Besuch an der Sporthochschule Köln

eSport-Leistungstest bringt Redakteur an Leistungsgrenze

Bis an die Leistungsgrenze: Ein Erfahrungsbericht aus dem eSport-Leistungstest an der Deutschen Sporthochschule in Köln

Bis an die Leistungsgrenze: Ein Erfahrungsbericht aus dem eSport-Leistungstest an der Deutschen Sporthochschule in Köln. kicker eSport

Mein Name ist Christian Bellinger, ich bin 23 Jahre alt und arbeite für das eSport Studio, den Content-Partner von kicker eSport. Ich spiele seit knapp 15 Jahren die FIFA-Reihe und habe in der Weekend League in der Vergangenheit regelmäßig 27 Siege geholt. Darüber hinaus würde ich mich als einigermaßen sportlich bezeichnen.

Dass es in FIFA vor allem darauf ankommt, über die gesamte Spieldauer konzentriert zu bleiben, war mir durchaus klar. Kein Wunder also, dass beim eSport-Leistungstest die Wahrnehmungs- und Aufmerksamkeitsfähigkeiten sowie die Feinmotorik genauestens unter die Lupe genommen wurden. Wie verhalte ich mich im Spiel im Vergleich mit den Profis? Wo schaue ich hin und wo nicht? Unter anderem diese Fragen wollte ich klären.

Die maximale Leistungsfähigkeit

Wirklich bewusst war ich mir nicht, was da auf mich zukommt - entsprechend stieg ich mit einem eher mulmigen Gefühl auf das Fahrradergometer. Nach knapp 18 Minuten und bei einer Herzfrequenz von 196 zeigte ich völlig erschöpft an, dass es nicht mehr weitergeht. Meine Leistungsgrenze hatte ich gefühlt längst überschritten, aber ich wollte es auch mir selbst beweisen. Mir wurde schwarz vor Augen, ich verlor kurzzeitig die Kontrolle über mein Gleichgewicht. Nach einigen Minuten hatte ich mich jedoch wieder gefangen.

Der Test ist dafür da, um mich an meine Grenzen zu bringen. Er soll zeigen, wie gut meine Ausdauer bei unterschiedlichen Intensitäten ist und wo ich mich noch verbessern kann. Wirklich entscheidend sind die genauen Werte eigentlich nur für Spitzensportler. eSportler müssen schließlich keinen Marathon laufen. Es reicht eine gute Grundlage. Denn: Wer eine gute Kondition hat, bleibt an langen Turniertagen länger konzentriert und die Reaktionszeit leidet kaum. Regeneration sowie Immunsystem profitieren ebenfalls.

Nächste Station: Blickfeldanalyse

Mir persönlich war besonders die Analyse meines Blickfeldes wichtig. Welche Felder des Platzes lasse ich, auch unbewusst, außen vor, die auf professioneller Ebene vielleicht entscheidend sind? Fixiere ich bei Eckbällen des Gegners die richtigen Kicker? Wie oft übersehe ich aufgrund der Hektik des Spiels einen frei stehenden Mitspieler? Zuhause habe ich nicht die Möglichkeit, meine Spiele auf diese Weise zu analysieren. An der Sporthochschule gibt es dagegen einen Eye-Tracker. Mithilfe einer speziellen Kamera und einem Computerprogramm können die Experten genau erkennen, wo ich hinschaue und wie lange ich einen Punkt fixiere. Daraus lassen sich zahlreiche Schlüsse ziehen.

Eine der einfacheren Übungen: Der heiße Draht

Eine der einfacheren Übungen: Der heiße Draht. kicker eSport

Im Vergleich zu den Profis wurde nach meinem Probespiel klar, dass ich vor allem das Radar, welches mir einen Überblick über das Spielfeld gibt, vernachlässige und tatsächlich ein ums andere Mal den frei stehenden Mitspieler auf der anderen Seite übersehen habe. Das Radar hätte also meinen Entscheidungsspielraum zumindest erweitern können.

Überblick über die Fähigkeiten

Der eSport-Leistungstest der DSHS gibt dem Teilnehmer unter anderem einen ausführlichen Überblick über seine körperliche Verfassung, die im eSport nicht unterschätzt werden sollte. In Gesprächen mit eSport-Profis kommt auch immer wieder heraus, dass die mentale Stärke enorm wichtig ist, um erfolgreich zu sein. Der Grundstein dafür liegt neben der gesunden Ernährung auch in sportlicher Betätigung in jeglicher Form. Mit der vorliegenden Leistungseinschätzung kann ich in der Zukunft an meiner körperlichen Verfassung arbeiten, um einen möglichen Problemfaktor in kommenden Wettkämpfen zu egalisieren. Ähnliches gilt für die Reaktionsfähigkeiten.

Ist der Spieler in der Lage, das Geschehen auf dem virtuellen Spielfeld schnell zu adaptieren und durch Eingaben in den Controller zu übertragen, sind schnelle Spielzüge keine große Anstrengung mehr. Jeder FIFA-Spieler, der mit dem Gedanken spielt, eine professionelle Karriere einzuschlagen, erhält durch den Leistungstest einen Überblick zu den Fähigkeiten, die durch das intensive Spielen nicht zwingend ersichtlich sind. Für mich persönlich hat der Test vor allem gezeigt, dass ich im körperlichen Bereich im Vergleich mit den Profis - egal ob auf dem Rasen oder an der Konsole - noch einige Defizite habe. Dass ich bei den sonstigen Tests meist im oberen Bereich und teilweise sogar über den Werten der eSportler und Profisportler abgeschnitten habe, lässt mich mit einem guten Gefühl zurück. Eine Karriere als eSportler werde ich in Zukunft dennoch nicht anstreben.

Christian Bellinger