Liga verabschiedet Reform, Auge auf den DFB

Seifert: starker Mann noch stärker

Christian Seifert

DFL-Geschäftsführer Christian Seifert erhält als zukünftiger Sprecher des Präsidiums zusätzliche Kompetenzen. picture alliance

Denn künftig wird es Rauballs Amt nicht mehr geben, der DFL-Geschäftsführer Seifert wird stattdessen wie erwartet Sprecher des Präsidiums - und in der Außenwahrnehmung damit noch einmal einflussreicher, als es der 50-Jährige bereits ist. Sowohl Rauball als auch der 2. Vize-Präsident Helmut Hack (Greuther Fürth) hören bei der turnusmäßigen Generalsversammlung am 21. August in Berlin auf. Im Zuge dieser Personalrochade wollte sich die Liga eine neue Struktur geben. Angestoßen durch Rauball selbst, was Seifert mit einem Seitenhieb auf FIFA und Co. lobte: "Das ist wahrlich keine Selbstverständlichkeit, wenn wir auf die Verbände weltweit blicken."

Der Präsident von Borussia Dortmund verwies auf die Entwicklungen im Geschäft Fußball und damit verbunden nötige Reformen, beispielsweise die operative Verantwortung und Kommunikation nach außen in einer Hand, also künftig bei Sprecher Seifert. Zudem sollen Teilversammlungen der Bundesliga und 2. Liga statuarisch verankert werden und zweimal pro Saison stattfinden. Aus diesen kommen je zwei Vertreter in den Lizenzierungsausschuss, zudem wählt die Mitgliederversammlung den Vorsitzenden und dessen Stellvertreter für dieses wichtige Gremium, das sich personell bislang aus dem Präsidium heraus zusammensetzte. Dazu kommt - wie bisher auch - ein Wirtschaftsprüfer. Zudem erhält die Mitgliederversammlung künftig ein Veto-Recht mit Zweidrittel-Mehrheit für Verträge ab 100 Millionen Euro pro Jahr; bislang musste sie Kontrakten ab einem Wert von 30 Mio. Euro zustimmen.

Kein Ende der Reform - Nächste Schritte zur Generalversammlung 2022

Das Ende der Reform ist dies allerdings noch nicht, erklärte Seifert erwartungsgemäß, spätestens zur Generalversammlung 2022 folgen die nächsten Schritte, die die Doppelstruktur e.V. und GmbH, die weiter von einem Aufsichtsrat kontrolliert wird, nötig macht. Rauball verwies auf dafür nötige "umfassende rechtliche, vielleicht auch steuerrechtliche Beratungen". Zuvor aber hat Seifert vier klare Schwerpunkte auf dem Zettel: "Die Themen sind vorgezeichnet." Nämlich die Reform der europäischen Wettbewerbe (Seifert: "Wir stehen keiner Reform im Wege, wollen diese aber mitgestalten und glauben, dass die bisher vorgestellten Vorschläge nicht zielführend sind.") Das "aktive Einbringen im Hause DFB", insbesondere mit Blick auf die Suche nach einem neuen Präsidenten. Rainer Koch, der dem DFB derzeit mit Rauball kommissarisch vorsteht, hatte der Liga den Fahrplan vorgestellt. Nun wird diskutiert, die Vorschlagsfrist bis Ende August auszuweiten, um mit der Liga nach deren Tagung am 21. August einen gemeinsamen Kandidaten zu unterbreiten. Seifert wirbt in dieser Frage für Gelassenheit: "Das ist eine wichtige Position, aber nicht die schwierigste Personalie Deutschlands." Insgesamt soll sich der deutsche Fußball wieder stärker in internationalen Allianzen positionieren, wie es zuletzt bei der Europapokalreform gelang. Auch hier also wird der starke Mann Seifert noch ein bisschen stärker im Vergleich zum zuletzt durch die Affäre Grindel durchgeschüttelten DFB.

Für den Manager steht in der Folge die Vergabe der internationalen Medienrechte auf der Agenda und mit dem Ende des ersten oder dem Anfang des zweiten Quartals 2020 der größte Geldbringer des deutschen Profifußballs, die nationalen Medienrechte. Über deren Erlösverteilung entscheidet übrigens weiter das Präsidium, dessen Zuschnitt sich nicht verändert.

Benni Hofmann