Die Finals: Toronto entthront Golden State

Nach Thompson-Schock: Raptors zum ersten Mal NBA-Champion!

Klay Thompson und Kawhi Leonard

Unterschiedliche Emotionen: Klay Thompson und Kawhi Leonard. Getty Images

Das furiose Ende von furiosen Finals: Nach dem nächsten Kevin-Durant-Schock hatten die Warriors in Spiel fünf erneut die Champion-Mentalität ausgepackt und die Serie zurück nach Oakland verschifft; für das allerletzte Heimspiel in der ehrwürdigen Oracle Arena.

Doch dort, angetrieben vom lautstarken Publikum, entwickelte sich nach etwas mehr als zweieinhalb offenen Vierteln das nächste Verletzungsdrama.

Als wäre es mit Durants Achillessehnenriss in Toronto nicht schon schlimm genug gewesen, wurde das am Mittwochabend fast noch "getoppt" - und aus Warriors-Sicht konnte es nicht bitterer kommen. Nachdem Klay Thompson gegen Ende des dritten Viertels, zu diesem Zeitpunkt hatte er schon 28 Punkte beigesteuert, zum Dunk gegen Torontos Danny Green hochgegangen war, landete er mit dem linken Knie so unglücklich, dass er sich sofort schmerzverzerrt die Hände über den Kopf schlug.

Thompson kehrt unter Jubel für zwei Freiwürfe zurück - danach nicht mehr

Es war schnell erkennbar, dass es für die eine Hälfte der Splash Brothers nicht weitergehen würde. Thompson wurde auf dem Weg in die Kabine von Betreuern gestützt, doch als ihm dort jemand mitteilte, dass er, wenn er die zwei gegen Green herausgeholten Freiwürfe nicht nehmen würde, nicht ins Spiel zurückkommen dürfe, kehrte Thompson, begleitet vom lauten Jubel der Halle, humpelnd zurück, versenkte beide Freiwürfe - und konnte danach nicht mehr weitermachen.

Allem Anschein nach hat sich nach Durant auch der zweite Warrior innerhalb einer Finalserie schwer verletzt. Stephen Curry registrierte es mit minutenlangem, ungläubigen Kopfschütteln.

Genau wie Spiel fünf wurde auch diese Partie nach dem Verletzungsschock noch dramatischer: Nach Thompsons Freiwürfen hatte Golden State noch mit fünf Zählern geführt (85:80), verlor aber auch seine zweitbeste Offensivoption nach Curry - und das machte sich bemerkbar. Toronto wurde immer besser, insbesondere Fred VanVleet (insgesamt 22 Punkte, 5/11 Dreier), und führte zwei Minuten vor Schluss mit sechs Zählern (108:102).

Siakam macht den Deckel drauf - Raptors am Ziel

Ein ganz wichtiger Dreier von Defensiv-Ass Draymond Green brachte den Titelverteidiger in der entscheidenden Phase nochmal zurück - doch es sollte nicht reichen. Pascal Siakam (26 Punkte/10 Rebounds/3 Assists) traf den entscheidenden Layup, von dem sich die Warriors nicht mehr erholten. Curry vergab die letzte Chance, die Serie noch einmal zu verlängern.

Die Raptors gewannen nach dem kleinen Rückschlag in Spiel fünf das dritte Auswärtsspiel in Folge in Oakland und sind damit tatsächlich im Ziel. Auf die erste Finals-Qualifikation der Franchise-Geschichte (seit 1995 in der NBA) folgte der erste Meistertitel überhaupt, Toronto verwandelte sich jenseits der kalifornischen Abendsonne erneut in ein Tollhaus.

Leonard wird zum Finals-MVP ernannt - und lächelt tatsächlich!

Zum Finals-MVP wurde wenig überraschend der in den gesamten Play-offs alles überragende Kawhi Leonard ernannt. "The Claw", die Klaue, steuerte in Spiel sechs 22 Punkte, sechs Rebounds, drei Assists, zwei Steals und einen Block bei - und zeigte beim Überreichen der Trophäe tatsächlich ein Lächeln. Für den 27-Jährigen ist es nach 2014 (mit den San Antonio Spurs) die zweite Auszeichnung zum wichtigsten Spieler der wichtigsten Play-off-Serie im Basketball.

mkr

Schmerzen, Emotionen und der verdiente MVP