St. Paulis neuer Sportchef und die Parallele zu seinem Vorgänger

Bornemann beginnt: "Ich bin nicht so forsch wie unser Trainer"

Neues Team, neues Glück: St. Paulis Präsident Oke Göttlich mit

Neues Team, neues Glück: St. Paulis Präsident Oke Göttlich mit "Neuzugang" Andreas Bornemann. imago images

Dass es beim neuen Sportchef Andreas Bornemann gewisse Parallelen zu seinem Amtsvorgänger Uwe Stöver gibt, verhehlt Oke Göttlich nicht und St. Paulis Präsident begrüßt es gar. Bornemann musste im Februar in Nürnberg gehen, weil er dem Wunsch des Aufsichtsrates, Trainer Michael Köllner auszutauschen, nicht entsprechen wollte. Aus gleichem Grunde verlor am Millerntor auch Uwe Stöver im Frühjahr seinen Job, weil er, anders als das Präsidium, an Coach Markus Kauczinski festhalten wollte, und Göttlich rühmt den neuen wie den alten Verantwortungsträger: "Das ist Haltungsstärke, die mir bei beiden gefällt." Der Hauptgrund, den 47-Jährigen zu verpflichten, indes ist dessen gemeinsame Idee mit Jos Luhukay.

Mit dem neuen Coach hat sich Bornemann sowohl vor seiner Unterschrift als auch danach intensiv ausgetauscht, und Göttlich hat eine ganz entscheidende Parallele zwischen ihnen ausgemacht. "Wir wollen Fußballspiele nicht antreten, um sie nicht zu verlieren, sondern wir wollen sie gewinnen. Genau dafür stehen beide." Luhukay hatte zudem forsch angekündigt, innerhalb der nächsten zwei Jahre mit St. Pauli aufsteigen zu wollen, Bornemann machte bei seiner Antrittsrede am Montag deutlich, dass er bei öffentlichen Zielsetzungen ein wenig vorsichtiger ist: "Es ist toll, dass Jos das so sagt, aber ich bin da nicht so forsch." Seine Diktion ist diese: "Wenn ein Verein in seinem inneren Kern einig ist, kann er seine Ziele erreichen oder sogar noch ein bisschen mehr."

Ein bisschen mehr, und zwar an Arbeit, steht für den früheren Freiburger Profi ab sofort an. Wie am Montag vom kicker berichtet, hat er mit seinem Noch-Arbeitgeber 1. FC Nürnberg eine Regelung gefunden, laut der er trotz eines Vertrages bis zum 30. Juni schon jetzt für St. Pauli tätig sein kann. Seine größte Aufgabe: Er soll die Substanz durch Verstärkungen erhöhen, es sind aber bereits 26 Kaderstellen besetzt.

Wenn ich mir das aussuchen kann, vermeide ich so etwas lieber.

Andreas Bornemann über Leihgeschäfte

"Das", ahnt Bornemann, "wird ein Balanceakt." Klar ist, dass er auf Geduld und auch auf Veränderungen bei den Bundesligisten setzt. Entscheidende Bewegungen im Kader können sich durchaus erst dann ergeben, wenn die Erstligaklubs während der Vorbereitung erste Streichkandidaten herausgefiltert haben. "Jos und ich sind uns in dem Punkt einig, dass es sinnvoll ist zu gucken, welche Spieler durch den Bundesliga-Start möglicherweise noch auf den Markt kommen." Seine Prognose: "Wir werden auch Kompromisse eingehen müssen." Dazu können auch Leihgeschäfte gehören. "Wenn ich mir das aussuchen kann, vermeide ich so etwas lieber, aber es geht immer um ein Abwägen, wir sollten da nicht zu dogmatisch sein."

Sebastian Wolff

Zieler, Kittel & Co.: Die Neuzugänge der 2. Liga