Nationaltrainer Mancini zeigt sich zufrieden - Pjanic lobt

Das neue, alte Italien - und die "glorreiche Zukunft"

Roberto Mancini

Hat Italien bis hierhin wieder in die Spur gebracht: Nationaltrainer Roberto Mancini. imago images

Vor etwa eineinhalb Jahren waren dunkelste Gewitterwolken in Italien aufgezogen, als der viermalige Weltmeister in den Play-offs der WM-Qualifikation an Schweden gescheitert war. Neben der Gewissheit, zum ersten Mal nach 60 Jahren eine Weltmeisterschaft zu verpassen, war dies zugleich das Ende von glorreichen Nationalmannschaftskarrieren wie Andrea Barzagli, Daniele de Rossi und natürlich Torwartlegende Gianluigi Buffon. "Grande Gigi" hatte seine sechste WM-Teilnahme und damit seinen geplanten Azzurri-Abschied auf der großen Bühne verpasst und in den Armen vieler tröstender Schweden sowie Mitspieler oder Betreuer bitterlich Tränen vergossen.

Kurzum: Ein geschichtsträchtiger Tiefpunkt in der stolzen Geschichte der Squadra Azzurra war erreicht, der damalige Coach Giampiero Ventura hatte als Hauptschuldiger schnell den Hof verlassen müssen, auch in der Führungsstruktur des Verbands waren Eingriffe gefolgt - und für populäre Medien wie die "Gazzetta dello Sport" war die Apokalypse erreicht.

Mancini übernimmt - und hat einen Plan

Und nun? Nun scheinen die Azzurri wieder den Weg zurück in die Erfolgsspur gefunden zu haben - dank Trainer Roberto Mancini. Der 54-Jährige, auf Vereinsebene unter anderem schon für Florenz, Lazio, Inter oder Manchester City tätig, empfindet die Berufung "als Auftrag" und nimmt das wörtlich. Mancini hat Strukturen aufgebrochen und etlichen jungen Talenten wie zum Beispiel Nicolo Zaniolo (19, AS Rom), Federico Chiesa (21, AC Florenz) oder Nicolo Barella (22, Cagliari Calcio) schnell den Weg ins Nationalteam ermöglicht. Darüber hinaus verfügt der Kader über einen hochveranlagten Stamm Mitte der zwanziger Jahre (Marco Verratti, Federico Bernardeschi, Jorginho, Lorenzo Insigne) - und zugleich setzt Mancini auch auf erfahrene Recken, die dieses Team führen und mit Blick auf die EM 2020 auf Kurs bringen sollen. Allen voran sind hierbei Kapitän Giorgio Chiellini (34, Juventus Turin), Leonardo Bonucci (32, Juve) oder Fabio Quagliarella (36, Sampdoria Genua) zu nennen. Im Tor ist ebenfalls für die kommenden Jahre vorgesorgt: Gianluigi Donnarumma ist mit seinen weiterhin erst 20 Jahren der legitime Buffon-Nachfolger.

"Italien hat bewiesen, eine Seele zu haben"

Dass dieser Plan bislang aufgeht, zeigt sich in der aktuell laufenden EM-Qualifikation: In Staffel J stehen nach vier Spielen die vollen zwölf Punkte zu Buche. Nach den souveränen Auftritten gegen Finnland (2:0), gegen Außenseiter Liechtenstein (6:0) und in Griechenland (3:0) folgte nun gegen den vielleicht schwersten Kontrahenten Bosnien-Herzegowina nach Rückstand ein 2:1-Erfolg. Das Torverhältnis liest sich mit 13:1 ausgezeichnet.

Gerade die Art und Weise überzeugte dabei letztlich: Denn ließen sich die anfangs spielstarken Italiener im Verlauf der Partie immer mehr den Schneid abkaufen und schließlich das verdiente 0:1 durch Edin Dzeko einschenken, war es ein absoluter Traum-Volley von Insigne, der das Ruder kurz nach der Pause herumriss. Es folgte ein offenes Spiel, ehe die Azzurri spät nochmals offensiv agierten, den Sieg wollten und diesen dank Verrattis Schlenzer bekamen.

13 Monate nach seinem Amtsantritt durfte Mancini somit ein positives Zwischenfazit ziehen. "Wir haben mit diesem Sieg in einem komplizierten Spiel, das ungünstig für uns begann, einen weiteren Schritt nach vorne gemacht", so der ehemalige Nationalspieler im Anschluss. Entsprechend euphorisch fielen die Kommentare der italienischen Sport-Tageszeitungen aus. "Italien hat bewiesen, eine Seele zu haben und auf Schwierigkeiten reagieren zu können", hieß es bei der "Gazzetta dello Sport". Der "Corriere dello Sport" lobte: "Die Mannschaft hat eine unglaubliche Stärke, die richtige Mentalität und den richtigen Charakter."

Italien erst demoralisiert, jetzt wieder auf Kurs

Lorenzo Insigne (links) und Federico Bernardeschi

Zwei der aktuellen Hoffnungsträger Italiens: Lorenzo Insigne (links) und Federico Bernardeschi. imago images

Eigenschaften, die aus Sicht von Mancini aber auch nie komplett verloren gegangen waren: "Italien hatte immer eine erstklassige Mannschaft. Man musste nur Geduld haben und die vielen Talente, über die wir verfügen, besser zur Geltung bringen." Mancini weiter: "Die Nationalmannschaft war nach dem WM-Aus, dem ersten nach 60 Jahren, komplett demoralisiert. Aber jetzt spielen wir wieder guten Fußball und zeigen eine positive Mentalität auf dem Rasen - auch wenn es Widrigkeiten gibt. Das ist sicherlich ein Schritt nach vorn, zumal Bosnien eben sehr gut gespielt und uns richtig gefordert hat. Es stehen aber auch noch viele Schritte aus, um uns sicher für die EM im kommenden Jahr zu qualifizieren und dort auch eine Rolle zu spielen."

Dass das gelingen kann, daran hat Bosniens Mittelfeldstratege Miralem Pjanic, der selbst seit vielen Jahren in der Serie A spielt (AS Rom, Juventus) und deswegen besondere Einblicke hat, keinen Zweifel: "Italien verfügt über starke Dribbler, gerade über die linke Seite und über Emerson, Verratti und Insigne wird herausragend zwischen den Linien agiert. Insgesamt ist dieses Team bestens organisiert, die Abwehr spielt seit vielen Jahren zusammen. Italien hat eine glorreiche Zukunft vor sich."

mag

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