Legende der Giallorossi ist verärgert über Vereinsführung

Großer Knall in der "Ewigen Stadt": Totti verlässt die Roma

Francesco Totti (links) und Daniele de Rossi

Schwere Zeiten bei der Roma - und große Enttäuschung bei Francesco Totti (links) und Daniele de Rossi. imago images

Hatte die AS Roma vergangenes Jahr noch im Champions-League-Halbfinale gestanden (Aus gegen Liverpool) und hatte sich in der Serie A erneut für die Champions League qualifiziert, so liegt ein gutes Jahr später viel in Trümmern in der italienischen Hauptstadt.

Die Europa-League-Teilnahme trotz arg durchwachsener Serie-A-Saison, die positive Entwicklung von Top-Talent, A-Nationalspieler und U-21-Star Nicolo Zaniolo sowie die vielversprechende Vorstellung von Neu-Coach Paulo Fonseca (Schachtar Donezk) waren eigentlich schon die einzigen positiven Dinge der letzten zwölf Monate.

Ansonsten aber herrscht aktuell wahrlich Land unter in der "Ewigen Stadt". Dauerthemen wie die zwischenzeitliche Entlassung des 2001er Meisterspielers Eusebio di Francesco, die Nicht-Vertragsverlängerung mit dem gebürtigen Römer sowie Klubikone Daniele de Rossi, die Streitigkeiten inklusive offenem Rundumschlag von AS-Präsident James Pallotta, der drohende Abschied von Top-Stürmer Edin Dzeko (Inter Mailand), die Verpflichtungen nur wenig bis nicht eingeschlagener Spieler wie Weltmeister Steven N'Zonzi, Javier Pastore oder Torwart Robin Olsen (am Ende stand der zuverlässige 35-jährige Keeper Antonio Mirante im Gehäuse) sowie das Nachtrauern hinter Torwart Alisson Becker (Liverpool) oder Radja Nainggolan (Inter) wühlen gerade die treuen Fans im Dauermodus auf. Kritik setzt es dabei gerade von den Ultras ständig - zumal obendrein sportlich das CL-Achtelfinal-Aus gegen den FC Porto folgte und es in der Coppa Italia im Viertelfinale die 1:7-Schmach in Florenz setzte.

Totti bleibt fern, ist sauer - und geht!

Nun hat ausgerechnet Francesco Totti, die römische Vereinslegende, der "Ewige Capitano", der "Re di Roma" (König von Rom), der Meister von 2001 und Weltmeister von 2006, dem Ganzen die Krone aufgesetzt. Der heute 42-Jährige, wie de Rossi in Rom geboren und den Giallorossi immer (!) treu geblieben, hat beinahe 30 Jahre bei seinem Klub verbracht - und sei laut etlicher Quellen wie der "Gazzetta dello Sport" mit dem Management des Bostoner US-Klubchefs James Pallotta nicht zufrieden. Zuletzt hatte Totti auch schon bei einer Sitzung des Managements durch Abwesenheit geglänzt, was bereits erste Spekulationen genährt hatte.

Und das wohl nur, weil ihm trotz öffentlicher Zusicherung nie mehr Einfluss im Management gewährt worden sei. Entscheidungen, ob neuer Coach oder neuer Sportchef, liefen ohne ihn ab. Totti sollte lediglich als "Grüßonkel" auf den offiziellen Präsentationen fungieren, fühlte sich an der Nase herumgeführt - und hegt sowieso eine Fehde mit Franco Baldini. Baldini war mal Mercato-Konsulent der Roma, arbeitete dann bei Real Madrid, um 2011 in die italienische Hauptstadt zurückzukehren. Er gilt in seinem Domizil London, wo er auch für Tottenham schon fungiert hat, als derzeit einflussreicher Strippenzieher im Pallotta-Kabinett. Und wenn missmutige Romanisti den Niedergang des Klubs erklären wollen, beschuldigen sie sie vor allem den "Ami aus Boston" und den "Typen da drüben in London".

Totti hat für den Moment genug von seiner Roma

Francesco Totti (links) und James Pallotta

Dem Vernehmen nach nicht die besten Freunde: Francesco Totti (links) und James Pallotta. imago images

Zwischen Baldini und Totti floss stets böses Blut, denn der Planer im Hintergrund verfolgte offenkundig stets den Plan, die Roma müsse zum Erfolg im verstrickten, hysterischen Umfeld strikt "entrömert" werden. Sprich: alle Bande mit Ur-Römern im Team kappen. Totti nannte er zum Amtsantritt außerdem einst "einen faulen Hund", da gab es schlauere Einstiege. Vor kurzem dann verklickerte Baldini der ehemaligen Nummer 10 offenbar: "Ich war für dein Karriereende verantwortlich."

"Der Tag ist sehr schmerzhaft"

Am Sonntag hatte Totti dann selbst eine Pressekonferenz angekündigt, die schließlich am Montag um 14 Uhr stieg. Dort verkündete der frühere Weltklasse-Angreifer (250 Tore für Rom in 619 Serie-A-Partien, neun Treffer in 59 Länderspielen für die Squadra Azzurra) sein Aus bei seiner Roma. "Ich habe eine Email geschrieben mit etwas, das eigentlich unvorstellbar war. Ich habe meinen Rücktritt mitgeteilt. Ich habe gehofft, dass es nicht notwendig ist, aber der schicksalhafte Tag ist gekommen, der sehr hässlich und schmerzhaft ist", sagte Totti am Montag auf der Pressekonferenz und ergänzte: "Die Eigentümerschaft hat mich nie in irgendwelche Entscheidungen involviert. Ich wurde aus allem herausgehalten."

Eine auch für Fußballromantiker traurige Nachricht. Denn Totti, am 27. September 1976 in Rom auf die Welt gekommen, kam 1989 mit zwölf Jahren zu den Giallorossi. Und nun im Jahr 2019? Da hat er den Klub offenbar vorerst satt. "Ich habe diese Entscheidung nach mehreren Monaten getroffen, es fühlt sich richtig an. Dieser Klub muss geliebt werden. Es sollten keine Pro-Totti-, Pro-Pallotta- oder Pro-Baldini-Fraktionen sein. Es sollen nur Roma-Fans da sein", forderte die Klub-Legende.

mag/oli

Capitano Totti: 40 Jahre, 20 Fakten, eine Legende