Sportdirektor erläutert seinen Abschied von RB Leipzig

Rangnick: Unter der Dusche zum globalen Strategen im Imperium

Abschied: Nach sieben Jahren als Sportdirektor macht Ralf Rangnick Schluss bei RB Leipzig.

Abschied: Nach sieben Jahren als Sportdirektor macht Ralf Rangnick Schluss bei RB Leipzig. imago images

Der 60-Jährige, Baumeister des Aufstiegs von RB vom Viertligisten 2012 bis zum Bundesliga-Spitzenklub und Champions-League-Teilnehmer und in der abgelaufenen Saison noch Trainer, wird Head of Sport and Development Soccer im Red-Bull-Konzern und wird sich vorwiegend um die Konzernfilialen New York Red Bulls und den brasilianischen Zweitligisten CA Bragantino aus Braganca kümmern, den Red Bull im März dieses Jahres erworben hatte. Nachfolger Rangnicks als Sportdirektor in Leipzig wird Markus Krösche (38), der für eine Ablösesumme von etwa 700 000 Euro vom Bundesliga-Aufsteiger SC Paderborn kommt und am 15. Juni seinen Dienst in Leipzig antreten wird. Im Zuge der Verpflichtung Krösches, der bis 2022 unterschrieb, wird RB mit Paderborn eine Kooperation eingehen. Wie diese konkret aussehen wird, muss en detail noch geklärt werden, aber neben administrativer Unterstützung soll auch auf sportlicher Ebene kooperiert werden - in Form von Spieler-Ausleihen an den SCP etwa.

Rangnick soll künftig "als eine Art Consultant" (Mintzlaff) in Leipzig Krösche und dem neuen Trainer Julian Nagelsmann - so gewünscht - beratend zur Verfügung stehen und wird seinen Lebensmittelpunkt in Leipzig behalten.

Trainersteckbrief Rangnick

Rangnick Ralf

RB Leipzig - Vereinsdaten

Gründungsdatum

19.05.2009

Vereinsfarben

Rot-Weiß

Globaler Stratege im Fußball-Imperium

Der Gedanke, sich nach sieben Jahren neu zu orientieren, ist Rangnick nach dessen Angaben schon im zurückliegenden Winter gekommen. "Unter der Dusche stehend" habe er in der Winterpause darüber nachgedacht, "was die Rückrunde und gegebenenfalls die Zeit danach bringt", so Rangnick am Dienstag. Und da sei in ihm der Gedanke gereift, sich als globaler Stratege im Fußball-Imperium des Brause-Herstellers zu verdingen. Ursprünglich, so Rangnick, sei die Vorstellung gewesen, "dass ich noch zwei Jahre Sportdirektor bleibe und 2021 in die neue Rolle gehe. Aber bei mir ist die Überzeugung gereift, dass es mehr Sinn macht, jetzt schon in die neue Rolle zu gehen, weil ich so viel Steigerungspotenziale sehe, dass es auch für den Standort Leipzig mehr Sinn macht, dass ich jetzt die neue Rolle übernehme."

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In den nächsten Wochen wolle er indes noch alles daran setzen, um seinem Nachfolger Krösche und Nagelsmann "die bestmögliche Mannschaft zu übergeben und die Kaderplanung so weit voranzutreiben und abzuschließen, dass es dann am 8. Juli (dem ersten öffentlichen Training und der offiziellen Vorstellung von Nagelsmann und Krösche, d. Red.) richtig los gehen kann."

Unterstützung von Kornetka und Mitchell

Ab Juli wird sich Rangnick um die Standorte New York und Braganca kümmern. Ihm zur Seite stehen wird dabei unter anderem Lars Kornetka (41), der vor einem Jahr als Videoanalyst von Bayer Leverkusen nach Leipzig gekommen war. Darüber hinaus wird daran gedacht, Chefscout Paul Mitchell (37) in das Team um Rangnick einzubinden.

Das in Leipzig erfolgreich angewandte Know-how soll die beiden Standorte voranbringen und für Leipzig den Profit in Form von potenziellen Top-Spielern bringen - wie etwa Mittelfeldakteur Tyler Adams, der im Januar 2019 von den New York Red Bulls kam und auf Anhieb einschlug. Laut Rangnick ist der Output an solchen Akteuren in New York und von der vorherigen brasilianischen Dependance Red Bull Brasil nicht zufriedenstellend gewesen. "In den letzten sieben Jahren haben wir in New York einen Tyler Adams entwickelt, in Brasilien war es ein Ramalho für RB Salzburg und ein Bernardo für Salzburg und für Leipzig. Das ist, wenn man es auf den Zeitraum von sieben Jahren betrachtet, nicht allzu üppig." Rangnicks Wunsch wäre, dass sich die Filialen "so entwickeln, dass wir jährlich einen Tyler Adams, einen Bernardo oder vielleicht sogar noch andere Spieler entwickeln".

"Ich bin überzeugt, dass wir uns in ganz großen Schritten entwickeln können"

Das zu verbessern, erachtet Rangnick seinen Aussagen vom Dienstag nach als lohnender als das Verweilen als Sportdirektor in Leipzig. Nur noch diesen Posten auszufüllen, hätte für ihn geheißen: "Weitere Entwicklungsschritte wären vielleicht noch im kleinen einstelligen Prozentbereich möglich gewesen." Wenn er in seiner künftigen Rolle erfolgreich sei, so der (Noch-) Sportdirektor, "bin ich überzeugt, dass wir uns in ganz großen Schritten entwickeln können - und zwar an allen Standorten und in einem Maße, dass wir tatsächlich auch international im europäischen Vergleich aufschließen können zu Klubs, die im Moment noch sehr weit von uns entfernt sind."

Rangnick schließt neuen Trainerjob nicht aus

Dass Rangnick, der seinen Worten zufolge in seinem neuen Arbeitsvertrag mit Red Bull keine Ausstiegsklausel hat, nochmal als Trainer wirken wird, "kann und möchte ich nicht ausschließen". Aber nur "irgendwo hinzugehen, um eine Mannschaft zu trainieren, wo andere Leute sagen, welche Spieler geholt werden und welche Spieler gehen, interessiert mich null - egal in welchem Land. Ich kann dann besonders erfolgreich sein und habe dann auch viel Freude an der Sache, wenn ich mehr sein kann als nur der trainierende Übungsleiter."

Krösche sucht neuen Sportkoordinator

Abseits dessen wird RB demnächst den Posten des Sportkoordinators neu besetzen und einen Nachfolger für den im Frühjahr zu Schalke 04 gewechselten Jochen Schneider präsentieren. Dabei soll Krösche, der laut Mintzlaff ursprünglich für diese Rolle vorgesehen war, entscheidend mitsprechen. "Da sitzt der Sportdirektor im Driver seat", sagte Mintzlaff, "denn die Person, mit der er arbeiten wird, muss eine Person sein, die natürlich zu unserem Verein passt, aber auch zu ihm und zum neuen Cheftrainer."

Andreas Hunzinger