Jeder will ein Stück vom Kuchen

eSport und die Sponsoren: Problemfeld "Trendspringer"

Nicholas Dembowski, Product Management bei Razer, über die Marktentwicklung und Sponsoren im eSport.

Nicholas Dembowski, Product Management bei Razer, über die Marktentwicklung und Sponsoren im eSport. kicker eSport

Ende 2014 stellten wir die Frage: Ist das Thema eSport zu klein für die Mainstream-Industrie? Aus heutiger Sicht scheint sich die Thematik in die andere Richtung zu entwickeln und man muss eher fragen: Droht dem eSport ein Ausverkauf?

eSport-Turniere schießen wie Pilze aus dem Boden. FIFA ist der neue Trend, wenn es darum geht, neue Zielgruppen zu erschließen. Massentauglich und für jeden verständlich. Die eSport-Szene nimmt diese Aufmerksamkeit dankbar an und hat zurecht auch Grund zur Freude. Die Kehrseite der Medaille ist dann aber nicht mehr so hübsch. Denn aktuell möchte jeder die Milchkuh melken, ohne große Rücksicht auf Nachhaltigkeit. Modehäuser, Baufirmen, Sparkassen, aber auch kleine Agenturen wollen ein Stück vom Kuchen abhaben. In der Szene wird dieser Sell out mit Freude und Sorge zugleich verfolgt. Denn der Einstieg großer "Trendspringer" treibt die Preise für kleinere Firmen oder Unternehmen, die schon seit Jahren in den eSport investieren, in die Höhe. Viele wollen da nicht mitgehen.

In Gesprächen mit Mitarbeitern, deren Firmen schon lange im eSport dabei sind, wird diese Investwelle mit vorsichtigem Abstand beobachtet. Wie muss man den Marktwert z.B. von FIFA-Events sehen? Ist es lukrativ, als Hardware-Hersteller zu investieren? Momentan sucht der eFootball seine Sponsoren eher im Mainstream, wo das Produkt auch heimischer wirkt. Der enorme Boom in den letzten Jahren tat der Akzeptanz gut, ruft aber auch Lizenznehmer auf den Plan, die mehr wollen und größere Summen aufrufen.

Deutschland muss sich nicht verstecken

Insgesamt betrachtet sei es aber normal, wenn sich Sponsoren ausprobieren wollen, so Nicholas Dembowski, Product Management bei Razer. Der Hersteller von Computerzubehör investiert seit Jahren in den eSport und sponsert mittlerweile 14 Teams. Das Produktportfolio entwickelte sich über die Zeit mit, und so stellt das Unternehmen nicht nur eSportler-Equipment her, sondern auch Smartphones und Laptops.

Jeden Preis will das Unternehmen dennoch nicht mitgehen, den die Branche momentan vorgibt. "Wir sehen auch, dass viele Firmen, die mit eSports gar nichts zutun haben, jetzt versuchen, die jungen Zielgruppen abzugreifen", so Dembowski. "Das Fundament ist so stark, und da ist ordentlich Substanz dahinter". Manche würden dabei bleiben, andere hingegen merken, dass die langfristige Verbindung fehlt. Es sei normal für Werbetreibende, auf neue Trends zu springen. Dadurch würde sich aber auch mehr entwickeln und professionalisieren, vor allem in Deutschland. Da bräuchte man "sich gar nicht verstecken". Es gäbe so viel auch international und durch immer neue Trends, wie zuletzt Battle Royal, sieht Dembowski für alle genug Platz zum Investieren.

Nicole Lange