Widerstand gegen ECA-Boss Agnelli wächst

Völler über CL-Reformpläne: "Todesurteil des Fußballs"

Agnellis Reformpläne?

Agnellis Reformpläne? "Wer das möchte, der muss schwachsinnig sein", sagt Rudi Völler. getty images

Werden ab dem Jahr 2024 tatsächlich nur noch vier der 32 Startplätze über die Platzierung in den nationalen Ligen vergeben? Ginge es nach Juve-Präsident und ECA-Boss Andrea Agnelli, wäre das der Fall. 24 Plätze wären bereits durch die Teilnahme im Vorjahr vergeben, vier weitere Teams würden sich über die Europa League qualifizieren. Eine weitere Neuerung: Je acht Teams sollen in vier Gruppen eingeteilt werden statt wie bisher je vier Teams in acht Gruppen. Das würde für deutlich mehr Spiele sorgen.

Pläne, die inzwischen auf massiven Widerstand stoßen - zum Beispiel bei Rudi Völler. "Das ist das Todesurteil des Fußballs, wenn du dich nicht mehr qualifizieren musst für europäische Wettbewerbe", sagte Leverkusens Geschäftsführer Sport, "das wäre furchtbar und tödlich". Wer das wollen würde, der müsse laut Völler "schwachsinnig sein". Er hoffe nun, "dass alle zur Besinnung kommen".

Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke will sich zumindest einem Kompromiss nicht verschließen: "Diese Reform der Champions League oder Super League kommt so oder so. Wir müssen nun versuchen, da möglichst viel von unseren deutschen Interessen reinzupacken, was den deutschen Gefühlen entspricht", erklärte der BVB-Boss Mitte Mai. Deutschland sei aber "nicht der Nabel der Welt", es brauche deshalb "niemand zu glauben, dass die sich zu 90 Prozent auf unsere Ideen einlassen. Da sagen die am Ende: Macht doch euren Scheiß alleine, wir machen unsere Liga ohne euch." Und dann, wenn sich also die Bundesliga den Plänen gänzlich verschließen sollte, "ist der deutsche Fußball tot", prophezeite wiederum Watzke. "Wenn du an dem ganzen Kreislauf nicht mehr teilnimmst, kannst du dich nicht mehr entwickeln."

Aki, red' nicht so einen Mist!

Rudi Völler am 15. Mai in Richtung Hans-Joachim Watzke

Ähnlich hatte Watzke bereits am 15. Mai im Verlauf der Mitgliederversammlung der Liga argumentiert. Nach Darstellung mehrerer Tagungsteilnehmer konterte Völler: "Aki, red' nicht so einen Mist!" Die 36 Profiklubs lehnten an diesem Tag die Agnelli-Vorhaben ab. Wenige Tage danach zeigte sich der Italiener bei einem Treffen mit deutschen Vertretern in München diplomatisch und erklärte, dass bislang nur Ideen bestünden, aber keine Entscheidung getroffen sei.

Und der FC Bayern? Für den Rekordmeister spricht in der Sache meist der ehemalige ECA-Boss Karl-Heinz Rummenigge, so zum Beispiel nach dem Treffen mit Agnelli: "Ich bin überzeugt, dass am Ende die beste Option für den Fußball gefunden wird und der Bundesliga kein Schaden entsteht", sagte er dem kicker. Ende Mai hatte Rummenigge sich erneut gegen die Reform ausgesprochen. "Warum müssen wir eigentlich überhaupt etwas verändern? Um die Champions League beneidet uns die ganze Welt. Sie ist der mit Abstand beste und am schwierigsten zu gewinnende Wettbewerb der Welt", sagte Rummenigge im Spiegel-Interview. "Ich bin auch kein großer Freund der Idee, die Gruppenphase zu erweitern. Wir haben jetzt schon bei dem aktuellen Modell mit den Vierergruppen oft zum Ende hin sogenannte Dead Games, wo es um nichts mehr geht."

Doch bei vielen großen Klubs geht die Angst um, nichts mehr abzukriegen von den großen internationalen Fleischtöpfen, sollten sie sich der Reform verwehren. Beim Rest regt sich Widerstand, so zum Beispiel in Spanien. Dort hat sich der Rest der Liga unter Führung von Atletico Madrid vom Spitzenduo Real Madrid und FC Barcelona distanziert und sogar einen Protestbrief gegen die Reform verfasst. In England hat sich hingegen die Premier League geschlossen gegen die Reformpläne ausgesprochen.

Auch Infantino äußert sich kritisch

Agnelli wird also jede Menge Überzeugungsarbeit leisten müssen, sollte er seine Pläne noch auf den Weg bringen wollen. Der Widerstand wächst, auch von namhaften Funktionären. Allen voran vom frisch wiedergewählten FIFA-Präsident Gianni Infantino, der sich mehrmals kritisch äußerte. Das liegt aber wohl eher an einem Interessenskonflikt. Schließlich wird ab 2021 die Klub-WM mit 24 statt sieben Mannschaften ausgetragen, sportlich und ökonomisch droht seinem Produkt Konkurrenz durch Agnellis Pläne.

Agnelli verteidigt Pläne - Macron vs. Ceferin

Am Donnerstagabend verteidigte Agnelli auf dem ECA-Sondergipfel seine Pläne: Es sei enttäuschend, dass die Diskussion um das Projekt nur von Vertretern der fünf großen Ligen geführt werde und sprach von "Protektionismus der fünf großen Ligen gegenüber dem Rest des europäischen Fußballs". Dass die Reform nur den großen Klubs zugute käme stritt er ab und brachte das Beispiel der diesjährige Überraschungsmannschaft Ajax Amsterdam: "Ajax war im Halbfinale und hat daheim das Double geholt, aber sie gehen in die Qualifikation. Wie kann Ajax wachsen?" Es gehe ihm um Stabilität und das Interesse des europäischen Fußballs.

Selbst Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron hatte sich in die Debatte um die Champions-League-Reform eingemischt. Es sei "keine gute Idee, die Lebensfähigkeit unseres Modells zum Vorteil von einigen auf europäischem Niveau zu opfern". Worte, die wiederum bei UEFA-Präsident Aleksander Ceferin gar nicht gut ankamen: "Die Rede des Präsidenten ist eine klare Einmischung der Politik in den Sport, die uns sehr überrascht", sagte der Slowene in Paris.

las/rf

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