Schweizer könnte per Akklamation wiedergewählt werden

"Nur weil Du Kugeln gezogen hast": Platini giftet gegen Infantino

Scharfe Schüsse: Michael Platini ist auf seine einstige rechte Hand, Gianni Infantino, nicht gut zu sprechen.

Scharfe Schüsse: Michael Platini ist auf seine einstige rechte Hand, Gianni Infantino, nicht gut zu sprechen. picture alliance

Ein Applaus könnte genügen, um Infantinos Amtszeit zu verlängern. Das FIFA-Council stimmte am Montag einem Vorschlag von FIFA-Vizechef Scheich Ibrahim al-Chalifa zu, dass die Statuten entsprechend geändert werden. Demnach kann künftig wie bei der UEFA oder auch dem DFB ein Kandidat per Applaus gekürt werden, wenn er keinen Mitbewerber um den Posten hat. Auch Infantinos Vorgänger Joseph Blatter war bei seiner zweiten Wiederwahl 2007 per Akklamation im Amt bestätigt worden.

Entscheidend ist aber für viele nicht wie, denn da der Schweizer keinen Gegenkandidaten hat, wird er sowieso gewählt. Sondern vielmehr warum: "Für mich ist er nicht glaubwürdig als FIFA-Präsident, und er hat auch nicht die Legitimität, um den Fußball zu repräsentieren", sagte der (noch) gesperrte Platini am Montag in Paris in einer zweistündigen Gesprächsrunde mit europäischen Zeitungen. "Nur weil Du Kugeln gezogen hast, kannst Du nicht die FIFA repräsentieren."

Infantino war den meisten vor seiner Wahl als FIFA-Präsident im Februar 2016 lediglich als ausführendes Organ bei großen Auslosungen bekannt, etwa bei Europameisterschaften oder Champions/Europa League. In seiner früheren UEFA-Funktion sei Infantino ein guter Jurist gewesen, sagte Platini. "Aber wie kann jemand, der zehn Jahre lang ständig über die FIFA abgekotzt hat, sich selbst als FIFA-Präsident wiederfinden? Ich war überrascht, dass er als Präsident kandidiert", sagte Platini. Zudem glaube Infantino nicht an den Frauenfußball und lache darüber. Platinis Timing für diese Schelte kam nicht von ungefähr. Am 7. Juni beginnt schließlich die Frauen-WM in Frankreich.

Montagliani spricht, Infantino nicht

Infantino äußerte sich bislang nicht, dafür aber sein Stellvertreter Victor Montagliani. Die Fakten, dass die Frauen-WM vor der Tür stehe, und dass Infantino von ca. 210 Ländern nominiert wurde, "sprechen für sich", sagte der Kanadier am Montag. Infantino werde auch für seine gute Arbeit in den vergangenen drei Jahren wiedergewählt.

Das Verhältnis zwischen Platini und Infantino ist schon länger belastet, und die Geschichte hat einen Hintergrund. Der Franzose wurde 2015 wegen einer Zahlung von zwei Millionen Schweizer Franken durch den Ex-Weltverbandschef Joseph Blatter gesperrt, ansonsten hätte er wohl selbst den Chefposten in der FIFA bekommen. Stattdessen holte sich Infantino das Amt. Platinis Sperre wurde später auf vier Jahre reduziert und läuft im Oktober ab. "Er hätte meine Suspendierung aufheben können", klagte Platini in Richtung Infantino.

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