Deutschland mit dabei

Reden statt Regeln: Europäischer eSport-Verband in Planung

Dieses Jahr kamen die Verbände bereits drei Mal zusammen, zuletzt in Lausanne.

Dieses Jahr kamen die Verbände bereits drei Mal zusammen, zuletzt in Lausanne. SESF

Bereits Mitte April trafen sich 15 eSport-Verbände aus 15 Staaten, um eine gemeinsame europäische Vision zu erarbeiten. Heraus kam die "Berliner Erklärung": Ein Schriftstück, das ebenjene Vision zusammenfasst. Und um es kurzzufassen: Man will kooperieren und als gemeinsames Europa voranschreiten. Das beinhaltet in erster Linie die Gründung eines europäischen Dachverbands, darauf einigten sich zwölf der anwesenden Verbände. Wie man auf die Idee kam, verriet uns Hans Jagnow vom eSport-Bund Deutschland (ESBD): "In vielen Begegnungen haben wir gemerkt, dass wir viele ähnliche Entwicklungen und Herausforderungen haben und uns dabei nicht nur als jeweilige nationale, sondern auch als europäische Bewegung verstehen." Noch gibt es diesen Verband nicht, im Laufe des Jahres soll die European Esports Federation (EEF) jedoch gegründet werden. Dabei nimmt auch Deutschland eine zentrale Rolle ein. Der ESBD gehört zu den fünf Verbänden, die hauptverantwortlich sind.

Gemeinsam Lernen, gemeinsam wachsen

Um herauszufinden, was ein europäischer Bund für eSport überhaupt macht, haben wir bei Jagnow nachgefragt: "Ein europäischer Dachverband hat zunächst die Aufgabe, eine gute Plattform für die Mitglieder aufzubauen, um Mehrwerte für die einzelnen Nationalverbände und Stakeholder in den übergreifenden Fragen zu schaffen und den Wissensaustausch zu erhöhen." Das ist die erste zentrale Rolle der EFF und vielleicht auch die wichtigste, denn eSport gibt es noch gar nicht so lange und Strukturen sind national wie international kaum vorhanden. Sportverbände konzentrieren sich ausschließlich auf Sportspiele und die Politik hält sich meist ganz zurück. Wenn die eSport-Szene in einem Land Probleme hat, gibt es kaum Anlaufstellen. Nationale Verbände, wie der ESBD, versuchen zwar zu helfen. Die Vereinigungen existieren aber selten mehr als ein, zwei Jahre und haben bei weitem noch nicht ausgelernt.

Genau an der Stelle soll die EFF helfen, denn das Problem eines Verbandes wurde in einem anderen Land vielleicht längst gelöst. Der Austausch untereinander ist dementsprechend wertvoll. Das reicht von der Verbandsstrukturierung und Arbeitsorganisationen bis hin zu konkreten Themen, wie der Nachwuchsarbeit. "Gemeinsam schafft man übergreifende Standards und Qualität, die dem gesamten europäischen Bereich zugutekommt", ergänzt Jagnow. Die EFF will also vor allem eines: Reden und untereinander helfen. Gegen Regularien spricht man sich dagegen aus. Jagnow hält es für effektiver, ein Vorbild zu schaffen, nach dem sich die einzelnen Nationalverbände richten können.

Eine Stimme für alle

Die zweite zentrale Rolle des europäischen eSport-Verbandes ist der Kontakt in die Politik. Die EFF will relevant sein, als Ansprechpartner dienen und eigenen Interessen Nachdruck verleihen. Das funktioniert besser zusammen als alleine. "Eine einheitliche Stimme gegenüber europäischer Politik und der interessierten Öffentlichkeit hilft bei der weiteren Vermittlung, was eSport eigentlich ist und sein kann", führt Jagnow aus. Er hat selbst erfahren, dass eSport-Verbände auf nationaler Ebene nur bedingt die Politik beeinflussen können. Themen wie der Gemeinnützigkeit des eSports rennt der ESBD schließlich schon seit seiner Gründung hinterher, ohne einen Durchbruch zu erzielen. Und so bleibt fraglich, wie die Politik auf europäischer Ebene mit einem Verband für eSport umgeht. Garantiert ist der Erfolg nicht und so werden Jagnow und Co. eine Menge Arbeit leisten müssen, bis aus der EFF mehr wird als eine Plattform für den Austausch untereinander, sondern auch eine starke Stimme in Europa.

Christian Mittweg

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Viel LED und PCs - eSport Stadien