Unwille statt Vorfreude

Rift Rivals: Das Turnier, an dem keiner teilnehmen möchte

Die Rivalität zwischen Europa und Nordamerika steht im Vordergrund bei Rift Rivals.

Die Rivalität zwischen Europa und Nordamerika steht im Vordergrund bei Rift Rivals. lolesports

Riot Games veranstaltet jedes Jahr vier internationale Events: Worlds, das Mid Season-Invitational, All Stars und Rift Rivals. Bei Worlds wird der Weltmeister gekürt, MSI ist der Kampf der Champions, einzelne Spieler stehen bei All Stars im Vordergrund und bei Rift Rivals dreht sich alles um Rivalitäten. Alles erscheint gut durchdacht, sodass jedes Turnier seinen eigenen Reiz hat. Doch spätestens seit diesem Jahr steht fest: Auf Rift Rivals hätte man auch verzichten können.

Das Turnier, das 2019 zum dritten Mal stattfindet, bringt diverse Probleme mit sich. Eigentlich ist die Teilnahme ein Privileg für die sechs Mannschaften, die in der Frühlingssaison hervorstachen. Einen wirklichen Anreiz gibt es aber nicht. Denn: Der Titelgewinn ist schlichtweg nichts wert. Ein Turnier ohne Best-of-Serien und geringer Vorbereitungszeit erlaubt den Teams nicht, ihr wahres Können zu zeigen. Die 20.000 US-Dollar Preisgeld, die alle drei Organisationen der siegreichen Region erhalten, sind zudem irrelevant - zu gering ist die Summe für Spieler, die zum Teil schon eine Million US-Dollar im Jahr verdienen.

Von einer erbitterten Rivalität kann ebenfalls nicht die Rede sein. Zum einen bestehen die nordamerikanischen Teams zu einem Drittel aus Europäern, zum anderen würden LEC-Teams wie G2 Esports und Fnatic wohl viel lieber gegeneinander antreten. Dass der Champion am Ende Europa oder Nordamerika heißt und nicht etwa Team Liquid, Cloud9 oder G2 Esports, macht es nicht besser. Übrig bleiben im Prinzip also nur die Unterhaltung der Fans und private Fehden, wie die von Origens Support-Spieler Alfonso 'mithy' Rodriguez. Der Spanier will es seiner alten Mannschaft, Team SoloMid, gerne heimzahlen, nachdem die ihn Ende 2018 rauswarf.

Schlechtes Timing

Als wäre das alles nicht schon schlimm genug, ist der Zeitpunkt des Turniers schlecht gewählt. Rift Rivals findet vom 27. bis zum 30. Juni statt und fällt somit mitten in die reguläre Saison von LEC und LCS. Während der Rest der Liga also weiter trainiert und regeneriert, müssen sich die teilnehmenden Mannschaften für ein unbedeutendes Turnier auf völlig andere Gegner vorbereiten. Zudem müssen die Vertreter der Gastregion, dieses Jahr Europa, einmal den Atlantik überqueren, nur um knapp eine Woche später zurückzufliegen - Reisestrapazen und Jetlag vorprogrammiert.

Um den Beschwerden der Profis aus dem Vorjahr beizukommen, gewährt Riot den europäischen Teams dieses Jahr zwar eine zusätzliche Woche Pause nach der Rückkehr. Das verschiebt das Saisonende allerdings nur noch weiter nach hinten und schmälert somit die Regenerationszeit vor Worlds. Eine optimale Lösung ist das also keinesfalls. Oder, um es mit den Worten von G2 Esports Starspieler Luka 'Perkz' Perkovic zusammenzufassen: "Dieses Turnier hat keinen Platz in so einer vollen Saison. Dass wir dafür nach Amerika fliegen müssen, macht es nur noch schlimmer."

Christian Mittweg

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