Siegt Jürgen Klopp im siebten Anlauf?

Kahn & Co.: Finalniederlagen und die Folgen

Kahn und Scholl

Völlig konsterniert nach dem Final-Trauma gegen ManUnited 1999: Oliver Kahn und Mehmet Scholl. imago images

Aus Madrid berichtet Thomas Böker

In der Champions League und auch bei persönlichen Befindlichkeiten werden sich gerade die unterlegenen Finalisten und Trainer ebenso schon öfter gefragt haben, was denn der Fußballgott gerade Besseres vorhatte, als ebendiese Niederlagen zu verhindern. Aber wäre er denn ein besserer Fußballgott, wenn er die andere Seite hätte verlieren lassen? Hm.

Der berühmte Guttmann-Fluch von Lissabon

Letzteres wollen sie in Lissabon schon lange nicht mehr hören. Ob es nun tatsächlich der berühmte Guttmann-Fluch ist, der bei seiner Entlassung 1962 seinem Klub Benfica zwar nicht die Pest an den Hals wünschte, aber eben auch für die "nächsten 100 Jahre" keinen Sieg im Europacup? Bisher könnte man das glauben, sogar Finalniederlagen in der Youth League werden mittlerweile dieser Verwünschung zugeschrieben...

Bayerns Finalpleiten: Extra-Motivation für den Titel 2001 und 2013

War es gerecht, dass Bayern 1999 und 2012 gegen ManUnited und Chelsea verlor? Nein, nach den jeweiligen Spielverläufen war es das nicht. Fragt da einer nach? Nein. Doch für die Münchner bildeten diese bitteren Stunden die Basis, zwei Jahre bzw. zwölf Monate später jeweils doch den Henkelpott zu gewinnen. Oliver Kahn und Stefan Effenberg waren 2001, Arjen Robben 2013 die Helden, die ihr zuvor erfahrenes sportliches Leid ausmerzen wollten.

Klopps siebter Anlauf

Das wird auch Jürgen Klopp seit jenem Finale der Königsklasse von 2013 beflügeln, ähnlich übrigens wie Milan, das nach der denkwürdigen Niederlage gegen Liverpool 2005 dann zwei Jahre später gegen denselben Klub den Henkelpott holte. Doch nach dem 1:2 mit dem BVB in Wembley gegen Bayern folgten fünf weitere persönliche Finalpleiten Klopps. Drei zuletzt mit Liverpool. Nummer 7 heute abzuwehren, ist Klopps Ziel, ja sein Aufgabe.

Er ist mit keinem Fluch belegt, die Niederlagen waren zum Teil verdient, teils trug er, wie 2016 in Basel durch zu passives Coaching gegen Sevilla in der Europa League selbst dazu bei, teils waren sie von unfassbarem Pech begleitet, wie einem zu Unrecht aberkannten Treffer von Mats Hummels 2014 gegen Bayern oder durch das Elfmeterschießen gegen ManCity 2016 im Ligapokal. Und die Vorkommnisse um Salah und Karius in Kiew 2018 sind bekannt - und hatten nichts mit Klopp zu tun.

Eigentlich ist es nicht bemerkenswert, sondern liegt in der Natur der Sache, "dass wir es trotzdem immer wieder versuchen", wie Klopp sagt, und doch ist es stark, mit welcher Power und Leidenschaft er diesen Weg verfolgt. Nun hat er ihn wieder ins Finale geführt, nach Madrid.

Es liegt in der Schnelllebigkeit und Ungerechtigkeit unserer Zeit, dass ein Finalverlierer letztlich schlechter dasteht, als ein Team, das sich im Achtelfinale blamiert hat. Dabei ist es eine tolle Leistung, wieder am Showdown beteiligt zu sein. Auch wenn das im Falle einer erneuten Niederlage kein Trost für Klopp sein dürfte.

Wie immer es heute ausgeht, es hat nichts mit dem Fußballgott zu tun. Oder vielleicht doch? Jeder sollte glauben dürfen, woran und was er möchte. Auch an ihn.

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