-Chancen, wenn Ihr früh im Spiel zurückfallt.

Übersichtlich ist TFT zwar, dafür fehlen jedoch hilfreiche Anzeigen

Übersichtlich ist TFT zwar, dafür fehlen jedoch hilfreiche Anzeigen. kicker eSport/Riot Games

Ebenfalls eine clevere Neuerung, die dem Spiel Tiefe verleiht, ist die Spatula. Mit einem anderen Gegenstand kombiniert, verleiht das Item einem Champion eine zusätzliche Klasse. Das klingt nicht spektakulär, öffnet beim Bau der eigenen Team-Komposition aber unzählige neue Möglichkeiten.

Erfolg vorprogrammiert

Von den reinen Zahlen her ist Teamfight Tactics bereits jetzt ein Erfolg. In der vergangenen Woche schauten auf Twitch durchschnittlich 94.000 Menschen zu, wie bekannte Streamer auf dem Testserver TFT ausprobierten. Damit befand sich das Spiel auf Rang drei der gesamten Plattform und weit vor der Konkurrenz wie Dota Underlords und Drodos Auto Chess.

Fazit

In Teamfight Tactics fehlt noch eine ganze Menge. Mobilversion, Ranglisten-Modus, Schadens-Anzeige, all das wird vermisst. Riot Games hat dennoch bewiesen, dass sie mit TFT keinen simplen Abklatsch der ursprünglichen Mod erschaffen haben, sondern vielmehr auf dem gegebenen Spielprinzip aufbauen. Zudem versprechen die Entwickler für die kommenden Wochen noch viele Updates. Der Ranglistenmodus wird beispielsweise schon im nächsten Patch eingebaut. Doch dabei bleibt es nicht. Die Community zeigt starkes Interesse an TFT und Riot Games scheint gewillt, das Spiel immer weiter auszubauen. Teamfight Tactics ist daher schon jetzt ein ernst zu nehmender Konkurrent unter den Auto Chess-Spielen. Und allein durch die Masse an Fans ist TFT in der Pole-Position, um den Genre-Thron zu erklimmen.

Christian Mittweg