Noch einige Monate Beta

Valves unfertiges Auto Chess: Dota Underlords im Beta-Test

Valve veröffentlicht sein eigenes Auto Chess und schickt es in die Open Beta.

Valve veröffentlicht sein eigenes Auto Chess und schickt es in die Open Beta. Valve/kicker eSport

In nur sieben Monaten hat es eine simple Dota-2-Modifikation erst vom globalen Trend und nun zum neuen Genre geschafft. Millionen Spieler weltweit sind in den vier Auto Chess-Spielen aktiv. Am 21. Juni hat Valve seine Version für die breite Öffentlichkeit freigegeben. "Dota Underlords" ist in die Open Beta gegangen, jeder kann also das unfertige Game testen und Feedback geben. Valve will auf Basis dessen das Spiel Stück für Stück weiter entwickeln. Das soll noch "einige Monate" dauern - und das bekommt der Spieler gleich im ersten Bildschirm mitgeteilt.

Damit stapelt Valve keinesfalls tief. Underlords ist ein funktionierendes Spiel mit den "wichtigsten Funktionen des bekannten Gameplays" laut Entwickler, aber definitiv noch unfertig. Das Tutorial friert am Ende einfach ein, die App-Version ist aufgrund von Rucklern unspielbar, das Rankingsystem unauffindbar und ausbalanciert ist das Ganze noch lange nicht. Aber es ist ja auch erst eine Beta. Valve zielt ganz klar auf alle Spieler ab, die bisher in der Mod aktiv waren und die nicht in die Smartphone App von Drodo wechseln wollten. Die ist, nebenbei bemerkt, bereits fertig, fehlerfrei spielfähig und in ihrer ersten Saison.

Spielprinzip bleibt erhalten

Underlords orientiert sich nah an der Vorlage, übernimmt Items und Spielfiguren, fügt aber vom Start weg auch Neues hinzu. Dies Spielprinzip bleibt gleich: Jeder der acht Teilnehmer erwirbt Figuren, stellt sie auf ein Schachbrett und sieht zu, wie sie sich mit der Armee eines Gegners duellieren. Das Ziel ist es, gleiche Helden zu kombinieren und starke Kombinationen aufzustellen, um in jeder Runde siegreich vom Platz zu gehen. Wer verliert, bekommt Lebenspunkte abgezogen - erreichen die Null, ist das Spiel vorbei. Underlords deutscht die Dota Helden ein und verändert teilweise die Namen der Rassen und Klassen der Figuren. Auch an deren Effekten baut Valve: Druiden und Ritter haben gänzlich neue Boni im Vergleich zum originalen Auto Chess bekommen.

Gute Neuerungen

Underlords spielt sich flüssig (auf dem PC), ist ansprechend animiert und punktet mit einigen sinnvollen Veränderungen. So melden sich die Einheiten mit einem lauten "Psst", wenn der Spieler vergisst, ausreichend von ihnen aufs Feld zu stellen. Hat man drei gleiche Figuren, werden diese ohne Zutun des Spielers kombiniert. Auch die Schadensübersichten sind deutlich aufgepeppt und helfen bei der Einschätzung davon, welche Helden besondere Leistungen bringen.

Die größte und wichtigste Neuerung ist allerdings das Gegenstandssystem. Während einer Partie gibt es immer wieder Runden, in denen gegen neutrale Monster gespielt wird. Werden sie geschlagen, bekommt der Spieler Items. Bisher hing es vom Glück ab, ob man überhaupt einen Gegenstand bekam, nun gibt es nach jeder gewonnenen Monsterrunde definitiv einen. Die Items lassen sich jederzeit verschieben, allerdings kann jede Figur nur noch eines tragen.

Visuelles Feuerwerk sorgt für Probleme

Neu sind die "Globalen Gegenstände". Das sind eigentlich Fertigkeiten, die auf das gesamte Team oder den Spieler wirken. Zum Beispiel explodieren alle Helden einer bestimmten Klasse nach ihrem Tod und verursachen dann noch einmal Schaden. Darauf kann die eigene Strategie eingestellt werden.

Wuselfeld: Durch die beschleunigten Kämpfe und aufwendigen Animationen kann es allerdings unübersichtlich werden.

Wuselfeld: Durch die beschleunigten Kämpfe und aufwendigen Animationen kann es allerdings unübersichtlich werden. Valve/kicker eSport

In Valves Version gibt es ein ausführliches Tutorial und die Möglichkeit gegen den Computer zu spielen. Das ist gut und sollte Einsteigern das Spiel deutlich erleichtern. Von Nachteil ist die Unübersichtlichkeit gerade in späteren Kämpfen. Soviel wie da blitzt, explodiert, verschwindet, und umherläuft, ist es schwer, der Action zu folgen. Das wird auch der Hauptgrund für das Versagen als App sein, die Prozessoren gehen bei so viel Feuerwerk in die Knie. Übersicht ist in Auto Chess-Spielen allerdings das Kernelement und um abzuschätzen, warum der Gegner nun gewonnen hat, wird auch für Mod-Veteranen etwas Übung benötigen. Vorteil des Gewusels: Alles läuft schneller als in Auto Chess - damit spart Valve Zeit ein und die Runden dauern kürzer.

Fazit

Wir können Underlords allen Auto Chess-Spielern empfehlen. Das Spielprinzip ist erprobt, Valve streut einige sinnvolle Neuerungen ein und liefert ein grundsolides Game ab. Noch steckt das jedoch in der Beta und das wird auch deutlich. Allerdings arbeitet Valve an der Verbesserung und bringt nahezu täglich Updates. Von der App sollte man erst mal die Finger lassen, bis der Entwickler die Probleme behoben hat.

Underlords richtet sich klar an PC-Spieler - wer mit einer Smartphone-Version klarkommt und lieber ein fertiges und für mobile optimiertes Spiel erleben möchte, ist mit Drodos Auto Chess derzeit besser beraten. Lange wird dieser Vorsprung mutmaßlich aber nicht halten. Und zusätzlich macht Riot schon am 25. Juni die League of Legends-Variante öffentlich. Der Dreikampf wird dann allen drei Spielen zugutekommen.

Holm Kräusche

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Dota Underlords - So sieht das Spiel aus