Spiel 5: Chara spielt trotz Kieferbruch

Umstrittener Treffer entscheidet: Blues dicht vor Titelgewinn

St. Louis Blues

Die Gäste jubeln: Den St. Louis Blues fehlt noch ein Sieg. Getty Images

Erneut ohne Matt Grzelcyk, aber trotz mutmaßlichem Kieferbruch mit Kapitän Zdeno Chara warteten die Bruins im Kader auf. Der 42-Jährige, dessen Einsatz vor der Partie stark fraglich gewesen war, spielte mit Vollvisier und wurde vor Spielbeginn mit stehenden Ovationen auf dem Eis begrüßt. Dennoch stellte Coach Bruce Cassidy einmal um: Steven Kampfer rückte als siebter Verteidiger ins Aufgebot, Stürmer David Backes musste auf der Tribüne Platz nehmen, sodass Boston nur mit elf Angreifern agierte. Bei St. Louis verzichtete Trainer Craig Berube auf Änderungen im Vergleich zum 4:2-Erfolg in Spiel vier.

Torlosem ersten Drittel folgt Sanfords Geniestreich

Die Bruins hatten im ersten Drittel deutlich mehr Spielanteile, doch Keeper Jordan Binnington zeigte sich bei mehreren guten Gelegenheiten äußerst aufmerksam. Und hatte auch ein wenig Glück, denn Brad Marchand traf in der Schlussphase des ersten Drittels aus kurzer Distanz den rechten Innenpfosten. Doch auch die Blues wurden ab und an gefährlich. Tuukka Rask parierte insbesondere im ersten Powerplay der Gäste bei einer Direktabnahme von David Perron in der 19. Minute gekonnt. So ging es nach einem temporeichen und intensiven ersten Abschnitt torlos in die Kabinen.

NHL Stanley Cup - Play-offs - Finale - Best of 7
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Anfangs der zweiten 20 Minuten erwischte St. Louis die Hausherren kalt. Vladimir Tarasenko scheiterte nach wenigen gespielten Sekunden noch an Rask. Doch die Blues blieben in Scheibenbesitz. Zach Sanford spielte mit einem Geniestreich die Scheibe von hinter dem Bostoner Tor durch die eigenen Beine zurück zu Ryan O'Reilly, der Doppeltorschütze aus Spiel vier vollstreckte abgeklärt mit der Rückhand zum 1:0 (21).

Die Bruins waren um eine Antwort bemüht, doch die vor dem eigenen Tor sehr konsequent verteidigenden Blues ließen kaum klare Abschlüsse zu. Glück hatte das Berube-Team indes, dass bei einem Check gegen den Kopf von Torey Krug durch Sanford die Pfeifen der Referees stumm blieben. Bereits im ersten Drittel war eine ähnliche Szene - Ivan Barbashev traf Marcus Johansson mit dem Ellbogen - nicht geahndet worden. Trotz eines Vorteils von 25:14 Schüssen zugunsten der Neuengländer blieb die knappe Blues-Führung bis zur zweiten Pause bestehen.

Umstrittener Treffer von Perron entscheidet

Im Schlussdrittel erhöhten die Bruins das Risiko und erspielten sich auch Chancen: David Pastrnak kam in der 47. Minute dem Ausgleich aus kurzer Distanz ganz nahe, doch trotz Video-Studium war nicht eindeutig zu erkennen, ob der Puck vollständig hinter der Torlinie gewesen war. Auf der Gegenseite traf Abwehrspieler Colton Parayko mit einem mehrfach abgefälschten Schlenzer von der blauen Linie den Innenpfosten - Glück für Boston (48.).

Wenig später allerdings haderten die Bruins vor allem mit den Schiedsrichtern: Denn nach einem glasklaren Foul von Tyler Bozak an Noel Acciari, dem vom Gegenspielern die Beine weggezogen worden waren und der dadurch auch noch unsanft auf dem Hinterkopf gelandet war, ließen die Referees die Partie laufen. Perron kam an die Scheibe und wollte vor das Tor passen, wo Torhüter Rask sich den Puck unglücklich mit dem Schoner selbst über die Linie bugsierte (51.). Während St. Louis jubelte, waren die Bruins-Fans in der Halle erzürnt ob der ausgebliebenen Strafe gegen Bozak und warfen Gegenstände auf das Eis, selbst Bruins-Präsident Cam Neely schleuderte eine Wasserflasche durch die Teamloge.

Nach dem äußerst umstrittenen 0:2 wurden die Angriffe der Hausherren wütender, doch mehr als ein Schlagschusstor von Jake DeBrusk nach Puck-Eroberung von Krug zum Anschlusstreffer (54.) blieb Boston verwehrt. Und so freuten sich am Ende die Blues, die in der Nacht von Sonntag auf Montag (2 Uhr MESZ) in Spiel sechs in eigener Halle nun den ersten Stanley-Cup-Sieg ihrer Geschichte feiern könnten.

Statistik zum Spiel:

Boston Bruins - St. Louis Blues 1:2 (0:0, 0:1, 1:1)

Boston: Rask - Chara, McAvoy; Krug, Carlo; Moore, Clifton; Kampfer - Marchand, Bergeron, Pastrnak; DeBrusk, Krejci, Acciari; Johansson, Coyle, Heinen; Nordström, Kuraly
St. Louis: Binnington - Gunnarsson, Pietrangelo; Bouwmeester, Parayko; Dunn, Edmundson - Schwartz, Schenn, Tarasenko; Sanford, O'Reilly, Perron; Barbashev, Sundqvist, Steen; Blais, Bozak, Maroon
Tore: 0:1 (20:55) O'Reilly, 0:2 (50:36) Perron, 1:2 (53:32) DeBrusk
Strafminuten: Boston 2 - St. Louis 6

Joachim Meyer

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