Überraschungsteam mit Wucht

Hagis Erbe(n): Rumänien fordert die DFB-Auswahl

Ianis Hagi

Lenker und Spielmacher mit großem Namen: Rumäniens Ianis Hagi. imago images

Es lief die 68. Spielminute im Spiel zwischen Rumänien und Frankreich, als Ianis Hagi noch einmal eindrucksvoll unter Beweis stellte, warum der Mittelfeldmann im Notizbuch des einen oder anderen Scouts aus den europäischen Top-Ligen steht. Kurz zuvor hatte Jean-Philippe Mateta auf der Gegenseite knapp das 1:0 für Frankreich verpasst - der Stürmer von Mainz 05 erwischte eine Flanke um Haaresbreite nicht - da landete die Kugel bei Rumäniens Nummer 10 auf dem linken Flügel. Von der vorausgegangenen Szene und dem kurzzeitigen Chaos auf dem Platz ungerührt, sah der Spielmacher, dass George Puscas nach vorne gesprintet war und schlug einen punktgenauen Pass in den Lauf des Stürmers. Zwar versprang diesem freistehend vor Frankreichs Keeper Paul Bernardoni der Ball bei der Annahme, doch Hagi sammelte einmal mehr Argumente, warum die deutsche U 21 vor allem ihn im kommenden Halbfinal-Duell am Donnerstag (18 Uhr, LIVE! bei kicker.de) im Blick behalten sollte.

Hagis erster Schritt in Italien

Dem Sohn von Weltstar Gheorghe Hagi, einst im Trikot von Real Madrid, dem FC Barcelona und bei Galatasaray unter Vertrag, versprechen viele Beobachter eine goldene Zukunft, wenngleich der 20-Jährige aktuell "nur" beim rumänischen Erstligisten FC Viitorul unter Vertrag steht. Dort steht er zwar nicht im ganz großen Fokus, wird dafür aber von seinem Vater trainiert. Dass der 1,80 Meter große Regisseur jedoch unbestritten Potenzial für größere Aufgaben hat, ist kein Geheimnis. 2016 lockte ihn die AC Florenz nach Italien und sicherte sich im Januar 2018 bei Hagis Rückkehr nach Rumänien dem Vernehmen nach eine stattliche Beteiligung an einem künftigen Weiterverkauf. Champions-League-Halbfinalist Ajax Amsterdam gilt momentan als ein Interessent.

Der Publikumsliebling steht im Tor

Hagi, der auch Standards gefährlich schlagen kann, ist das Gesicht des rumänischen Überraschungsteams, das Kroatien (4:1) und England (4:2) zum Turnierauftakt deutlich schlug. Doch er ist nicht das einzige: Ionut Radu, der beim FC Genua unter Vertrag steht (33 Serie-A-Einsätze) und sich ganz besonders ausgelassen über den Halbfinal-Einzug freute, ist der Liebling der Fans und wird sogar mit eigenen Gesängen bedacht. Alexandru Pascanu - aufgrund einer drohenden Gelbsperre gegen Frankreich geschont - wurde bei Leicester City ausgebildet. Stürmer Puscas spielt für Palermo in der Serie B und erzielte in der abgelaufenen Saison neun Tore. Linksaußen Florinel Coman vom FCSB ist ein ständiger Unruheherd auf der Außenbahn.

Fans der Rumänen

Die Fans sind ein wichtiger Trumpf der rumänischen U 21. Getty Images

Auch wenn das Team trotzdem - und vor allem in der Breite - nicht an die Qualität der deutschen U-21-Auswahl herankommen dürfte, hat es vor allem einen wichtigen Trumpf in der Hinterhand: Die bedingungslose Unterstützung vieler angereister und der zahlreich in Italien lebenden Rumänen, die auch entscheidenden Anteil daran hatten, dass gegen Frankreich an ein von vielen erwartetes, langweiliges Ballgeschiebe nicht zu denken war.

Zwar stand am Ende tatsächlich ein 0:0, was sowohl die Tricolorii als auch die Equipe Tricolore für das Halbfinale qualifizierte und Italien den befürchteten "Biscotto" bescherte. Doch dem Schlusspfiff waren 90 rasante Minuten mit vielen Zweikämpfen und frühem Pressing der Rumänen vorausgegangen. Die laute Unterstützung der Fans wandelt das vom 38-jährigen Mirel Radoi trainierte Team in viel Wucht um - mit der es auch dem deutschen Team am Donnerstag in Bologna Probleme bereiten will.

pau