Kommentar von Rainer Franzke (Chefredakteur)

Infantinos Behauptung ist verwegen

Gianni Infantino

Versprach zu viel: FIFA-Boss Gianni Infantino. getty images

Die Zahlen sprechen nach Infantinos erster Amtsperiode (seit 2016) für den Präsidenten. Das Vermögen der FIFA ist auf die Rekordsumme von 3,9 Milliarden Euro gewachsen; 81 Prozent ihrer Investitionen gehen weltweit in die Entwicklung des Fußballs.

Knapp sechs Millionen Dollar überweist die FIFA jährlich an jeden ihrer 211 Mitgliedsverbände. Man wisse genau, "wohin jeder Dollar fließt", betont Infantino. Doch in wessen Taschen die Zahlungen in einigen Fällen tatsächlich fließen, diese weltweite Kontrolle überfordert natürlich auch die FIFA. Aber weiß etwa die Politik ganz genau, was mit jenen 10,2 Milliarden Euro passiert, die im Jahr 2019 das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) zur Verfügung stellt? Korruption ist ein weltweites Problem, kein Fußball-spezifisches. Infantinos Behauptung in Sachen "Skandale oder Korruption" ist insofern verwegen.

DFB stimmte für Infantino, um nicht dauerhaft außen vor zu sein

Dass auch der Deutsche Fußball-Bund für Infantinos Wiederwahl votiert hat, sorgte schon nach der entsprechenden Ankündigung am Dienstag für Entrüstung in den sozialen Netzwerken. Natürlich geht es auch hier nur um Macht und Moneten. Als einer der weltweit größten Verbände hat der DFB seit jeher Sitz und Stimme in den Führungsgremien von FIFA und UEFA für sich reklamiert. Dort ist er nach dem Rücktritt von Präsident Reinhard Grindel nicht mehr vertreten. Genau dort aber werden die Weichen gestellt für die Vergabe internationaler Turniere und Reformvorhaben. Ins FIFA-Council ist der französische Verbandspräsident Noel Le Graet nachgerückt, und bei der UEFA hat der Spanier Luis Rubiales als Vizepräsident Grindel beerbt. Deutschland, Ausrichter der Europameisterschaft 2024, steht bei den großen Entscheidungen vor der Tür. Mindestens bis zu den Wahlen beim nächsten UEFA-Kongress am 3. März 2020 in Amsterdam.

Hätte der DFB am Mittwoch in Paris nicht für Infantino gestimmt, wäre diese Tür wohl über Jahre geschlossen geblieben. Deutschland außen vor - ob das dem Fußballbusiness hierzulande geholfen hätte?

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Rainer Franzke

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