St. Louis gewinnt Spiel sieben in Boston

Stanley-Cup-Sieg! O'Reilly führt die Blues zum ersten Titel

Ryan O'Reilly

Wertvollster Spieler der Play-offs: Ryan O'Reilly. Getty Images

Erstmals nach rund zwei Wochen Pause nach erlittener Gehirnerschütterung konnte Bruins-Coach Bruce Cassidy in Spiel sieben wieder auf Verteidiger Matt Grzelcyk bauen, der Connor Clifton in der Defensive auf die Tribüne verdrängte. Auch Craig Berube tauschte im Vergleich zu Spiel sechs - und sogar zweimal: Während im Angriff Ivan Barbashev nach Sperre zurückkehrte, spielte in der Abwehr Joel Edmundson für Robert Bortuzzo.

Nur in den ersten beiden Minuten gelang es St. Louis, Boston in der eigenen Zone ein wenig unter Druck zu setzen. Danach dominierten im ersten Drittel lange Zeit die Bruins. Im ersten Powerplay, das Blues-Verteidiger Colton Parayko verursachte, weil er den Puck in der eigenen Zone über die Bande in die Zuschauerränge geschlenzt hatte, kam Boston der Führung sehr nahe: Brad Marchand scheiterte aus zentraler Position jedoch ebenso am stark aufgelegten Keeper Jordan Binnington (9.), der im Eins-gegen-Eins mit David Krejci ebenfalls Sieger blieb (10.).

Blues stellen Spielverlauf auf den Kopf

Auch danach blieben die Bruins tonangebend und kreierten mehrere Chancen. Marcus Johansson scheiterte in der 12. Minute ebenfalls mit der Rückhand frei vor dem Tor an Binnington. Über 15 Minuten lang gelang es St. Louis nicht, auch nur einen Schuss auf Tuukka Rask im Bostoner Tor abzugeben. Bis in die 17. Minute: Jay Bouwmeester zog von der blauen Linie ab und Ryan O'Reilly fälschte die Scheibe an Rask vorbei ins Tor ab - 1:0 für die Blues!

Als erster Spieler seit Wayne Gretzky 1985 gelang es O'Reilly damit, in vier aufeinanderfolgenden Stanley-Cup-Finalspielen je mindestens einen Treffer zu erzielen. Sogar als erst dritter Spieler in der NHL-Geschichte nach Sid Smith (1951) und Norm Ullman (1966) gelang es dem Center zudem, in vier Stanley-Cup-Finalspielen in Serie jeweils das erste Tor seines Teams zu erzielen.

Noch vor Drittelende kam es indes noch bitterer für die Bruins, die mit einem Schussverhältnis von 12:4 in die Pause gingen - aber auch einem 0:2-Rückstand: Denn nach einem weiteren druckvollen Angriff der Paradereihe um Brad Marchand verunglückte diesem ein Wechsel, sodass sich den Blues einer Konterchance bot. Und St. Louis' Kapitän Alex Pietrangelo nutzte diesen prompt aus und überwand Rask nur acht Sekunden vor Drittelende clever mit der Rückhand. Der Spielverlauf war damit auf den Kopf gestellt.

Schenn und Sanford entscheiden - Grzelcyk trifft zu spät

Im Mitteldrittel rannte Boston weiter an. Doch die Blues verstanden es exzellent, das Tempospiel der Hausherren mit effektiver Verteidigungsarbeit weitgehend zu neutralisieren. Während die Bruins nun kaum zu klaren Abschlüssen, geschweige denn klaren Gelegenheiten kamen, hatte St. Louis bei einem Konter sogar die beste Chance im Mittelabschnitt: Brayden Schenn scheiterte mit einer Direktabnahme im Slot an Rask, der den Puck irgendwie noch im hohen Bogen an die Querlatte lenkte. Als die Scheibe im Torraum wieder auf dem Eis landete, verhinderte zudem Zdeno Chara geistesgegenwärtig mit einer Klärungsaktion gerade noch die mögliche Vorentscheidung (31.). So blieb es nach 40 Minuten "nur" bei der Zwei-Tore-Führung für die Gäste.

Die entscheidenden Momente im Spiel ereigneten sich Mitte des Schlussabschnitts: Erst verhinderte Binnington mit einer weiteren starken Parade mit dem Schoner gegen Joakim Nordström gerade noch den Anschlusstreffer (49.), dann traf auf der Gegenseite Schenn nach klugem Pass von Vladimir Tarasenko flach per Direktabnahme zum 3:0 (52.). Gegen die die Abwehr nun vollends entblößenden Bruins erzielte der frei gespielte Zach Sanford rund viereinhalb Minuten vor der Schlusssirene mit dem 4:0 die endgültige Entscheidung.

Boston nahm danach Rask zugunsten eines sechsten Feldspielers vom Eis und kam in Person von Grzelcyk noch zum Ehrentreffer zum 1:4. Doch nach 60 Minuten herrschte Katerstimmung bei den Bruins, während Blues-Kapitän Pietrangelo die begehrteste Trophäe im Eishockey von NHL-Commissioner Gary Bettman erhielt und den Cup anschließend - als erster Blues-Akteur überhaupt in 52 Jahren Franchise-Geschichte - in die Höhe reckte.

Conn-Smythe-Trophy: O'Reilly wird Play-off-MVP

Zusätzlich zum ultimativem Teamerfolg in der NHL durfte sich Blues-Stürmer O'Reilly (28) auch noch über eine große individuelle Auszeichnung freuen: Der Kanadier wurde als wertvollster Spieler der Play-offs mit der Conn-Smythe-Trophy ausgezeichnet. Seine 23 Scorerpunkte, neun davon (fünf Tore, vier Assists) allein in der Finalserie, bedeuteten zudem einen Franchise-Rekord.

Statistik zum Spiel:

Boston Bruins - St. Louis Blues 1:4 (0:2, 0:0, 0:2)

Boston: Rask - Chara, McAvoy; Krug, Carlo; Moore, Grzelcyk - Marchand, Bergeron, Pastrnak; DeBrusk, Krejci, Kuhlman; Johansson, Coyle, Heinen; Nordström, Kuraly, Acciari
St. Louis: Binnington - Gunnarsson, Pietrangelo; Bouwmeester, Parayko; Dunn, Edmundson - Schwartz, Schenn, Tarasenko; Sanford, O'Reilly, Perron; Barbashev, Sundqvist, Steen; Blais, Bozak, Maroon
Tore: 0:1 (16:47) O'Reilly, 0:2 (19:52) Pietrangelo, 0:3 (51:25) Schenn, 0:4 (55:22) Sanford, 1:4 (57:50) Grzelcyk
Strafminuten: Boston 0 - St. Louis 2

Joachim Meyer

St. Louis' Jagd nach dem "Heiligen Gral"