Frauen im eSport

Jessica Bolden: Vom Outback zum eSport-Star

Die junge Australierin Jessica Bolden soll es für PENTA Sports richten.

Die junge Australierin Jessica Bolden soll es für PENTA Sports richten. kicker eSport

"Mein Deutsch ist noch nicht so gut" sagt Jessica 'Jess' Bolden lachend zur Begrüßung. Aus dem australischen Outback ist sie erst vor Kurzem nach Berlin gezogen. Dort arbeitet sie als Trainerin für eine der größten eSport-Organisationen Europas: PENTA Sports. Mit gerade einmal 23 Jahren zählt sie zu den jüngsten eSport-Coaches der Branche.

Stressige Anfangszeit

'Jess' ist eine Vollblut-Zockerin. Ursprünglich spielte sie gemeinsam mit Freunden Call of Duty, bevor sie zu Rainbow Six Siege wechselte und dort den eSport für sich entdeckte. Als Spielführerin trat sie mit Ihrem Team in der Challenger League der Asien-Pazifik-Region an. Eine sehr stressige Zeit, wie sich erinnert: "Damals studierte ich Kriminologie und Recht und bekam das Angebot, an einer Universität zu unterrichten. Eine gute Chance für jemanden in meinem Alter, aber auch etwas beängstigend", sagt sie und spricht wieder Englisch. "Also unterrichtete ich dann tagsüber und in der Nacht spielte ich Rainbow Six mit meinem Team. 12-16 Stunden jeden Tag, absolut verrückt".

Um das Team durch ihre langen Arbeitszeiten nicht zu gefährden, trat 'Jess' in den Hintergrund zurück und wurde Auswechselspielerin. "Kein Spieler will wirklich Auswechsler sein. Doch genau zu dieser Zeit sah ich, dass PENTA einen Analysten suchte. Ich dachte mir: Ich schreibe einfach eine Bewerbung, was soll's! Von diesem Punkt an ist die Situation ziemlich schnell eskaliert", erinnert sie sich. Vor allem das psychologische Training aus dem Studium kam ihr zugute. Das gefiel anscheinend auch PENTA gut, sodass sie Bolden zur Trainerin für das Rainbow Six Siege Profi-Team ernannten.

Viel Strategie

Die Aufgaben eines Coaches sind in Rainbow Six mannigfaltig: "Wir haben zwei Trainingseinheiten am Tag, die koordiniert werden müssen. Zwischendurch gibt es Meetings, vor allem mentale und strategische Trainingseinheiten. Dazu kommt für mich noch viel Büroarbeit und die strategische Analyse. Außerdem kümmere ich mich um die Planung und den Kalender."

Für die Fan-Gemeinschaft von Rainbow Six Siege ist 'Jess' schon lange ein Star. Auf Events trifft man sie meistens umringt von Fans und mit einem breiten Lächeln im Gesicht. In ihrem orange-schwarzen PENTA-Trikot und ist sie schwer zu übersehen. Auch das weiße Basecap ist mittlerweile schon zu einem Markenzeichen geworden. Auf Twitch streamt sie regelmäßig ihre Matches und analysiert Spielzüge und Pro-League-Begegnungen gemeinsam mit ihren Zuschauern.

Was die Zukunft bereithält

"Ich glaube, eSports ist das Richtige für den Moment," sagt 'Jess'. "Es ist ein sehr stressiger Job. Wer weiß, vielleicht werde ich in ferner Zukunft eine Pause vom eSport nehmen und zurück in die Kriminologie gehen. Erst mal werde ich ein paar Jahre bleiben und dann sehen, wie es läuft."

Eines ist sicher: In den nächsten Jahren werden Fans der Rainbow Six Pro League noch häufig von Jessica Bolden und ihrer Arbeit hören. Die Trainerin gibt sich kämpferisch: "Wir haben am Ende der letzten Saison bewiesen, dass wir große Gegner regelmäßig schlagen können. Ich glaube, dass eine Menge Profi-Teams viel Angst vor uns haben sollten."

Constantin Krüger

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