Kommentar zur Vertragsverlängerung des BVB-Trainers

Weiter mit Favre - aber kein "Weiter so"!

Lucien Favre

Bleibt ein zusätzliches Jahr: BVB-Trainer Lucien Favre. imago images

Bis 2021 wurde Favres Arbeitspapier ausgedehnt, ein zusätzliches Jahr spendieren ihm die Bosse, das ist angemessen und vernünftig angesichts dessen, was der detailfreudige Schweizer bislang in Dortmund geleistet hat. Dass Favres Arbeitspapier frühzeitig ausgedehnt wird, konnte niemanden mehr überraschen. Ohne eine Klärung dieser Personalie in die neue Saison zu gehen, hatten die Verantwortlichen immer ausgeschlossen.

Also weiter mit Favre, der im boulevardesken Teil der Öffentlichkeit schon laut und dröhnend angezählt worden war, als sich der Verlust der Meisterschale abzeichnete. Weiter mit dem 61-Jährigen, der Borussia Dortmund nach chaotischem Vorjahr stabilisierte und den neuen Kurs programmierte, mit dem die Westfalen zu einem sehenswerten Höhenflug ansetzten. Favre hat, da mag man Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke gar nicht widersprechen, "mehr geliefert als erwartet".

Mit einem plakativen "Weiter so" ist es in Dortmund trotzdem nicht getan. Entwicklung, eine der Lieblingsvokabeln rund um den Borsigplatz, sollte auch vor Favre nicht Halt machen. Entwicklung bei Ansprache und taktischer Flexibilität, Entwicklung beim Coaching während der Spiele und eine Entwicklung - man wird ja auch träumen dürfen - zu etwas mehr Risiko bei der strategischen Ausrichtung seiner Elf. Die Ruhe und Besonnenheit, die Favre davor bewahrte, in der kritischsten Saisonphase im Februar/März in Hektik und Aktionismus zu verfallen, darf er sich gern bewahren. Und menschlich, so ist überall zu hören, sei dieser Fußballlehrer ohnehin "Champions League".

Von Favre jetzt noch mehr Temperament und Emotionen zu erwarten, wird immer ein frommer Wunsch bleiben. Eher bringt man eine Plakatsäule zum Marschieren als diesen grüblerischen Trainer dazu, an der Linie mehr Leben zu entwickeln. Dafür müsste er sein Naturell komplett verleugnen. Favre wäre auch nicht mehr Favre, wenn er sich auf Geheiß von oben in seiner Coaching Zone in einen Vulkan verwandeln müsste.

Thomas Hennecke

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