Training ausgezahlt

Krasniqi erklärt: So lief sein Wechsel von PES zu FIFA

Krasniqi überzeugte beim VBL Grand Final in Berlin auf ganzer Linie.

Krasniqi überzeugte beim VBL Grand Final in Berlin auf ganzer Linie. kicker eSport

Wirklich enttäuscht wirkt Krasniqi nicht nach seiner Niederlage im Halbfinale der Virtual Bundesliga. Sein Aus vermag sich der Spieler von overpowered eSports zwar kaum erklären, er weiß aber auch: "Ich kann stolz auf mich sein." Zurecht: In seiner ersten Saison erreichte er das VBL Grand Final und dort den dritten Platz. Es war nicht nur sein Erfolg, der den 18-Jährigen in Berlin herausstechen ließ. Krasniqi kommt aus der konkurrierenden Szene, von PES. Lange Zeit war Pro Evolution Soccer für ihn die erste Wahl und er einer der besten Spieler Deutschlands. Seit dem Release von FIFA 19 ist er jedoch zweigleisig unterwegs. Für ihn existiert kein klares Konkurrenzdenken zwischen den beiden eSport-Titeln: "Ich liebe Fußball, darum will ich eine Fußballsimulation professionell spielen, egal ob FIFA oder PES."

Training zahlt sich aus

Krasniqis Wechsel zu FIFA verlief zu Beginn schleppend. "Es ist zwar Fußball, aber ein komplett anderes Spiel", bemerkte auch der junge Spieler. Eine Menge Training war notwendig, um nach über einem halben Jahr ein akzeptables Niveau zu erreichen, denn vor allem in der Defensive unterscheiden sich beide Titel drastisch. Er wäre aus PES gewohnt, aggressiver und manueller zu verteidigen. Zudem hätte FIFA zahlreiche Eigenheiten, die er erst noch lernen musste, so Krasniqi. Die Fähigkeit, Pässe und Läufe zu antizipieren, ließ sich dagegen leicht übertragen.

Durch seine lange Trainingsphase hinkte Krasniqi zu Beginn zwar noch hinter der nationalen Konkurrenz hinterher, beim VBL Grand Final belohnte sich der Hamburger jedoch für seine Anstrengungen. Gleichzeitig zeigte sich ein für ihn exklusiver Vorteil: "Durch meine Erfahrungen in PES bin ich unberechenbarer."

Kommt jetzt die Wechselwelle?

Krasniqi ist nicht der einzige Spieler, der erfolgreich von PES auf FIFA umgestiegen ist. Erhan 'Dr. Erhano' Kayman wagte 2014 den Schritt ins Ungewisse. Seitdem hat er sich zu einer festen Größe in Deutschland und zum eSportler vom VfB Stuttgart gemausert. Er weiß um die Herausforderungen eines Wechsels und ist deswegen voll des Lobes für seinen Kollegen: "Man sieht, dass er es draufhat." Dass viele weitere Spieler seinem Beispiel folgen, glaubt Kayman jedoch nicht: "Ein guter PES-Spieler kann auch gut in FIFA werden, aber man muss viel Zeit investieren. Das machen die wenigsten PES-Spieler. Sie geben dem Titel nur ein bis zwei Monate eine Chance und hängen ihn dann wieder an den Nagel, weil sie nicht an ihre Erfolge aus PES anknüpfen können." Krasniqi vertritt eine ähnliche Meinung. Auch er glaubt nicht an eine neue Wechselwelle. Die meisten PES-Profis seien schon zu alt und vertraut mit dem Konami-Produkt, um beim vermeintlich lukrativeren Konkurrenten aufs Neue anzufangen. Für ihn kann das nur positiv sein, denn so bleibt er weiter eine Ausnahme im Ozean der deutschen FIFA-Profis.

Christian Mittweg