Neue Vertiefung in Studiengang

Mittweida macht's möglich - eSport ohne Gebühren studieren

In Mittweida wird Praxis großgeschrieben. Studenten organisieren eigene Events und bedienen die Technik.

In Mittweida wird Praxis großgeschrieben. Studenten organisieren eigene Events und bedienen die Technik. HS Mittweida

Wer nach Mittweida in Sachsen will, der braucht etwas Zeit. Denn die kleine Stadt in der Nähe von Chemnitz liegt etwas ab vom Schuss. Aber sie bietet etwas Besonderes: Hier steht eine der renommiertesten Medienhochschulen Deutschlands. Und seit diesem Semester kann man dort eSport studieren. Die ersten sind die Sachsen damit nicht, schon vor Monaten legte die HAM in München einen ganzen Studiengang zum eSport auf. Der kostet allerdings 15.000 Euro. Im Erzgebirge ist das anders, die HS ist in staatlicher Trägerschaft und hat noch einen weiteren Vorteil: "Mittweida ist gerade mit studentischem Budget eine Stadt, die man sich leisten kann", sagt Axel Dietze, Mitverantwortlicher der neuen Vertiefung, "Hier kriegt man eine schöne Wohnung für unter 300 Euro. In München sieht das schon anders aus."

Grundlage Medienmanagement

Der Ansatz der Sachsen ist ein anderer als der der HAM. Hier liegt die Fachrichtung "Medienmanagement" zugrunde. Der Hauptstudiengang wird nach drei Semestern spezialisiert. Dann lernen die Studenten zum Beispiel über "Games und eSport-Management" oder "eSport & Events". Medienmanagement ist in Mittweida ein seit vielen Jahren etablierter Studiengang, damit ist gewährleistet, dass jungen Leuten hier genau das Handwerkzeug gegeben wird, dass sie für später brauchen. "Wir legen den Fokus auf die Entwicklung von digitalen Geschäftsmodellen", erklärt Dietze. Insgesamt beschäftige man sich in der Vertiefung besonders mit der medialen Verwertbarkeit von eSport. Also all dem, dass um die Zocker passiert.

Vertiefung soll klein bleiben

Sieben Studenten konnte er aus den bereits laufenden Studiengängen rekrutieren, zum Wintersemester können sich erstmals Interessierte für "eSports and Games Marketing" als Vertiefung entscheiden. Die Fachrichtung soll klein bleiben, Dietze peilt nur 20 Studenten an. "Das Optimum sind zehn. Mit denen kann man noch in einem kleinen Team arbeiten. Wir sind aber auch durchaus darauf vorbereitet, eine größere Gruppe zu betreuen." Mittweida kokettiert gerne mit seiner Kleinheit. In der Stadt leben 15.000 Menschen, der Campus hat 6.000 eingeschriebene Studenten. Die ganze Hochschule sei sehr familiär, sagt Dietze. Hier wäre den Professoren und Dozenten daran gelegen, dass die Studenten ihr Studium auch packten.

Vertiefung im Aufbau

Neben der kleinen Fachrichtung punktet der Studienstandort im Osten besonders mit der Praxisbezogenheit. In Mittweida wendet man an, was man lernt. Dietze will ein professionell geführtes eSport-Team aus der Studentenschaft rekrutieren, dass in Riots League of Legends-Hochschulliga antritt. Der Vertiefung soll dieses dann betreuen. Dafür holt er sich Fachleute aus der Wirtschaft, wie zum Beispiel den ehemaligen Markenmanager von Team Liquid, Christoph Timm. Für die Lehre hat Dietze bisher aber noch niemanden, der bereits im eSport gearbeitet hat, und das scheint der größte Negativpunkt zu sein. Drei Professoren betreuen die Spezialisierung, einer davon hat schon intensiv zu eSport geforscht, Praxiserfahrung hat keiner. Dietze will das auffangen: "Wir holen uns aber entsprechende Partner, die wir als Dozenten für verschiedene Einheiten verpflichten werden."

Studenten sollen bestens vorbereitet werden

Die Studenten lernen viele Grundlagen und allgemeine Fähigkeiten, sie sollen hinterher breit aufgestellt sein. Zum Beispiel auch in Gamedesign, die Theorie darüber, wie man Spiele entwickelt. Warum, erklärt Dietze: "Wenn man versucht, mit einem Unwissen über die Spielekultur oder Videospiele Marketing zu betreiben, fährt man ganz schnell gegen eine Wand." Recht und BWL deckt der Studiengang ebenso ab.

Haus 1 der Hochschule sieht urig aus. Hier angestrahlt für ein Event. Nichtsdestotrotz beherbergt die HS modernste Technik.

Haus 1 der Hochschule sieht urig aus. Hier angestrahlt für ein Event. Nichtsdestotrotz beherbergt die HS modernste Technik. HS Mittweida

Zusätzlich zum praktischen Ansatz sind Dietze und der Hochschule etwas wichtig, das für Absolventen Gold wert ist: "Wenn die Studenten hier rausgehen, sollen sie auf die Realität in der Wirtschaft bestens vorbereitet sein." Angestrebt sind besonders vier Bereiche, in denen die Absolventen arbeiten sollen: Sponsorenmanager für ein Team, Eventmanager für Mannschaften oder Veranstalter, PR-Berater für Einzelpersonen oder in Teams und Marketingmanager für Teams.

Fazit

Mittweida ist etabliert und eine der renommiertesten Medienhochschulen Deutschlands. Durch die staatliche Trägerschaft und Kooperationen mit privaten Akademien sind finanzielle Mittel reichhaltig vorhanden. Die Uni hat zum Beispiel einen eigenen UKW-Sender und mehrere Fernsehstudios. Der Praxisbezug bereitet Studenten gut auf einen Einsatz nach dem Studium vor. Auch das Konzept für den Studiengang wirkt durchdacht.

Nachteilig könnte sich zunächst die Neuheit der Vertiefung erweisen, gerade da die Professoren keine praktische Erfahrung im eSport haben. Und natürlich muss sich bei einem ganz neuen Studiengang auch zeigen, wie gut und gefragt die Absolventen dann wirklich für Teams oder Organisationen sind. Ebenso sollten Interessenten mit der Kleinstadtatmosphäre und dem familiären Studiengang umgehen können.

Möchte man jedoch "was mit Medien" studieren und später Sponsoren oder Events von eSport-Unternehmen managen, kann das Studium in Mittweida uneingeschränkt empfohlen werden. Wären da nicht die fehlenden Creditpoints: Für sechs Semester Bachelor gibt es 180 Creditpoints, für diverse Master benötigt man aber mehr und muss Aufbaukurse absolvieren. Optional bleibt man in Mittweida, dann entfällt das Problem.

Holm Kräusche

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