Raptors holen zum ersten Mal den Titel

Leonard in anderen Sphären - Gasol schreibt Geschichte

Kawhi Leonard wurde zum wertvollsten Spieler der Finals ausgezeichnet.

Kawhi Leonard wurde zum wertvollsten Spieler der Finals ausgezeichnet. imago images

Zu Hause verpassten es die Kanadier, den Titel zu holen. Doch die Mannschaft von Trainer Nick Nurse ließ sich davon nicht beirren und gewann Spiel sechs bei den Golden State Warriors. Die letzte Partie in der Oracle Arena ging also an das Gastteam, die Dubs ziehen nun nach San Francisco um. Die Hausherren hatten abermals großes Verletzungspech, Klay Thompson schied Ende des dritten Viertels aus - später kam raus, dass er sich das Kreuzband gerissen hat. Neben Kevin Durant (Achillessehnenriss) fehlte dem Team also ein zweiter Star. Aller Umstände zum Trotz hätte der dritte Superstar Stephen Curry Spiel sieben erzwingen können - doch sein Dreier prallte nur an den Ring.

Somit waren es am Ende die Raptors, die mit 114:110 gewannen und sich den ersten NBA-Titel der Franchise-Geschichte holten. Zwar agierten die Kanadier im Großen und Ganzen als geschlossenes Team, doch natürlich kommt man nicht umhin, einen Akteur herauszuheben: Leonard! Der 27-Jährige spielte fantastische Play-offs wie Finals, wurde völlig zu Recht zum wertvollsten Spieler der Finalserie ausgezeichnet. Damit ist Leonard erst der dritte Spieler, der für mehrere Teams zum Finals-MVP gekürt wurde (vorher 2014 bei den Spurs). Das gelang nur Kareem Abdul-Jabbar (Milwaukee und LA Lakers) und LeBron (Miami und Cleveland). "Letzten Sommer war ich in einem Loch, ich konnte vorher nicht viel trainieren, es ging mir nicht gut. Aber dieser Moment ist das, wofür ich mich zurückgekämpft habe. Deswegen spiele ich Basketball und ich bin froh, dass sich meine harte Arbeit ausgezahlt hat", sagte der Superstar der Raptors.

Es war gewiss keine leichte Zeit für Leonard, die letzte Spielzeit bei den Spurs lief alles andere als gut, "The Claw" war fast nur verletzt. Das Kapitel bei den Texanern ging unschön zu Ende, für den Allrounder stand ein Neustart in Toronto an. "Meine Erfahrung hat mir geholfen. Dazu haben meine Teamkollegen einen großartigen Job gemacht. Das Management hat mir im Sommer einfach gesagt: Gehe raus und spiele Basketball. Und das hat funktioniert", so Leonard ganz nüchtern. Der Superstar, der eigentlich das Rampenlicht nicht so mag und kein Star sein will, hat das Team angeführt und für den ersten Titel in der Geschichte des Vereins gesorgt. In der Postseason erzielte Leonard insgesamt 726 Punkte, nur LeBron James (748 im Jahr 2018 mit den Cleveland Cavaliers) und Michael Jordan (759 im Jahr 1992 mit den Chicago Bulls) erzielten mehr Zähler.

Siakam wird immer besser

Am Ende griffen immer mehr Rädchen zusammen bei den Raptors. Beispielsweise wurde Pascal Siakam immer besser, lernte in den Play-offs stetig dazu und wurde am Ende zum ganz wichtigen Faktor. Er und Leonard haben in der Postseason zusammen 1187 Punkte erzielt, damit zogen sie mit Michael Jordan und Scottie Pippen gleich. Nur ein Duo traf in den Play-offs noch häufiger, LeBron James und Dwyane Wade erzielten 2012 für die Miami Heat 1222 Zähler.

VanFleet lässt es regnen

Auch von der Bank des Meisters kamen immer wieder Spieler, die der Partie den Stempel aufdrückten. Allen voran ist Fred VanFleet zu nennen, der insgesamt 16 Dreier versenkte und damit für einen Rekord in den Finals sorgte. Vorher hielten JR Smith und Robert Horry den Bestwert für Dreier von Bankspielern, beide trafen 15-mal. Auch in Spiel sechs versenkte der 25-Jährige wichtige Würfe von downtown. "Sie sind seit einer langen Zeit die Besten der Liga, das hat natürlich seine Gründe. Es war sehr schwer. Wir mussten viel aufwenden und extem fokussiert spielen", berichtete VanFleet, der zu seinen wichtigen Dreiern sagte: "Dafür trainiere ich den ganzen Sommer."

Novum durch die Gasol-Brüder

Ein weiterer wichtiger Faktor für den Titel der Raptors war Marc Gasol, der im Februar aus Memphis gekommen war. Mit seiner großen Erfahrung half er dem Team sofort weiter und spielte ebenfalls starke Play-offs. Durch seinen Titelgewinn sind die Gasols nun das erste Brüderpaar, das die NBA-Trophäe holte. Bruder Pau war es bereits zweimal mit den LA Lakers gelungen. "Das ist die härteste Sache, die ich jemals getan habe. Ich will mich nur bedanken, jetzt ist Zeit zu feiern", sagte Marc Gasol nach der Partie. Aber der Spanier vergaß auch in diesem Moment nicht, wo er herkommt und richtete nette Worte nach Memphis: "Danke an alle. Danke dafür, dass ihr mich zu dem gemacht habt, der ich jetzt bin. Ich werde euch für immer dankbar sein."

Am Ende dürfen die Raptors nach einer starken Saison über eine verdiente Meisterschaft jubeln, wenngleich der Gegner natürlich großes Verletzungspech hatte. Warum es für die Kanadier so erfolgreich lief, fasste Coach Nurse in einem Satz sehr passend zusammen: "Alle Spieler haben selbstlos gespielt und waren defensiv sehr stark, das ist eine gute Kombination."

mst

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Schmerzen, Emotionen und der verdiente MVP