Ex-UEFA-Boss wird vernommen

Korruptions-Untersuchungen: Platini in Polizeigewahrsam

Michel Platini

In Polizeigewahrsam: Michel Platini. imago images

Anfang Juni ätzte Michel Platini noch gegen FIFA-Präsident Gianni Infantino und brachte sich damit selbst wieder ins Gespräch - nun steht der Franzose ungewollt im Mittelpunkt. Es geht mal wieder um die umstrittene WM-Vergabe an Katar.

Nach Informationen der Zeitung Le Monde soll sich der derzeit für alle Fußballaktivitäten gesperrte Platini wegen eines Treffens mit dem damaligen französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy, Tamim Bin Hamad Al Thani, Emir von Katar, und Hamad Ben Jassem, damaliger Premierminister Katars, verantworten. Bei einem Mittagessen am 23. November 2010 im Elysee-Palast in Paris sollen Absprachen über die WM-Vergabe nach Katar getroffen worden sein. Katar sollte den französischen Klub Paris St. Germain kaufen, im Gegenzug würde Platini seine Kontakte spielen lassen und für Stimmen bei der WM-Vergabe werben.

Thema

Die WM wurde im Jahr 2010 tatsächlich an Katar vergeben, gleichzeitig Russland als WM-Gastgeber 2018 auserkoren. 2011 kaufte sich Katar bei PSG ein. Im Zusammenhang mit den WM-Vergaben wurden immer wieder Korruptionsvorwürfe laut. Viele Mitglieder des FIFA-Exekutivkomitees, das 2010 die Entscheidung pro Russland und Katar traf, sind mittlerweile von der Ethikkommission der FIFA gesperrt worden.

Platini weist Vorwürfe zurück

Platini wies am Dienstag die Vorwürfe zurück. Er habe sich "nichts vorzuwerfen", ließ der bald 64-Jährige über seinen Berater mitteilen und betonte, dass es sich nicht um eine Verhaftung gehandelt habe. Platini habe alle Fragen beantwortet. "Er ist absolut zuversichtlich, was den Rest betrifft", heißt es weiter.

Der früherer Weltklasse-Spieler ist bereits seit Jahren aus der Fußballwelt verbannt. Platini wurde von der FIFA-Ethikkommission 2015 zunächst für acht Jahre für alle Fußball-Aktivitäten gesperrt - die Strafe wurde aber später auf vier Jahre reduziert.

Grund war eine dubiose Zahlung von zwei Millionen Schweizer Franken, die er 2011 von Blatter erhalten hatte. Laut Blatter und Platini handelte es sich um eine verspätete Honorarzahlung für Platinis FIFA-Arbeit in den Jahren 1998 bis 2002.

Weitere Personen wurden vernommen

Wie französische Medien weiter berichteten, nahmen die Anti-Korruptions-Ermittler auch eine frühere Sport-Beraterin von Sarkozy in einem Pariser Vorort in Gewahrsam. Angehört wurde demnach auch der frühere Élysée-Generalsekretär Claude Guéant, der unter Sarkozy diente.

Der frühere Spitzenbeamte Guéant habe sich aber weiter frei bewegen können und sei nicht in Gewahrsam genommen worden. Der Polizeigewahrsam ist bei Anhörungen von Ermittlern bei Finanzuntersuchungen in Frankreich keine Seltenheit.

Platini-Sperre läuft im Oktober aus

Platini galt vor seiner Sperre als Favorit auf die Nachfolge von Blatter als FIFA-Präsident. Nach seinem Ausschluss setzte sich überraschend sein ehemaliger enger Vertrauter Infantino bei der Wahl zum Weltverbands-Boss durch.

Platinis Sperre läuft im Oktober 2019 aus. Ob der ehemalige Weltklasse-Spieler wieder in die Sportfunktionärswelt zurückkehren kann, ist nun offener denn je.

kon/sid/dpa

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