DFB-Frauen effizient und spielerisch mit viel Luft nach oben

"Einfach mal gegrätscht": Däbritz-Tor wie ein Sinnbild

Sara Däbritz jubelt über das Siegtor gegen Spanien.

Sara Däbritz jubelt über das Siegtor gegen Spanien. imago images

Die DFB-Frauen haben den zweiten 1:0-Sieg bei der WM in Frankreich eingefahren. Mit diesem Minimalismus stieß das Team von Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg das Tor zum Achtelfinale weit auf. Die Effizienz der DFB-Frauen war das eine, die fehlende aufseiten der Ibererinnen das andere - und letztlich Entscheidende.

Sara Däbritz sprach nach 90 anstrengenden Minuten von einem "Willenssieg" und sah "absolutes Teamwork auf dem Platz", der Erfolg war aus ihrer Sicht "errungen", wie die Mittelfeldspielerin des FC Bayern abgekämpft feststellte.

Siegbringende Grätsche mit einem Meter Rückstand

Ihr Tor zum 1:0 in der 42. Minute stand sinnbildlich für all diese Beschreibungen: Nachdem die spanische Torhüterin Sandra Panos einen wuchtigen, aber nicht sehr platzierten Kopfball von Alexandra Popp nach vorne rausprallen ließ, hatte Däbritz gegenüber der spanischen Rechtsverteidigerin Marta Torrejon gut einen Meter Rückstand, um an den Ball zu kommen. Doch mit aller Kraft und Leidenschaft sprang Däbritz in den vor der Torlinie liegenden Ball und grätschte ihn über die Linie - Torrejon wähnte sich offenbar in großer Sicherheit, denn sie ließ sich viel zu viel Zeit um den Ball einfach aus der Gefahrenzone zu schlagen. "Ich habe darauf spekuliert, habe einfach mal gegrätscht", so Däbritz lapidar über ihre Energieleistung.

Vor der um den Gruppensieg entscheidenden Partie hatte die deutsche Mannschaft vor allem die Schockmeldung der Marozsan-Verletzung zu verdauen. Die Ausnahmekönnerin im deutschen Team zog sich gegen China einen Bruch der mittleren Zehe zu und wird mindestens in der Gruppenphase fehlen - also auch noch am Montag gegen Südafrika. Es war viel spekuliert worden, wie die Bundestrainerin den Ausfall auffangen würde, nachdem sie auf der Pressekonferenz am Dienstag noch offenbart hatte, dass "wir Dzsenifer nicht ersetzen" können.

Auf dem Platz machte dies zunächst eben Däbritz, doch die zukünftige Spielerin von Paris St. Germain war in der Mittelfeldzentrale in einem 4-4-2 eingebettet neben Lena Goeßling, Svenja Huth spielte eine variable Stürmerin vornehmlich über rechts und Popp als vorderste Spitze. Die "Küken" Lena Oberdorf (17) und Giulia Gwinn (19) durften über die Außenbahnen wirbeln.

Erste Gefahr nach acht Sekunden: Der Plan ging nicht auf

So der Plan, doch die Offensivabteilung war in den ersten 25 Minuten des Spiels allerdings kaum gefragt, denn die Spanierinnen legten los wie die Feuerwehr. Schon nach acht Sekunden (!) musste DFB-Keeperin Schult einen Schnittstellenpass durch die Innenverteidigung in höchster Not klären, es folgten weitere Hochkaräter für Spanien. "Wir haben zunächst schwer Zugriff bekommen, Spanien hat den Ball super laufen lassen", umschrieb Däbritz die extrem schwierige Phase.

Wir haben zunächst schwer Zugriff bekommen, Spanien hat den Ball super laufen lassen.

Sara Däbritz

Möglicherweise brachte eine Verletzungsunterbrechung teilweise die Wende. In der 25. Minute musste Nahikari Garcia nach einem Luftduell mit Marina Hegering am Boden liegen. Fast alle deutschen Spielerinnen kamen zusammen, diskutierten ausgiebig - und fanden den Weg zurück ins Spiel. Auch wenn die Spanierinnen weniger fehlerhaft agierten und optisch überlegen waren, so war der zweite Sieg im zweiten WM-Spiel nicht gänzlich unverdient. "Mit dem Sieg gegen Spanien sind wir auf einem guten Weg. Wir wollen mit Mut und Selbstvertrauen in die nächste Runde", so Däbritz.

Ab dem Achtelfinale: Spielerische Steigerung notwendig

Und mit einer Steigerung im spielerischen Bereich. Denn Minimalismus, Teamwork und eine schlechte Chancenverwertung des Gegners wird ab der K-.o-.Phase des Turniers wohl nicht mehr ausreichen. Das haben die bisherigen Leistungen der zahlreichen Titelanwärterinnen gezeigt. "Es war von Anfang an das Ziel, Gruppenerster zu werden", sagt Däbritz abschließend. Denn dann wäre der größte Favorit, die USA mit ihrer Rekordleistung gegen Thailand, als Gegner erst im Finale möglich.

bst