Problemfelder und Zukunftspläne

Umbruch: So steht es um die ESL Meisterschaft

ESL Meisterschaft

Gezwungen zum Umdenken? In der ESL Meisterschaft wird sich zukünftig eine Menge ändern. ESL|Stephanie Lieske

Seit 17 Jahren veranstaltet die ESL das Turnier in Deutschland auf Konsole und PC. Doch wie steht es um die Liga? Auf die Frage, wie zufrieden man aktuell mit der Veranstaltung sei, gab Produkt Manager Christoph Kohlhaas eine eindeutige Antwort: "Die vergangenen Seasons und Finalspiele in Oldenburg und Düsseldorf waren sehr erfolgreich. Nach der versprochenen Ausrichtung auf das gesamte Bundesgebiet haben wir sehr positives Feedback von Spielern, Fans und Partnern bekommen und freuen uns darüber, wie gut unsere Liga angenommen wird."

Wo sind die Zuschauer?

Kohlhaas Worte wirken überraschend positiv. In League of Legends kämpft die Liga jedoch mit einem Problem: Zuschauerschwund. Während in der Frühlingssaison durchschnittlich 6.000 bis 7.000 Personen auf dem Hauptkanal einschalteten, liegen die Zahlen dieser Spielzeit eher bei 2.500. Ein großer Unterschied, den sich Kohlhaas wie folgt erklärt: "Der Wegfall einiger bekannter Größen hat natürlich einen Zuschauerschwund zur Folge. Die neuen Spieler müssen zunächst ihre Marke um sich herum aufbauen und sich in die Herzen der Zuschauer spielen." Wie wichtig bekannte Spieler sind, zeigt der ehemalige Euronics Gaming-Midlaner Frederik 'Noway4u' Hinteregger. An Spieltagen kommt er mit seinem privaten Stream teilweise auf die vierfache Zuschauermenge von der ESLM, obwohl diese so hochklassig aufgestellt ist, wie nie zuvor. Man wolle nun zusammen mit den Teams Hintergrundgeschichten aufbauen und dadurch neues Interesse wecken, so Kohlhaas.

Das klingt nach einem guten Plan. Es ist jedoch fraglich, wie viel Geld und Arbeitszeit die ESL investieren möchte, denn 2020 verlässt League of Legends nach neun Jahren die ESL Meisterschaft. Riot Games wird eine eigene exklusive Spielklasse für den deutschsprachigen Raum starten. Somit bleibt nur Counter-Strike als letzte große Säule der Liga. Da League of Legends bald wegfällt, ist es kein Wunder, dass sich das Unternehmen nach einer neuen Disziplin umsieht. Bekannt ist diese noch nicht. Erste Hinweise zeigen jedoch, dass eine ganz neue Richtung eingeschlagen wird.

Fokus auf Nachwuchsarbeit

Die Abhängigkeit der Investoren macht sich auch in diesem Punkt bemerkbar. Neue Formate sollen dafür sorgen, dass die Aufmerksamkeit breiter gestreut ist und den Nachwuchs in den Mittelpunkt rücken. Möglich ist das nur durch langfristige Partner und Sponsoren, denn noch generieren die unteren Divisionen wenig Interesse. Die finanziellen Mittel sind genau für solche Zwecke da und Kohlhaas gibt klar die Richtung vor. Auch in Zukunft soll weiter in die Liga investiert werden. Man möchte sich nicht auf alten Erfolgen ausruhen, sondern mit neuen Formaten experimentieren und sich selbst verbessern. Wie genau das aussehen wird, ist noch nicht bekannt. Fest steht aber auch, dass es nicht einfach wird. FIFA und EA haben sich zurückgezogen, nachdem die Turniere immer schwächer umgesetzt wurden und der Entwickler die Hoheit bei sich haben wollte. Blizzard ist schon längst mit eigenen Produktionen unterwegs und neue Turniere zu etablieren ist schwer. Mit dem anstehenden Umbruch bei den Disziplinen ist eines somit klar: Die ESL muss liefern.