Champions League

"Die Reichweite der Champions League ist dramatisch gesunken"

Champions League nicht im Free TV - eine Zwischenbilanz

"Die Reichweite der Champions League ist dramatisch gesunken"

Liverpool gegen Tottenham - das Finale mit Reds-Trainer Jürgen Klopp ist nur gegen eine Bezahlung zu sehen.

Liverpool gegen Tottenham - das Finale mit Reds-Trainer Jürgen Klopp ist nur gegen eine Bezahlung zu sehen. imago images

Noch zwei Tage bis zum größten Spiel im europäischen Klubfußball: Das Champions-League-Finale als Highlight des sportlich hochwertigsten Wettbewerbs. Dieses Mal heißt die Partie FC Liverpool gegen Tottenham Hotspur. Und das ist ein Problem für den deutschen TV-Fan, denn die Partie ist nicht im frei empfangbaren TV zu sehen.

In den vergangenen Wochen hatten Sender wie das ZDF oder RTL versucht, doch noch zu Sublizenzen von den aktuellen Rechteinhabern zu kommen. "Wir haben früh mit Sky gesprochen und signalisiert, dass wir das gerne zeigen wollen", sagte ZDF-Sportchef Thomas Fuhrmann der dpa. Doch der Partner des Pay-TV-Kanals, der ebenfalls zahlungspflichtige Internet-Streamingdienst DAZN, blockierte diese Lösung.

Und so wird den Fußball-Fans auch zum Abschluss dieser Spielzeit einmal mehr die gnadenlose Geldvermehrungs-Politik der UEFA vor Augen geführt. Weil diese so viel Geld wie möglich aus ihrem Premium-Produkt herausholen wollte, waren Interessenten wie das ZDF oder RTL bei der Vergabe der TV-Rechte für die drei Spielzeiten ab 2018/19 chancenlos. Die Folge: Wer das diesjährige Finale ohne die Beteiligung eines Bundesligisten sehen will, muss zahlen. Allein die Tatsache, dass mit Jürgen Klopp ein deutscher Trainer beteiligt ist, erfüllt die Vorgabe des Rundfunkstaatsvertrages nicht, um das Spiel im frei empfangbaren TV zeigen zu müssen.

"Wir waren überrascht, dass DAZN nicht zugestimmt hat", erklärte Fuhrmann. Der ZDF-Sportchef versichert, dass es letztlich bei der Übertragung des Endspiels nicht am Geld hing. "Es ist nicht an der Summe X gescheitert." Offensichtlich ging es DAZN darum, sein Geschäftsmodell durchzusetzen und entsprechend bekannt zu machen. "Ja, wir haben uns bewusst gegen eine Sublizenzierung der Rechte entschieden", sagte DAZN-Manager Thomas de Buhr der dpa. Der Anbieter sei stolz, das Finale zeigen zu können: "Dabei bleiben wir nach wie vor bei unserem Angebot, dass Neukunden das Spiel im Rahmen einer einmonatigen Testphase gratis sehen können."

Sublizenzierung durch ARD funktionierte bei BVB gegen Schalke

Für Fuhrmann wäre ein Finale für jedermann "gut gewesen, egal welcher Free-TV-Sender es gezeigt hätte. Dass Sub-Lizenzierung gut ist, hat man bei Dortmund gegen Schalke bei der ARD gesehen." Das Erste hatte für das Revierderby von Sky eine Sublizenz erworben und für jedermann frei gezeigt. 5,38 Millionen Menschen sahen zu, mehr als zehnmal so viele wie bei Sky.

"Es ist nicht nur die subjektive Sicht des ZDF, dass die UEFA dem Produkt (Champions League, Anm. d. Red.) keinen Gefallen getan hat, es hinter die Bezahlschranke zu stecken", sagte Fuhrmann. "Das wird diesem herausragenden Sportprodukt nicht gerecht." Zu dieser Sichtweise tendieren auch Spitzenfunktionäre aus der Bundesliga. "Wenn die UEFA die Spiele im Free-TV zeigen will, muss sie die Ausschreibung entsprechend gestalten. Das liegt weder an Sky noch DAZN. Die Reichweite der Champions League ist dramatisch gesunken rund um den Globus", sagte zum Beispiel Christian Seifert, Vorsitzender der Geschäftsführung der Deutschen Fußball-Liga, in einem kicker-Interview Anfang April.

Und auch Bayerns Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz-Rummenigge plädierte für Champions-League-Spiele im Free-TV. Ein Hintergedanke dabei: Die Sponsoren fänden es besser, wenn im frei zugänglichen Fernsehen deutlich mehr Fans die Werbebotschaften und Logos der CL-Vereine sehen könnten.

Positive Zwischenbilanz von Sky und DAZN

Für Sky und DAZN aber scheint sich der Einkauf der Medienrechte nach ihrer ersten gemeinsamen Spielzeit gelohnt zu haben. "Nach der Gruppenphase hatten wir bereits eine positive Zwischenbilanz gezogen und haben uns sehr über Reichweitenzuwächse gefreut", sagte der Sky-Sport- und Vermarktungschef Jacques Raynaud der dpa. Die neue Konstellation könne "in der Gänze erst nach der ersten Saison" ausgewertet und beurteilt werden, aber "bislang fällt unser Zwischenfazit sehr erfreulich aus".

Ähnlich zufrieden ist der DAZN-Deutschland-Chef. "Wir blicken auf eine sehr erfolgreiche Saison zurück", sagte de Buhr, ohne Zahlen zu nennen. "Die Investition hat sich für uns bisher gelohnt." Geschätzte 200 Millionen Euro zahlen die beiden Pay-Partner pro Saison.

Wir wollen den optimalen, nicht unbedingt den maximalen Abschluss. Auch deshalb gibt es immer noch eine Sportschau, ein Sportstudio, keinen Namenspartner der Liga, weniger Anstoßzeiten als in anderen Ligen."

DFL-Boss Christian Seifert

Die aktuellen Verträge laufen noch zwei weitere Spielzeiten bis inklusive 2020/21. Danach folgt eine weitere Ausschreibung der Rechte an der Königsklasse. Es ist wenig wahrscheinlich, dass die UEFA dann ihr Modell ändert und nicht der Höchstbietende den Zuschlag erhält. Liga-Boss Seifert sieht diese Entwicklung kritisch und hebt die Maxime der DFL bei der Vergabe der Rechte an der Bundesliga hervor. "Wir wollen den optimalen, nicht unbedingt den maximalen Abschluss. Auch deshalb gibt es immer noch eine Sportschau, ein Sportstudio, keinen Namenspartner der Liga, weniger Anstoßzeiten als in anderen Ligen." International aber könne man den Eindruck haben, dass es ausschließlich ums Geld geht. Um dem entgegenzusteuern "müssen sich aber die großen Klubs hinstellen und sagen: Wir schauen nicht auf den letzten Euro", so Seifert im kicker.

dpa/bst