Titel oder finanzieller Erfolg?

Protzen oder Sparen: Wie G2 und Schalke ihr Geld ausgeben

G2 feiert den Titelgewinn

So feierte G2 den Titelgewinn beim MSI und ehrte die Spieler mit symbolischen goldenen Statuen. Ein passendes Bild, denn das Team gilt als eines der teuersten weltweit. G2 eSports

Schneller war keiner: G2 hat beim prestigereichen Mid Season Invitational das Finale in Rekordzeit gewonnen. Team Liquid bekam von den Europäern eine 0:3-Klatsche verpasst, die sich gewaschen hatte. G2 ist damit die beste Mannschaft der Welt und überstrahlt auch international alles. Der Grund dafür ist offensichtlich: Die spanische Organisation hat ein Team aus Topstars zusammengestellt. Es ist eines der teuersten der LoL-Szene überhaupt.

"Bei Organisationen wie G2, Fnatic oder Origen geht es vor allem um eins: um Wachstum", sagt Tim Reichert, Chief Gaming Officer vom FC Schalke 04 im Gespräch mit uns. Die Knappen spielen ebenso wie G2 in Europas höchster Liga, der LEC. Allerdings ist der Leistungsunterschied groß: Schalke wurde Siebter in der abgelaufenen Spielzeit und verpasste sogar die Playoffs, G2 durfte den Pokal mit heimnehmen.

Geld holt Siege

Geld scheint eine große Rolle im LoL-Kosmos zu spielen. Die Knappen mussten vergangene Saison fast ihre gesamte Mannschaft umbauen und starke Spieler ziehen lassen. Midlaner 'Nukeduck' verlor man sogar an die direkte Konkurrenz von Origen, vor allem wegen des Gehaltes. Auf Schalke ist man limitiert in den Ausgaben für eSport: "Wir können und wollen nur so viel ausgeben, wie wir einnehmen", sagt Reichert. Die Abgänge im Winter haben wehgetan, das merkt man dem CGO im Gespräch an. So stark habe man gar nicht umbauen wollen, sagt er. "Sicher, ich hätte gerne 'Caps' und ich hätte gerne einen 'Faker' bei uns im Team, aber Verpflichtungen in dieser Größenordnung sind wirtschaftlich nicht tragbar." Mit 'Faker' oder auch 'Caps' in der Midlane hätte Schalke zwei starke Carrys im Spiel, das würde die Knappen sofort ins Titelrennen befördern.

Finanzierungsrunden bringen Geld

Stunts wie der von G2, die einfach zusätzlich zum etatmäßigen Midlaner 'Perkz' noch 'Caps' holten und Ersteren auf die Botlane schickten, sind bei Schalke nicht drin. "G2, Fnatic oder Origen agieren anders auf dem Markt." Wachstum ist das Stichwort bei diesen Organisationen. Dafür sammelt das Trio emsig Geld ein. 15 Millionen Euro hat G2 in der letzten Finanzierungsrunde eingenommen, das reicht für eine Starmannschaft. Das Geld wird allerdings nicht nur in das Team investiert. Die investorenfinanzierten Organisationen bauen ihre Strukturen aus, schaffen Orte in der realen Welt, die Gewinn oder Prestige versprechen. Shops oder Leistungszentren wären zwei Beispiele. Das lockt noch mehr Investoren an.

Ist Erfolg käuflich?

Zentral für den Erfolg einer Marke sind aber auch sportliche Resultate, und die sind ganz offensichtlich bis zu einem gewissen Maße käuflich in League of Legends. Als Gegenbeispiel dient freilich Misfits, die in der LEC mit einem stärkeren und mutmaßlich auch teureren Kader aufliefen als Schalke - dennoch schloss das Team nur auf Rang acht ab.

Bei Königsblau zählen die Zahlen, das Ziel ist es sogar, Geld an den Fußball zurückzuführen, sagt Reichert. "Wir sind auf jeden Fall auf einem sehr guten Weg, besser sogar, als es unser ursprünglicher Businessplan vorgesehen hat - so viel kann ich sagen."

Langfristige Partnerschaft

Acht Millionen Euro hat allein der Platz in Riots Liga gekostet, laut Reichert zwar ein hoher Betrag, aber einer, den man in eine "langfristige Partnerschaft" investiert habe. "Bereits jetzt ist der Wert unseres Slots um ein Vielfaches gestiegen - doch wir denken nicht darüber nach, den Slot zu veräußern. Das ist nicht der Weg, den Schalke 04 gehen will", bekräftigt der CGO.

Es ist schwierig, einzuschätzen, ob diese Finanzpolitik gut oder schadhaft für League of Legends ist. Denn G2 schickt sich an, zum neuen Bayern München zu werden, ein schier unüberwindliches Team mit astronomischen finanziellen Möglichkeiten. Gleichzeitig ist es aber auch positiv, wenn Investoren den eSport unterstützen. Man wird sehen wie Fans, Riot und die Mannschaften mit dem vielen Geld umgehen.

Holm Kräusche