Ein "Grand-Prix-Sieg" am Mikrofon

Ralf Schumacher faltet Vettel zusammen

Ralf Schumacher

Klare Kante: Ralf Schumacher war am Sonntagabend am Mikrofon ein echter Gewinn(er). imago images

Der Vorfall: Sebastian Vettel kürzt in der 48. Runde in Kurve 3 ab, schießt auf die Piste zurück und dadurch seinen Verfolger Lewis Hamilton beinahe ab. Ralf Schumachers erste Einschätzung Sekunden danach: "Klar, der Fehler war bei Sebastian, aber er konnte gar nicht anders als durch die Wiese. Das hat Lewis erkannt, sonst hätte es einen Crash gegeben. Das wird jetzt natürlich ein Forcing another car from the track. Leider Gottes wird es wahrscheinlich am grünen Tisch entschieden, hoffentlich nicht. Aber da sieht man wieder: Sebastian ist absolut am Limit und hat leider wieder einen kleinen Fehler gemacht. Ich bin froh, dass Lewis so erfahren ist, mit Max (Verstappen, die Red.) hätte das anders ausgesehen."

Im Fernsehen sorgen die ersten Wiederholungen des Vorfalls für weitere Klarheit. Ralf Schumacher: "Ein Teil Absicht (von Vettel, die Red.) war auf jeden Fall auch dabei." Schumacher erwartet eine Zeitstrafe und sagt: "Das wird er sich gefallen lassen müssen."

Vettels Funksprüche: Der Deutsche im Ferrari beklagt sich, er habe Hamilton nicht sehen können. Ralf Schumacher ordnet es ein: "Fairerweise, im ersten Moment habe ich das auch gedacht. Aber wenn man sich's zweimal anschaut, sieht man schon, dass er sich breitmacht, weil er ganz genau weiß, wer da hinter ihm ist. Aber er muss jetzt nicht rumjammern, weil den Fehler hat er wieder gemacht. Fährt er ganz normal durch die Kurve, passiert's nicht. Seine Emotionen? Ist alles verständlich. Ich sag's noch mal: Wenn Lewis sich daneben setzt, gibt's einen Knall. Und das muss man auch wissen mit Sebastians Erfahrung. Da muss man Luft lassen, da muss man in den Spiegel gucken."

Das Fernsehen zeigt eine weitere Wiederholung. Für Schumacher aber wird der Fall immer klarer: "Da hat er gegengelenkt. Trotzdem ist es sein Fehler - Punkt. Er hätte da schon noch ein bisschen langsamer fahren können, und er fährt auch falsch in die Kurve rein. Das Nächste ist: Wenn er sich jetzt konzentrieren würde anstatt rumzujammern, könnte er vielleicht die Zeit noch rausholen. Aber so bestimmt nicht."

"Schade, dass Sebastian dieser kleine Fehler unterlaufen ist"

Letzte Runde. Schumacher zieht ein sportliches Fazit: "Wir haben uns ja alle einen spannenden Kampf gewünscht, den haben wir gehabt zwischen Mercedes und Ferrari. Schade, dass Sebastian dieser kleine Fehler unterlaufen ist."

"Das war halt einfach dangerous, das war ein Fehler von ihm"

Nach der Zieldurchfahrt: Vettel schimpft lauthals am Funk wegen seiner Bestrafung, weigert sich, seinen Ferrari wie vorgeschrieben in den Parc fermé zu fahren, dann lässt er Sky-Interviewer Martin Brundle wortlos stehen und entfernt sich vorschriftswidrig aus dem abgesteckten Bereich. Ralf Schumacher: "Manchmal verstehe ich ihn nicht. Es ist natürlich enttäuschend, und er hat recht - ja, es ist schwer zu kontrollieren an dieser Stelle. Aber ich meine: Man kann dann trotzdem ein bisschen bremsen und ein bisschen mehr innen bleiben. Das war halt einfach dangerous, das war ein Fehler von ihm."

Als Vettel durch die Mercedes-Garage doch noch Richtung Podium geht, schaltet Ralf Schumacher noch einen Gang höher: "Ich will mal so sagen: Er hat natürlich dieses Wochenende viel mit den Händen aufgebaut und auch viel geschafft, was er jetzt gerade ein bisschen mit dem Hintern wieder umgerissen hat, muss man sagen. Es zeigt, um ihn ein bisschen zu unterstützen, wie viel Emotion da ist und wie er sich das gewünscht hat, seinem Team den Sieg zu schenken und endlich mal wieder ein Zeichen zu setzen. Und auch wenn er sehr erfahren ist, ist so eine Reaktion eigentlich auch menschlich. Aber es ist keine schöne Sache, gar keine Frage."

"Das ist peinlich, das ist wirklich peinlich"

Vettel, schon beim Abbiegen Richtung Podium, sieht plötzlich die beiden Autos von Hamilton und Leclerc im Parc fermé stehen. Eine Sekunde zögert er, ändert dann seine Laufrichtung und vertauscht das Schild mit der "1", das vor Hamiltons Auto steht, mit jenem mit der "2", das auf dem Platz steht, wo eigentlich sein Auto geparkt sein müsste. Eine für alle Welt demonstrierte Form von Ergebniskorrektur vor laufender Kamera ist das. Ralf Schumacher: "Das ist peinlich, das ist wirklich peinlich. Das macht man nicht, das ist jetzt noch viel schlimmer."

Ralf Schumacher hat damit klare Kante gezeigt. Das allein ist schon bemerkenswert, denn viel zu oft - und das gilt für alle Sportarten und alle Sender - surfen prominente Co-Kommentatoren am Casus knaxus elegant vorbei, um sich nur ja nicht die Zunge zu verbrennen. Auch Ralf Schumacher wirkte bei seinen ersten Einsätzen am Sky-Mikro mitunter ein wenig zu distanziert. So wie am Sonntagabend in Kanada jedoch ist er ein echter Gewinn(er).

Stefan Bomhard

Sebastian Vettel

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