Schweizer wird am Mittwoch wiedergewählt

Infantino: Was er erreicht hat, woran er gescheitert ist

Machtmensch: FIFA-Präsident Gianni Infantino.

Machtmensch: FIFA-Präsident Gianni Infantino. imago images

Der ehemalige UEFA-Präsident Michel Platini bezeichnete ihn als "nicht glaubwürdig", sein Vorgänger Sepp Blatter will ihn verklagen und Antikorruptionsexperte Mark Pieth meinte im FAZ-Interview, er "sprengt sogar die Dimension Blatter": Ganz klar, Gianni Infantino, der Emporkömmling aus Wallis, hat nicht nur Freunde. Auch der DFB steht dem einstigen UEFA-Generalsekretär skeptisch gegenüber, obwohl er ihm jüngst die Unterstützung zugesagt hat.

Doch die überwiegende Mehrheit setzt auf Infantino - vor allem die kleinen der 211 Verbände. Schließlich hat der FIFA-Präsident ihnen eine WM 2026 mit 48 Teilnehmern beschert, so träumen auch inzwischen kleine Inselstaaten von der großen Weltbühne. Seine Position ist dadurch derart gefestigt, dass sich nicht einmal ein Gegenkandidat bei der am Mittwoch stattfindenden Wahl fand, auch bei der UEFA nicht. Und das, obwohl gerade die Europäer die größten Kritiker Infantinos sind.

Mit Infantino schreibt die FIFA wieder schwarze Zahlen

Sie hätten aber auch schlicht keine Chance gehabt, zu fest sitzt Infantino im Sattel. Finanziell sieht sich die FIFA gut aufgestellt: Schrieb sie im Jahr 2016 noch tiefrote Zahlen mit einem Defizit von 369 Millionen Dollar, verbuchte der Weltverband für den Zyklus von 2015 bis 2018 dank der WM 2018 ein Plus von mehr als einer Milliarde. Infantino konnte den Verbänden versprechen, dass alle 211 FIFA-Mitglieder mindestens sechs Millionen US-Dollar über vier Jahre erhalten werden.

Doch hat er wirklich eine "neue Ära" eingeläutet? Ist der "Fußball wieder ins Zentrum gerückt?" Das versprach er zumindest bei seiner Antrittsrede als FIFA-Präsident. Herausgekommen ist aber vielmehr eine Politik nach dem Motto "höher, schneller, weiter". Infantino boxte die vergrößerte Klub-Weltmeisterschaft gegen die Bedenken der Europäer durch, hätte am liebsten die WM 2022 mit dem umstrittenen Gastgeber Katar gleich in mehreren Ländern und mit 48 statt 32 Teams stattfinden lassen. Ein Plan, der letztlich an der Politik scheiterte. Und dann ist da ja noch die Geschichte mit dem Verkauf zweier Wettbewerbe und etlicher Rechte für 25 Milliarden Euro an ein mysteriöses Konsortium. Infantino hat bis heute nicht verraten, wer eigentlich dahinter steckt, von der dringend benötigten Transparenz bei der FIFA kann hierbei keine Rede sein. Das Council zerschlug das Vorhaben, vor allem die Europäer wehrten sich dagegen.

Infantino hat das Imageproblem nicht gelöst

Bei solch undurchsichtigen Geschäftsgebaren verwundert es nicht, dass eines der Hauptprobleme der FIFA unter Infantino nicht gelöst wurde: das Imageproblem. Die FIFA wird nach wie vor als elitär wahrgenommen, entrückt von der Basis. Beim WM-Eröffnungsspiel Russlands gegen Saudi-Arabien blieb das Bild eines Infantino im bequemen Ledersessel in einer mit Plexiglas gesicherten Ehrenloge neben Wladimir Putin und Saudi-Arabiens Kronprinz Mohammad bin Salman hängen. Die aktuelle Sitzung des FIFA-Councils geht im herrschaftlichen Pariser Hotel "Salomon de Rothschild" über die Bühne. Volksnah gibt sich Infantino wahrlich nicht, vielmehr vermittelt er den Eindruck eines hochrangigen Würdenträgers oder Politikers, der gerne mal mit Staatschefs wie Trump oder Erdogan posiert.

Von einer neuen Ära nach den wilden FIFA-Zeiten unter Blatter mit zahlreichen Korruptionsskandalen kann also keine Rede sein. Die führenden Köpfe der FIFA-Ethikkomission, der deutsche Richter Hans-Joachim Eckert und Chefermittler Cornel Borbely aus der Schweiz, wurden von Infantino geschasst. Das Gremium hatte zuvor mit Sperren gegen Blatter, FIFA-Generalsekretär Jerome Valcke und Platini die dringend notwendigen "Aufräumarbeiten" eingeleitet.

Im Mai 2017 mussten Eckert & Co. dann ihre Arbeit niederlegen. Intern soll Infantino sich und seine Council-Kollegen als "Geiseln" der Kontrollgremien bezeichnet haben, was er öffentlich bestreitet. Der erboste Eckert erkannte eine "politische Entscheidung" und bedauerte die Entwicklung. "Sie bedeutet das Ende des Reformprozesses bei der FIFA", sagte er.

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