Point Guard in den Play-offs essenziell

Raptors am Ziel: Auch Lowry triumphiert

Keine reine One-Man-Show: Kyle Lowry (li.) und Kawhi Leonard waren nur zwei der Raptors-Titelgaranten.

Keine reine One-Man-Show: Kyle Lowry (li.) und Kawhi Leonard waren nur zwei der Raptors-Titelgaranten. Getty Images

Die Raptors standen in den letzten Jahren vor allen Dingen für den Backcourt um Lowry und Kumpel DeMar DeRozan. Lowry und DeRozan standen trotz starken Regular Seasons in den letzten Jahren vor allen Dingen aber für enttäuschendes Scheitern in den Play-offs. Weswegen sich die Franchise-Verantwortlichen im vergangenen Sommer schließlich dazu entschieden, das Duo aufzubrechen. Als DeRozan, ein bei den Fans beliebter Raptor mit Leib und Seele, vor der Saison für den kommenden Free Agent Kawhi Leonard getauscht wurde, sorgte das nicht nur bei Lowry für Unmut.

Nach dem Trade meldete sich Leonard bei Lowry

Wie Leonard nach dem Titelgewinn in der Nacht auf Freitag verriet, hatte er sich unmittelbar nach der Bekanntgabe des Trades via Textnachricht an Lowry gewandt: "Ich weiß, dass dein bester Freund gehen musste. Ich weiß, dass du schlecht drauf bist - aber lass uns das zusammen angehen." Ein knappes Jahr später sind beide - und mit ihnen ganz Toronto - am Ziel.

Dabei war es speziell für Lowry ein steiniger Weg: DeRozan ging, er blieb - konnte sein Manko aber auch 2018/19 nicht wirklich ablegen. Alles drehte sich um Leonard, Senkrechtstarter Pascal Siakam avancierte zur zweiten Option. Die Kritik an Lowry ließ nicht nach, im Gegenteil: In den Play-offs startete der Spielmacher mit null Punkten (!) bei der Auftaktniederlage in der ersten Runde gegen die Orlando Magic. Danach sollten sich die Dinge aber ändern, Lowry auf dem Weg zum ersten Titel der Franchise-Geschichte mit wertvollen Sequenzen, wenn seinen Mitstreitern nichts einfiel, zum Schlüsselspieler werden.

Dass er heute Nacht diese Trophäe in die Höhe recken darf, bedeutet uns allen viel.

Fred VanVleet über Kyle Lowry

Als er sich auf der Pressekonferenz nach dem entscheidenden Game 6 der Finals den Spaß erlaubte, Teamkollege Fred VanVleet zu interviewen, antwortete dieser - obwohl er nur gefragt wurde, wie es sich anfühle, ein Champion zu sein - ganz im Sinne des Fragestellers: "Ich wollte meinem Mitspieler Kyle Lowry helfen, für sein Vermächtnis. Er musste sich in den Play-offs mehr anhören als jeder andere Spieler der Liga. Dass er heute Nacht diese Trophäe in die Höhe recken darf, bedeutet uns allen viel."

Mehr noch als DeRozan, der mit den San Antonio Spurs in der ersten Runde der Play-offs scheiterte, war Lowry mit dem jahrelangen Post-Season-Scheitern der Kanadier in Verbindung gebracht worden. Teilweise war die Kritik extrem und unverhältnismäßig, häufig trafen Vorwürfe, der 1,85-Meter-Mann würde in den großen Momenten nicht liefern und abtauchen, aber auch ins Schwarze.

Gute, angeblich sogar beste Kumpels: DeMar DeRozan (li.) und Kyle Lowry für Team USA.

Gute, angeblich sogar beste Kumpels: DeMar DeRozan (li.) und Kyle Lowry für Team USA. Getty Images

2019, auch wenn ein möglicher Championship-Shot in Game 5 gegen die Golden State Warriors von Draymond Green geblockt worden war, überwogen dann Lowrys positive Momente. So auch in Game 6 der Finals, als ihm ein Blitzstart gelang, er ohne Fehlwurf die ersten elf Punkte der Raptors erzielte und seine Mannen auf die Siegerstraße führte.

Der entscheidende Korb

Beim Stand von 106:102 für Toronto - mit gut zwei Minuten verbleibender Spielzeit - gelang Lowry, von Stephen Curry verteidigt, im Rückwärtsfallen der wohl entscheidende Korb der Schlussphase. Auch VanVleet drehte im letzten Warriors-Spiel in der Geschichte der Oracle Arena - wo die Raptors in den Finals alle drei Spiele gewinnen konnten - zur richtigen Zeit auf. Um das zu tun, was er sich laut eigener Aussage für seinen Point Guard vorgenommen hatte. Mit den Kanadiern triumphierte auch das beste Gefüge.

Auch für den inzwischen 33-jährigen Lowry war es freilich eine große Freude, sich endlich Meister nennen zu dürfen. Mindestens ebenso groß dürfte aber die Erleichterung darüber gewesen sein, auch selbst einen unverzichtbaren Teil dazu beigetragen zu haben. "Die Kritiker", grinste Lowry hinterher mit sichtlicher Genugtuung, "werden sicherlich etwas Anderes finden, was sie bemängeln können. Aber das ist mir egal. Ich bin ein Champion."

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Schmerzen, Emotionen und der verdiente MVP