Präsident der Giallorossi schreibt über de Rossi, Fans & Co.

Offener Rundumschlag von Roma-Präsident Pallotta: "Schande, Boxsack, Blah, Blah, Blah"

James

Möchte die Roma weiter nach vorn bringen - und bezieht offen Stellung: James "Jim" Pallotta. imago images

Geschäftsmann James "Jim" Pallotta stammt aus der Nähe von Boston, ist mit den Football- und Baseball-Teams der Region aufgewachsen - und an dem NBA-Franchise Boston Celtics hält er sogar Anteile. Außerdem besitzt der 61-Jährige seit seiner Übernahme mit anderen US-Investoren im Jahr 2011 die AS Roma, gerät aber immer wieder bei Fans oder auch Medien in die Kritik. Das erzürnt den Präsidenten, der als Wirtschaftsexperte gilt und Abschlüsse an der University of Massachusetts und der Northeastern University vorweist, immer wieder - und hat ihn nun dazu gebracht, viele, viele deutliche und tiefblickende Worte zu schreiben.

Der 61-jährige US-Amerikaner und Milliardär mit italienischen Vorfahren adressierte in seinem offenen Brief etliche Themen, darunter...

AS Rom - Die letzten Spiele
Inter (A)
0
:
0
Verona (A)
1
:
3
Spielersteckbrief Totti

Totti Francesco

Spielersteckbrief de Rossi

de Rossi Daniele

Spielersteckbrief Dzeko

Dzeko Edin

Spielersteckbrief N’Zonzi

N’Zonzi Steven

Serie A - Tabelle
Pl. Verein Punkte
1
Juventus Turin
90
2
SSC Neapel
79
3
Atalanta Bergamo
69
Trainersteckbrief Ranieri

Ranieri Claudio

Trainersteckbrief di Francesco

di Francesco Eusebio

AS Rom - Vereinsdaten

Gründungsdatum

22.07.1927

Vereinsfarben

Gelb-Rot

...die vergangene Saison: "Egal ob ihr mir glauben wollt oder nicht - und ich weiß, dass viele schnell dabei sind, alles von mir Gesagte ins negative Licht zu rücken: Ich glaube nicht, dass es jemanden gibt, der mehr enttäuscht ist als ich. Es tut mir leid für all die Fehler, die wir im vergangenen Jahr gemacht haben. Doch trotz der Gewissheit, dass Leute wieder sagen werden 'Blah, Blah, Blah, das alles haben wir schon einmal gehört', glaube ich fest, dass wir für die vergangenen fünf Jahre sehr starke Teams zusammengestellt haben, die immer gewinnen wollten. Wir waren außerdem regelmäßig in der Champions League vertreten. Wir haben einige Rekorde gebrochen, die aber dennoch nicht für einen Titel gereicht haben - und das löst großes Bedauern in mir aus. Weil am Ende des Tages ist es das, warum ich hier bin - Titel zu gewinnen und ein Team aufzustellen, auf das die Roma-Fans weltweit stolz sind."

...die Kritik von außen: "All jene, die ernsthaft glauben, dass ich nur daran interessiert wäre, Geld aus der Roma herauszuziehen, könnten nicht mehr falsch liegen. Ich habe niemals ein Gehalt bezogen, ich habe nie auch nur einen Penny genommen. Ich erhalte auch nichts von Deals auf dem Transfermarkt. Ich bekomme nichts von den Trikoterlösen. Ich kriege nicht einen Cent. Und wenn das Team in der Zukunft irgendwann mehr wert sein sollte, auch dann wird das nicht mein Leben verändern. Und ich verstehe, dass viele unglücklich darüber sind, was abgelaufen ist - besonders zuletzt. Ich bin genauso wenig glücklich darüber - ich bin nicht zufrieden mit den Fußballresultaten und genauso wenig damit, dass wir noch immer nicht ein neues Stadion haben."

...den Bericht von "La Repubblica", der die Roma-Bosse kritisiert und davon erzählt, dass Kapitän und Ur-Römer Daniele de Rossi ( "Ich habe zunächst um fünf Uhr morgens ein paar Ausschnitte gesehen und das sofort als 'Bullshit' bezeichnet. Nachdem ich den Bericht dann komplett gelesen habe und mit einem daran beteiligten Journalisten gesprochen habe, steht fest, dass einige Sachen darin korrekt waren - andere aber komplett falsch. Darunter die Aspekte über Daniele de Rossi, was nicht fair ist. Daniele war über 18 Jahre ein großartiger Krieger der Roma. Er verdient Respekt - und ich habe ihn immer respektiert."

Wir haben ihm gesagt: 'Wir wollen, dass du für den Rest deines Lebens ein fester Teil der Roma wirst.' Wir haben niemals gesagt: 'Ciao. Wir sehen uns. Noch ein schönes Leben.' Wir alle wollen, dass er dem Klub für immer erhalten bleibt. Hoffentlich kommt es auch so.

James Pallotta über Daniele de Rossi

...de Rossi und dessen angebliche Verfehlungen während der Saison: "Wir haben sicherlich unterschiedliche Meinungen darüber gehabt, wie seine Spielerkarriere bei der Roma enden solle - aber darüber spreche ich nicht öffentlich. Das geht nur Daniele und mich etwas an. Daniele war sicherlich immer wieder emotional, weil er sich schon immer um das Wohl der Roma gekümmert hat und sich immer noch kümmert. Er spielt mit Herz - das haben wir alle die letzten 18 Jahre bei der Roma und auch auf internationaler Bühne mit Italien gesehen. Er zeigt seine Emotionen in der Umkleide, was ihn auch zu einem großen Kapitän gemacht hat. War er aber aufgebracht davon, dass auf seiner Position ein neuer Spieler verpflichtet wurde (gemeint ist wohl Weltmeister Steven N'Zonzi; Anm.d.Red.)? Ja - aber nur weil Monchi (damaliger Sportdirektor; Anm.d.Red.) ihm am Tag zuvor noch versichert hat, dass keiner kommen würde, der ihm die Position streitig machen würde. Er wurde also angelogen. Und schon einen Tag später kam er zu mir und entschuldigte sich für sein Verhalten."

...de Rossi und dessen angebliche Forderung, zusammen mit anderen Spielern die Entlassung des ehemaligen Roma-Trainers Eusebio di Francesco zu forcieren (ebenfalls in dem Zeitungsbericht von "La Repubblica" erwähnt): "Die Vorstellung, dass Daniele daran beteiligt war, dass Eusebio di Francesco entlassen wurde, ist zu 100 Prozent falsch. Tatsächlich hatte ich zwölf Spiele vor Saisonende ein Telefonat mit Daniele, bei dem er mich selbst darum gebeten hat, den Coach bis zum Ende der Saison zu behalten. Falls also irgendjemand glaubt, dass er darum gebeten haben soll, di Francesco zu entlassen, dann könnte das gar nicht weiter weg von der Wahrheit liegen. Am Ende habe womöglich ich Fehler gemacht, die uns letztlich vielleicht einen Champions-League-Platz gekostet haben. Und wenn nicht de Rossi, haben dann Dzeko, Manolas oder Kolarov darum gebeten, den Coach zu entlassen? Nein. Keiner von ihnen ist jemals diesbezüglich zu mir gekommen. Ich hatte in der Vergangenheit aber sicherlich Unterhaltungen mit Edin, der aufrichtig mir gegenüber war und mit gesagt hat, was genau im Team abgelaufen ist und dass er das unprofessionell findet. Diese Kommentare fielen aber nur, weil er selbst das Team besser machen wollte."

Daniele de Rossi und James Pallotta

James Pallotta versichert: Auch nach seinem Karriereende steht für Daniele de Rossi die Roma-Tür weit offen. imago images

...den Umstand, den Vertrag mit Daniele de Rossi nicht wie vom Spieler und Fanliebling selbst gewünscht verlängert zu haben - "Lagen wir komplett richtig, wie wir mit Daniele umgesprungen sind? Nein, das denke ich haben wir nicht. Unsere Sicht war aber ganz einfach, dass dies das letzte Jahr von ihm sein würde. Lasst mich das anhand eines Szenarios erklären. Sagen wir, wir haben nächstes Jahr Daniele und einen anderen defensiven Mittelfeldspieler (die Roma agiert häufig in einem 4-1-2-3-System mit einem aufbauenden Sechser; Anm.d.Red.). Insgesamt haben wir nur 24 Spieler im Kader, deswegen eben nur zwei defensive Mittelfeldakteure. Was wäre, wenn im dritten Spiel des Jahres - Gott bewahre - der andere Mittelfeldspieler sich das Bein bricht. Was macht das Team dann? Daniele hat gesagt, dass er gerne zehn bis 15 Spiele in der kommenden Saison absolvieren würde. Was macht das Team dann also? Der Transfermarkt öffnet erst wieder im Januar. Es ist nahezu unmöglich, einen 17- oder 18-Jährigen aus der Jugend in einem wichtigen Serie-A-Spiel reinzuwerfen. Also was tun? Zumal wenn man in der Champions League oder Europa League ist, wöchentlich drei Spiele anstehen. Physisch ist das für de Rossi allein nicht zu stemmen, das hat er selbst gesagt. Also: Wenngleich ich de Rossi liebend gern im Team haben würde, hast du nun einmal nur zwei Kaderplätze für diese Position. So einfach ist es. Du kannst auch dann nicht einfach einen Angreifer nach hinten schieben, weil die Sechserposition ganz speziell ist. Das ist dann unsere rationale, ganz einfache Erklärung gewesen. Eine Fußball- und Teamentscheidung - und keine gegen einen einzelnen Spieler, obwohl Daniele großartig ist. Daniele ist immer loyal gegenüber der Roma gewesen - und die Roma ihm gegenüber. Wir haben ihm gesagt: 'Daniele, wir wollen, dass du für den Rest deines Lebens ein fester Teil der Roma wirst.' Wir haben niemals gesagt: 'Ciao. Wir sehen uns. Noch ein schönes Leben.' Wir alle wollen, dass er dem Klub für immer erhalten bleibt. Hoffentlich kommt es auch so."

...Angriffe: "Ich denke, dass es da draußen ohne Zweifel Personen gibt, die Kontroversen mögen und Probleme in diesem Team verursachen wollen. Sie wollen die Roma kaputt sehen und füttern Journalisten stets mit Falschinformationen. Ich selbst bin seit langem im Sport involviert und weiß, dass Streitigkeiten in jeder Umkleide dazugehören. Das passiert auch im Sport in den Staaten. Ich kenne Spieler und Besitzer rund um den Globus - und bei Gruppen von 25 und mehr Sportlern hat man einfach Diskussionen oder sogar Kämpfe. Das passiert - auf dem Spielplatz und in professionellen Teams. Dann aber zu behaupten, dass sich etwa de Rossi und Totti, zwei seit 20 Jahren bei der Roma aktive Männer, im Krieg befinden sollen, ist kompletter Nonsens. Ob die beiden sich mal nicht verstanden haben sollen? Um Gottes Willen, das hoffe ich. Das letzte, was wir brauchen, sind Ja-Sager überall."

...Vereinsstruktur und das Financial Fair Play der UEFA: "Ich lese immer wieder davon, was ich oder andere der Roma antun wollen - und um hier ehrlich zu sein: Ich bin enttäuscht, dass Fans glauben, ich würde mich nicht mit Leidenschaft und emotional genug um diesen Klub kümmern. Wie ich vorher schon gesagt habe, glaube ich, dass wir die letzten fünf Jahre einen guten Job gemacht haben - vor allem in Bezug auf die Beschränkungen und Ressourcen, die dieser Verein hat. Uns gefällt das freilich nicht, aber zum Beispiel ist Financial Fair Play Realität für uns - und hat uns bei vergangenen Entscheidungen beeinflusst. Leute wollen das nicht hören, aber für eine lange Zeit galt es hier erst einmal eine Menge aufzuräumen. Ich persönlich weiß zum Beispiel auch, dass sich andere Klubs nicht so sehr darum scheren, was das Financial Fair Play sagt. Ich hatte das schon einmal vor ein paar Jahren über AC Milan gesagt, als ich darauf geschaut hatte und ich einfach nicht verstehen konnte, wie das dort gehandhabt wurde."

...Mohammed Salah (wechselte 2017 zum FC Liverpool) und Alisson Becker (wechselte 2018 zum FC Liverpool): "Bezüglich Financial Fair Play haben mir damals Leute gesagt, dass ich falsch handle - doch nun sind deren Vereine unter Beobachtung und werden eventuell bestraft. Und diese Risiken können wir uns nicht erlauben. Doch wollte ich deswegen Salah verkaufen? Nein, aber er hat trotz seines noch zwei Jahre laufenden Vertrags darum gebeten, um zu beweisen, dass er Erfolg in der Premier League haben kann. Wollte ich Alisson abgeben? Nein, aber wir mussten das Financial Fair Play erfüllen - und er wollte zu einem Team, das ihm mehr zahlen kann. Das hätten uns unsere Ressourcen nicht ermöglicht. Manchmal müssen wir einfach Spieler wegen Financial Fair Play verkaufen, andere Male tätigen wir Verkäufe, weil wir glauben, dass es besser fürs Team ist. Der Einfluss dieser Entscheidungen ist nicht immer gleich erkennbar - doch zu dieser Zeit dachten wir einfach, dass es die richtige Entscheidung ist. Doch liegen wir auch manchmal falsch? Absolut, jeder Klub tut das. Lagen wir im vergangenen Sommer falsch? Ohne Frage."

Monchi und James Pallotta

Der vom FC Sevilla gekommene Sportdirektor Monchi (links) erwies sich laut den Aussagen von James Pallotta als Flop. imago images

...Fehler bei der Zusammenstellung des Teams: "Das größte Problem im vergangenen Jahr waren sicher nicht die Verkäufe, sondern unsere Einkäufe. Ohne Frage haben wir einige Spieler auf höchstem Niveau geholt. Das Problem waren nicht die Spieler an sich, sondern der Umstand, die richtigen Spieler für das System von Trainer di Francesco zu holen. Das habe ich Monchi (inzwischen entlassener Sportdirektor; Anm.d.Red.) mitgeteilt - und Monchi hat dann um 100 Prozent Kontrolle und das Vertrauen in ihn gebeten. Nun blicke ich fast täglich auf diesen Tag zurück und womöglich hätte ich ihm diese Vollmacht nicht erteilen dürfen. Denn das Team passte am Ende einfach nicht zusammen, nicht zum System von di Francesco. Am Ende des Transfermarkts sah ich mir das Resultat an und wusste, dass das wohl nicht klappen würde. Und so fühlte ich mich schlecht angesichts der Lage, in die di Francesco gebracht wurde. Als die Dinge dann aus dem Ruder liefen, teilte er mir mit, dass er die Kabine verloren habe - und er sich bei einer Entlassung nicht wehren würde. Denn er ist ein wahrer Gentleman."

Roma-Anhänger

"Vattene", hinfort mit dir: Rom-Anhänger fordern immer wieder das Aus von Präsident James Pallotta. imago images

...Proteste gegen seine Person: "Was ich dabei denke? Lasst mich das hier klarstellen: Ich halte die Schläge aus. Wenn Resultate nicht stimmen, andere Teams gewinnen oder wir Sachen machen, mit denen andere nicht konform gehen, dann bin ich das Ziel und der Boxsack - und zwar beinahe jeden Tag. Obwohl das ermüdend ist, kann ich das ab. Was ist aber nicht aushalte und respektlos finde und sicherlich nicht für die vielen Roma-Fans weltweit steht, ist die Tatsache, dass einige wenige meine Familie und besonders meine Schwestern beleidigen. Nun, nachdem das gesagt wurde, müssen wir Menschen respektvoll begegnen. Für mich ist offensichtlich, dass einige enttäuscht sind, dass sie mich nicht dazu bewegen können, den Klub wieder zu verkaufen. Ich verstehe aber die 3000 Jahre alte Geschichte von Rom und weiß, wie das alles hier abläuft. Wenn Leute denken, sie könnten mich hier rauskriegen, dann irren sie. Das wird nicht passieren. Wir alle wollen hier etwas Großes schaffen - und daran glauben auch alle, die hier arbeiten. Es ist eine Schande, dass einige versuchen, Fans gegen die Roma und mich aufzubringen. Doch das wird nicht passieren, ich gehe nirgendwo hin. Niemand bringt mich und uns von diesem Ziel ab. Forza Roma. Jim."

mag

"Es war eine lange Reise": De Rossis letzte Runde