Cihan Yasarlar im Interview

"Ich muss selbstkritisch sein"

Cihan Yasarlar ist RB Leipzigs Star an der Konsole

Cihan Yasarlar ist RB Leipzigs Star an der Konsole. kicker eSport

Wie würdest du Deine bisherige Saison beschreiben? Was lief gut, was nicht?

Ich muss schon sagen, dass es ein Wellenbad der Gefühle war. Ich hatte echt gute Momente und habe teilweise stark performt, aber es gab immer wieder Tiefpunkte, die mich runtergezogen haben. Mit der VBL-Saison bin ich gar nicht zufrieden, aber mit dem 85er-Modus hatten auch andere Profis so ihre Mühen. Nichtsdestotrotz bin ich für die Global Series Playoffs qualifiziert, was ein großer Erfolg ist.

Einst gehörtest Du absoluten Weltspitze, dieses Jahr jedoch nicht. Was hat sich getan? Warum stehst Du aktuell nicht mehr ganz oben?

Das ist gar nicht so einfach zu beantworten, denn ich hatte oftmals das Gefühl, dass ich mehr hätte erreichen können und einige Situationen auch nicht gerade glücklich für mich gelaufen sind. Dennoch muss ich selbstkritisch sein und versuchen an den Details zu arbeiten, um wieder ganz oben mitzuspielen.

Viele Deiner Kollegen nennen das Spiel als Problem und auch Du beschwerst Dich immer wieder. Ist diese Ausrede nicht zu einfach?

Es soll keine Ausrede sein, denn wie erwähnt, weiß ich, dass es natürlich auch an mir liegt, wenn Dinge nicht so funktionieren, wie ich es gerne hätte. Jedoch ist es offensichtlich, dass viele Profis mit FIFA 19 nicht immer ganz glücklich waren. Ich glaube, es ist auch völlig legitim, dass man sowas dann äußert. Aber nochmal: Ausreden sollen das keine sein, nur Erklärungsansätze. Am Ende müssen wir alle damit umgehen und Lösungen finden.

Es kann nicht immer bergauf gehen, Täler gehören auch dazu.

Cihan Yasarlar

Wie gehst Du emotional damit um, dass in den Turnieren häufig schon früh Schluss ist und Du nicht an Deine vergangenen Erfolge anknüpfen kannst?

Das ist in den Momenten natürlich nicht einfach, da ich ja auch über meine Emotionalität komme und authentisch bin. Aber mit ein wenig Abstand kann ich alles dann schon ganz gut einordnen. Es gibt halt mal Phasen, die dich fordern. Aber gerade das ist wichtig, um besser zu werden, um daraus zu lernen. Es kann nicht immer bergauf gehen, Täler gehören auch dazu.

Auf der Global Series-Rangliste belegst Du aktuellen den 27. Rang der PlayStation. Spiegelt das Deine aktuelle Stärke wider oder wo siehst du Dich?

Das geht so schon in Ordnung. Weltweit auf Rang 27 zu stehen, ist ein gutes Ergebnis. Das heißt, es gibt noch Luft nach oben.

Im Juli warten die Playoffs auf Dich. Wie schätzt Du Deine Chancen auf die Top 16 und der damit verbundenen Teilnahme am FeWC ein?

Das wird natürlich schwierig, aber nicht unmöglich. Wenn ich an meine Leistungsgrenze komme und an den kleinen Stellschrauben drehe, dann habe ich auch dort meine Chancen. Ich bin mir bewusst, dass ich mein bestes FIFA zeigen muss, aber in Berlin, meiner Heimatstadt, bin ich gleich doppelt motiviert zu zeigen, was ich kann. Ich freue mich riesig darauf.

Mein Ziel vor der Saison war es, die Playoffs zu erreichen. Das habe ich geschafft.

Cihan Yasarlar

Was ist Dein Ziel für den Rest der Saison und wie hat sich das geändert im Vergleich zum Saisonbeginn?

Geändert hat sich eigentlich nicht viel. Mein Ziel vor der Saison war es, die Playoffs zu erreichen. Das habe ich geschafft. Jetzt geht es darum, aus einer guten eine sehr gute Saison zu machen, indem ich den brutal schweren Schritt zum Grand Final schaffe.

Wie lässt sich Deine YouTube-Karriere mit dem Profi-Dasein vereinbaren. Leiden die beiden Felder untereinander?

Zu den ganz stressigen Phasen, als Global Series Qualifier und VBL gleichzeitig stattfanden, hat dieser Aspekt bestimmt ein wenig gelitten. Aber in erster Linie bin ich eSportler, darauf liegt immer der größte Fokus. Ich glaube, ich habe dennoch genug und guten Content in dieser Saison abgeliefert.

Wie sieht Deine zukünftige Zusammenarbeit mit RB Leipzig aus

Ich habe noch bis Ende 2019 Vertrag. Wir werden uns sicherlich in den nächsten Monaten zusammensetzen, um die Zukunft zu besprechen. Aktuell liegt mein Fokus aber voll und ganz auf der Global Series.

Interview: Christian Mittweg